Dekubitusprophylaxe: Dem Körper den Druck nehmen

 

Kissen auf Bett

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Sind einzelne Körperbereiche dauerhaftem Druck ausgesetzt und dadurch schlecht durchblutet, droht ein sogenannter Dekubitus. Regelmäßige Positionswechsel können derartige Druckgeschwüre verhindern. Außerdem kommt es bei Menschen mit eingeschränkter Bewegung auch auf eine geeignete Unterlage an.

Natürliche Dekubitusprophylaxe

Liegen Sie auch manchmal längere Zeit auf dem Rücken und spüren irgendwann ein Kribbeln oder einen dumpfen Schmerz in den Fersen? Sie drehen sich dann um oder winkeln die Beine an – auf jeden Fall verändern Sie Ihre Lage so, dass diese Körperstellen entlastet werden. Sie betreiben damit automatisch ihre eigene Dekubitusprophylaxe, da mit der Druckentlastung an den Fersen das Blut wieder ungehindert durch die Adern fließen kann.

Die Ursache für das „Kribbeln“ war nämlich eine durch Druck ausgelöste Minderdurchblutung in den Adern der Fersen. Unser eigenes Körpergewicht ist dafür verantwortlich, dass im Liegen oder Sitzen gegen eine Unterlage Druck auf unsere Blutgefäße ausgeübt wird. Das können wir gar nicht vermeiden. Wenn wir als bewegliche Menschen längere Zeit auf einem Stuhl sitzen, dann rutschen wir oftmals ein wenig hin und her oder beugen uns nach vorne oder hinten – auch damit nehmen wir unsere eigene Dekubitusprophylaxe vor.

Wir sorgen also durch Bewegung für eine gute Durchblutung, auch im Liegen und Sitzen. Wie sieht das allerdings bei Personen aus, die in ihrer Bewegungsfähigkeit und in ihrer Wahrnehmung des Körpers eingeschränkt sind?

Druck erzeugt Druck-Geschwüre

Wissenschaftlichen Untersuchungen ist es zu verdanken, dass mittlerweile sehr gut bekannt ist, wie es zu einem Druckgeschwür kommt: Es liegt am Druck. Je länger der Druck besteht und je stärker der Druck ist, umso weniger Blut fließt an diesen Stellen durch die Adern. Dann gelangen in das betroffene Gewebe keine Nährstoffe mehr und es stirbt früher oder später ab. In der Fachsprache heißt dieser Zustand dann Nekrose. Das Gewebe färbt sich dunkel bis schwarz und kann nicht mehr heilen.

Wenn ein Dekubitus dieses Stadium erreicht hat, muss man entweder das abgestorbene Gewebe von einem Arzt entfernen lassen oder man muss viel Geduld aufbringen, bis gesundes Gewebe unter dieser Nekrose allmählich aus dem Körperinneren an die Oberfläche wächst und die Nekrose abstößt, um dem neuen Gewebe Platz zu machen. Nekrosen treten häufig an den Fersen von denjenigen Menschen auf, die ihre Füße und Beine kaum mehr oder gar nicht mehr bewegen können, vielleicht auch nicht spüren.

Wer ist dekubitusgefährdet?

Wenn jemand beispielsweise einen Schlaganfall oder eine Querschnittslähmung hatte oder einfach sehr geschwächt ist, dann spürt er unter Umständen seine Beine kaum oder gar nicht. Diese Personen sind sehr stark gefährdet, Druckgeschwüre zu entwickeln.

Denn das Kribbeln oder auch der Schmerz, den wir empfinden, wenn kein Blut mehr strömt, spüren diese Personen nicht und sie sehen keinen Anlass, die entsprechende Körperregion zu entlasten. Die Information „es kribbelt“ wird aufgrund der Erkrankung auch nicht ans Gehirn weitergeleitet. Somit gibt es auch von hier keinen Impuls, sich zu bewegen.

Bei einem Pflegebedürftigen, der im Bett auf dem Rücken liegt, ist die Körperrückseite sehr belastet. Der Druck des Körpers verteilt sich scheinbar auf die gesamte Matratze. Schaut man allerdings genau hin, dann gibt es Körperstellen, die mehr Druck aushalten müssen als andere. Dazu gehören der Kopf, die Fersen, das Gesäß und der Bereich des Kreuzbeins oberhalb des Gesäßes.

Diese Region ist besonders dann gefährdet, wenn der Oberkörper erhöht liegt und somit der Schwerpunkt des Körpers genau auf diesem Bereich lastet. Im Liegen (oder Sitzen) wird nun Druck von zwei Seiten auf die feinen Blutgefäße, die unter der Haut liegen, ausgeübt: von innen durch das eigene Körpergewicht und die Knochen, von außen durch die Matratzen- oder Sitzauflage. Die Blutgefäße sind sozusagen dazwischen eingeklemmt.

