Dekubitus: Langer Weg zur Heilung

Dekubitus

GettyImages/SeventyFour

Ein Dekubitus, auch Dekubitalgeschwür, Druckgeschwür, Durchliegegeschwür oder Wundliegen genannt, ist eine Wunde, die entsteht, wenn die Haut und das darunterliegende Gewebe durch dauerhaften Druck auf diese Stelle geschädigt werden. Besonders bettlägerige Menschen und Rollstuhlfahrer sind häufig davon betroffen. Susanne Otto ist so eine Betroffene. Sie hat uns erzählt, wie langwierig die Heilung war und wie viel Geduld ihr die Behandlung abverlangt habe.

Susanne Otto hat erlebt, wie schwerwiegend ein Dekubitus und wie langwierig die Behandlung sein kann. Die 60-Jährige ist seit einem Sportunfall, den sie als 15-Jährige erlitten hat, querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Sie kann ihre Beine gar nicht bewegen, die Arme und Hände nur sehr eingeschränkt und hat keine Kontrolle über ihre Blase oder ihren Darm. Von Anfang an wird sie von ihren Eltern, allen voran von ihrer Mutter, gepflegt. Seit Kurzem bekommen sie Unterstützung von einem Pflegedienst.

Mutter bemerkte Veränderung

Unter anderem aufgrund ihrer Arbeit beim Stadtarchiv in Göttingen und der damit verbundenen Schreibtischtätigkeit verbringt sie viel Zeit sitzend in ihrem Rollstuhl. Im vorletzten Jahr ist ihrer Mutter eine Veränderung der Haut am Sitzbein aufgefallen. „Meine Mutter meinte, die Haut sei dort komisch und da waren harte Teile dazwischen“, erinnert sich Otto. Ein Chirurg, bei dem sie die Stelle kontrollieren ließ, habe ihr gesagt, die Verhärtungen erinnerten an Knochen. Aus einem kleinen Loch an der Stelle sei Flüssigkeit ausgetreten, die nach Eiter aussah. „Da wusste ich eigentlich schon, dass da etwas drunter murkelt“, sagt Otto.

Sie hätte sich daraufhin an die Klinik in Hessisch Lichtenau gewendet, da die Ärzte dort Erfahrung damit hätten. Da zu diesem Zeitpunkt die Wunde noch sehr klein war, sei Otto nach Hause gelassen worden. „Die Ärzte meinten, die kleine Wunde können wir gut selbst versorgen.“ Ihr sei im weiteren Verlauf aufgefallen, dass immer wieder Eiter aus der Wunde kam.

„Nach zwei Wochen sind wir dann wieder in die Klinik gefahren, weil ich morgens mit einem ziemlich großen Blutfleck im Bett aufgewacht bin und es so aussah, als ob die Stelle eiterte“, erzählt Otto. Nach der Aufnahme im Krankenhaus wurde sie noch am selben Tag operiert. Anders als zunächst vermutet sei die Wunde nicht eitrig gewesen.

„In der Wunde waren Stückchen drin wie kleine Steinchen oder eher wie harter Talg“, erinnert sich die 60-Jährige. Die Ärzte hätten ihr erklärt, es sei möglich, dass diese „Kügelchen“ jahrelang aufeinandergerieben haben wie Schmirgelpapier, weil von außen durch die Sitzposition ständiger Druck darauf lag. Woher sie genau gekommen und wie sie entstanden sind, weiß Otto nicht.

Langwieriger Heilungsprozess

Die Wunde wurde dann über mehrere Wochen gesäubert. „Das nennen sie Waschmaschine“, erzählt Otto. Dabei kommt ein Pad in die Wunde, damit darin alles flüssig bleibt. Eine Pflegerin habe es regelmäßig kontrolliert und die „Krümel“ rausgeholt, erzählt sie. „Als die Wunde richtig sauber war, habe ich dann eine Lappenplastik bekommen.“ Das ist eine Operation, bei der Haut aus der Umgebung der Wunde über die offene Stelle gezogen wird, um diese zu verschließen. Sieben Wochen musste die 60-Jährige nach der Operation auf der Seite liegen, damit alles gut verheilt.

Nachdem sie eine so lange Zeit nur lag, musste Susanne Otto langsam wieder aufgerichtet werden und der Kreislauf ebenfalls langsam wieder angekurbelt werden. „Im August 2020 bin ich ins Krankenhaus gekommen und im Januar 2021 wurde ich dann wieder entlassen“, erzählt sie. Von anderen Patienten, die sie von diversen Krankenhaus- und Rehaaufenthalten kennt, hat sie auch zuvor schon mitbekommen, wie langwierig die Behandlung von Dekubitus sein kann. „Für mich war es das erste Mal, dass ich eine solche Druckstelle hatte und so lange im Krankenhaus bleiben musste, von der Behandlung direkt nach meinem Unfall abgesehen“, sagt sie.

Von anderen Betroffenen hat sie mitbekommen, dass die Heilung aufgrund weiterer Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes noch länger dauert. „Ich habe Glück und eine gut heilende Haut. Die Narben sehen auch gut aus.“ Noch im Krankenhaus habe es eine kleine Panne gegeben, wodurch sich erneut ein kleineres Loch gebildet hatte. Das hätte die Entlassung laut Otto verzögert. Aber auch das sei inzwischen verheilt.

Um einen weiteren Dekubitus zu vermeiden, kontrolliert der Pflegedienst täglich die Narbe. „Ich versuche mich auch immer wieder zu entlasten, aber bei dem Schreibtischjob ist das nicht so leicht“, erzählt sie. Für eine weitere Reha will sie erneut nach Hessisch Lichtenau. Bei der Gelegenheit soll alles noch einmal kontrolliert werden. „Die Druckstelle ist der Feind des Rollstuhlfahrers“, sagt die 60-Jährige. Deswegen passt sie umso mehr auf und lässt sich regelmäßig kontrollieren, um diese zu vermeiden.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.