Ratgeber Dekubitus: Typische Symptome der 4 Stadien

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Dekubitus wird in verschiedene Dekubitusstadien eingeteilt. Doch worum handelt es sich hier überhaupt? Und woran können Sie als Angehöriger einen beginnenden Dekubitus erkennen? Wir möchten Ihnen in diesem Artikel kurze und präzise Antworten auf die wichtigsten Fragen geben.

Was ist ein Dekubitus?

Einfach ausgedrückt handelt es sich beim Dekubitus um ein Druckgeschwür. Ein solches Druckgeschwür entsteht, wenn eine Hautstelle dauerhaftem oder kurzfristig sehr starkem Druck ausgesetzt ist, beispielsweise, wenn jemand lange in derselben Position liegt und sich zu selten umdreht. Genau dann kann es schließlich zum Dekubitus kommen, landläufig auch als Wundliegen bezeichnet.

Die möglichen Folgen des Drucks auf die Haut sind gravierend. Zunächst werden die betroffene Hautstelle und das darunter liegende Gewebe schlechter durchblutet. Auf Dauer können die Zellen aber auch komplett absterben, schmerzhafte offene Wunden verursachen oder gar zur Blutvergiftung führen.

Woran erkenne ich einen Dekubitus?

Zunächst sollten Sie die typischen Dekubitusregionen kennen. Überwiegend betroffen sind Hautstellen, an denen zwischen Haut und Knochen nur wenig Fettgewebe liegt. Daher treten Dekubitus vor allem am Steiß, an der Hüfte und an den Fersen auf. Das ist ganz einfach so, weil hier das Gewebe den Druck nicht ausreichend abmildern kann.

In der Praxis können Sie das Druckgeschwür an verschiedenen Anzeichen erkennen. Je früher Sie diese bemerken, umso leichter können Sie verhindern, dass sich das Druckgeschwür verschlechtert. Insgesamt werden Druckgeschwüre in vier Stufen eingeteilt. Diese werden auch als Dekubitusstadien oder Dekubitusgrade bezeichnet.

Merke

Ein Druckgeschwür entsteht über einen längeren Zeitraum, sollte aber möglichst früh erkannt werden. Es wird von Grad 1 bis Grad 4 unterteilt.

Was sind die Symptome der einzelnen Dekubitusstadien?

Vorzeichen

Wenn ein Mensch sich nicht mehr selbst bewegen kann, aber noch ein Körperempfinden hat, kann z.B. das Sitzen „unbequem“ werden oder ein Körperteil „schläft ein“. Nach längerer Zeit können auch Schmerzen auftreten. Dies sind bereits Vorwarnzeichen, bevor erste Anzeichen eines Dekubitus auftreten. Hier sollten Sie handeln und Ihrem Angehörigen in eine neue Position bringen.

Stadium 1: Hautrötungen

Ein Dekubitus 1. Grades zeigt sich oft nur durch eine leichte Hautrötung. Ein Symptom, dem meist weder Betroffene selbst noch Ihre Angehörigen große Bedeutung beimessen. Doch bleibt eine Hautstelle dauerhaft gerötet, ist dies ein ernstes Warnzeichen. Sie als Angehöriger können hier einen einfachen Test durchführen, den sogenannten Fingertest. Dieser hilft Ihnen dabei, einen beginnenden Dekubitus von harmlosen Hautrötungen zu unterscheiden. Drücken Sie einfach mit einem Finger auf die gerötete Stelle. Ist die Rötung harmlos, verfärbt sie sich bei leichtem Druck weiß. Ein beginnender Dekubitus hingegen bleibt über Stunden gerötet.

Stadium 2: Hautschürfungen und Blasen

Im zweiten von 4 Dekubitusstadien erkennen Sie die betroffenen Stellen schon sehr deutlich. Die Haut ist nun nicht mehr bloß gerötet, sondern schon leicht beschädigt, hat Schürfungen oder Blasen.

Stadium 3: Offene Wunden

Ist das 3. Stadium erreicht, sind sehr auffällige tiefe Wunden entstanden. Diese sind offen und die Haut ist komplett zerstört.

Stadium 4: Freiliegende Knochen

Die stärkste Ausprägung des Dekubitus zeigt sich an offenen Wunden, die bis zu den Muskeln und Knochen hinunterreichen. Liegt dieses Symptom vor, ist das letzte der Dekubitusstadien erreicht.

Der Zeitraum, wie schnell sich ein Dekubitus durch die einzelnen Phasen entwickelt, hängt von vielerlei Faktoren ab. Ganz entscheidet ist aber, wie gut die Körperstelle „gepolstert“ ist. Wenn also viel Fettgewebe vorhanden ist (z. B. am Gesäß) ist die Distanz zu Sehnen und Knochen größer als an anderen Körperstellen (z. B. am Ellenbogen)

Welche Risikofaktoren gibt es für ein Wundliegen?

Sie können nicht nur die offensichtlichen Symptome der einzelnen Dekubitusstadien betrachten, sondern auch eine persönliche Risikoeinstufung für Ihren Angehörigen vornehmen. Denn es sind überwiegend bestimmte Personengruppen, die dazu neigen, ein Druckgeschwür zu entwickeln.

Zur Risikogruppe zählen vor allem:

  • Menschen mit eingeschränkter Mobilität, z. B. Rollstuhlfahrer oder Bettlägerige
  • Personen mit Lähmungen oder Durchblutungsstörungen
  • Diabetiker
  • an Demenz Erkrankte
  • Menschen mit einer Inkontinenz
  • stark übergewichtige oder untergewichtige Personen
  • Menschen mit bereits bestehenden Hautschädigungen
Merke

Je mehr dieser Risikofaktoren auf Ihren Angehörigen zutreffen, umso achtsamer sollten Sie sein. Vor allem, wenn Ihr Angehöriger aufgrund einer geistigen Einschränkung wie Demenz sein Risiko nicht selbst ausreichend einschätzen kann, ist er auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Was kann ich tun, wenn mein Angehöriger ein Druckgeschwür hat?

Vorbeugen, bereits entstandene Symptome richtig einordnen und möglichst schnell behandeln – das ist bei diesem Krankheitsbild enorm wichtig. Denn nur so verhindern Sie gravierende Langzeitschäden. Was Sie konkret tun können, haben wir Ihnen im Artikel „Dekubitus behandeln: Das können Sie als Angehöriger tun“ zusammengetragen.

Über den Autor

Sonja Mahr ist freie Texterin und schreibt unter anderem zu Pflegebedürftigkeit und Pflegestärkungsgesetz.