Durchblutung gewährleisten

Das eigene Körpergewicht können wir nicht unmittelbar beeinflussen. Wir können jedoch die aufliegenden Körperstellen, die dem Druck ausgesetzt sind, immer wieder von Druck befreien oder den Druck zumindest deutlich verringern. Das ist letztlich die einzige Möglichkeit, die Durchblutung zu gewährleisten. Entweder verändert also die Person selbst regelmäßig ihre Lage oder sie wird in bestimmten, auf sie abgestimmten Intervallen in eine neue Position gebracht.

Parallel dazu kann die Unterlage, also die Matratze oder das Sitzkissen, verändert werden. Eine weiche Schaumstoffauflage verteilt zum Beispiel den Druck des Körpers, sodass zumindest gleichmäßig eine geringe Menge Blut durch die Adern fließen kann. Eine elektrisch betriebene Wechseldruckmatratze hingegen entlastet immer wieder einzelne Körperpartien vollständig vom Druck, indem immer wieder eine komplette Luftentleerung einzelner Lamellen der Matratze erfolgt. Welche Matratze oder welches Sitzkissen geeignet ist, können Mitarbeiterinnen eines ambulanten Pflegedienstes oder eines Sanitätshauses feststellen.

Weiterführende Informationen

Barmer GEK in Verbindung mit Stiftung Pflege:
Wie vermeide ich Druckgeschwüre?
Ein kostenloser Ratgeber für pflegende Angehörige, weitere Pflegepersonen und ihre Pflegebedürftigen

Schweregrade des Druckgeschwürs

Druckgeschwüre haben verschiedene Schweregrade. Wenn eine Körperregion zu lange nicht ausreichend durchblutet ist, beginnen Stoffwechselvorgänge im Gewebe, die eine Entzündung oder Zersetzung einleiten. Die Haut muss hierauf besonders aufmerksam beobachtet werden. Ob eine Hautrötung bereits einen Dekubitus Grad 1 darstellt, lässt sich mit einem kleinen Test prüfen. Man drückt mit einem Finger für zwei Sekunden leicht in die Rötung und nimmt dann den Finger rasch weg. Bleibt die Rötung bestehen, ist dies ein Hinweis auf Grad 1. Ansonsten würde die Haut erst weiß werden und dann rasch wieder nachröten.

Während man also bei einer anhaltenden Rötung von einem Dekubitus Grad 1 spricht, der durch konsequentes Entlasten gebessert werden kann, wird bei einer oberflächlichen Wunde oder bei der Bildung einer Blase von Grad 2 gesprochen. Ab diesem Zeitpunkt wird dann auch ärztliche Therapie notwendig, um solch eine Wunde zur Heilung zu bringen. Sind weitere Gewebeanteile wie Muskeln oder Sehnen beziehungsweise Knochen mit betroffen, entspricht dies dem Grad 3 oder Grad 4.

Manchmal heilen diese Wunden sehr schlecht, sie sondern unangenehme Gerüche und Flüssigkeiten ab und sind schmerzhaft. Am besten ist es, dass es gar nicht so weit kommen muss. Doch je nach aktuellem Befinden und der gesamten Verfassung der betroffenen Person lässt sich leider ein Druckgeschwür nicht immer verhindern.

Hautbeobachtung und Hautpflege

Eine gute Hautpflege trägt dazu bei, den Schutzmantel der Haut zu erhalten und zu stabilisieren. Gerade an den Körperstellen, bei denen die Haut neben dem Druck auch noch anderen Einflüssen wie Stuhl oder Urin ausgesetzt ist, sind eine gründliche Hautreinigung und Hautpflege wesentlich. Am besten verwendet man kühles Wasser zur Reinigung.

Es ist besser, auf Seife zu verzichten und stattdessen lieber pH-neutrale Waschpräparate, die den Säureschutzmantel nicht gefährden, zu verwenden. Im Intimbereich eignen sich schutzbildende, leicht trocknende beziehungsweise abdeckende Cremes oder Salben für die Haut. Für die Pflege des gesamten Körpers, gerade bei trockenem Hauttyp, haben sich Präparate mit Urea (Harnstoff) oder Wasser-in-Öl-Emulsionen als gut geeignet erwiesen.

Bedenken Sie aber immer, dass mit der Hautpflege allein noch keine Dekubitusprophylaxe erfolgt ist. Die Gewährleistung von Druckfreiheit ist letztlich die einzige wirksame Maßnahme zur Vorbeugung eines Druckgeschwürs.
Wer sich nicht selbst bewegen kann oder darf, sollte gezielt in regelmäßigen individuellen Intervallen eine Positionsveränderung vornehmen (lassen). Denn es liegt am Druck, wenn ein Druckgeschwür entsteht.

Über den Autor

Almut Hartenstein-Pinter ist Pflegewissenschaftlerin (MScNM).