Schlafapnoe: Ursachen, Symptome und Folgen der nächtlichen Atemaussetzer

Schlafapnoe: Ursachen, Symptome und Folgen der nächtlichen Atemaussetzer

Bei der Schlafapnoe pausiert die Atmung Ihres Angehörigen im Schlaf immer wieder kurz. Dadurch kann er nachts nicht richtig zur Ruhe kommen, und die Erholung bleibt aus. Pflegebedürftige Menschen leiden besonders unter den Folgen: Sie fühlen sich tagsüber schnell müde und sind weniger leistungsfähig – das kann auch Sie verunsichern. Wir werfen daher einen Blick auf Ursachen, Symptome und gesundheitliche Auswirkungen und geben Tipps, wie Sie gemeinsam vorbeugen können.

Ein Mann liegt nachts mit seiner Frau im Bett und zeigt Symptome für eine Schlafapnoe.
GettyImages/skynesher
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    Ihr Angehöriger schnarcht laut, macht gelegentlich eine längere Pause beim Atmen und wälzt sich unruhig im Bett – Schlafapnoe-Symptome fallen nicht immer direkt als solche auf. In vielen Fällen ist die Erkrankung zunächst harmlos und zeigt sich „nur“ durch unruhige Nächte oder Tagesmüdigkeit. Manchmal kann die Schlafapnoe jedoch ernsthafte Folgen haben, etwa für Herz und Kreislauf. Mit einfachen Beobachtungen können Sie einschätzen, ob Handlungsbedarf besteht.

    Was ist eine Schlafapnoe?

    Schlafapnoe bedeutet wörtlich „Atemstillstand im Schlaf“. Ihr Angehöriger atmet also immer wieder für kurze Momente kaum oder gar nicht, während er schläft. Häufig geht das mit lautem Schnarchen einher, unterbrochen von plötzlichen, hastigen Atemzügen. Für pflegende Familienmitglieder kann das beunruhigend wirken. Auch der Körper spürt die Unterbrechungen: Die Erholung in der Nacht bleibt aus, und der Organismus muss ständig die fehlende Sauerstoffzufuhr ausgleichen.

    Männer sind generell häufiger betroffen. Rund 30 Prozent leiden über alle Altersgruppen hinweg hierzulande an obstruktiver Schlafapnoe, bei Frauen sind es 13 Prozent. Besonders betroffen sind Männer zwischen 65 und 70 Jahren – hier liegt die Häufigkeit bei bis zu 60 Prozent. Frauen bekommen seltener Schlafapnoe, weil sie eine andere Kopf- und Gesichtsanatomie sowie eine andere Fettverteilung und andere Hormone als Männer haben. Männer haben oft eine längere Zunge, einen größeren weichen Gaumen und längere obere Atemwege, was das Risiko für Atemaussetzer im Schlaf erhöht.

    Mediziner unterscheiden zwei Hauptformen der Schlafapnoe:

    • Obstruktive Schlafapnoe: Die oberen Atemwege verengen sich so stark, dass die Luft nicht mehr ungehindert strömen kann. Das Schnarchen wird dabei besonders laut, die Atempausen wechseln sich mit kräftigem Einatmen ab.
    • Zentrale Schlafapnoe: Hier liegt das Problem in der Steuerung der Atmung durch das Gehirn. Die Atemsignale kommen nicht regelmäßig an, häufig als Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – diese Form ist aber sehr selten.
    Gewisse Atemaussetzer sind nachts normal

    Bei einer Schlafapnoe unterbricht der Luftstrom im Schlaf kurzzeitig. Dadurch sinkt in vielen Fällen der Sauerstoffgehalt im Blut. Das löst eine Stressreaktion im Körper aus: Puls, Blutdruck und Muskelspannung steigen. Dann wachen die Betroffenen kurz auf, um tief durchzuatmen. Solche Atempausen können mehrfach pro Nacht auftreten und sogar mehrere Minuten dauern. Grundsätzlich kommen kurze Aussetzer (Apnoen und Hypopnoen) bei allen Menschen vor und helfen, die Blutwerte stabil zu halten. Erst wenn die Aussetzer häufig, langanhaltend oder mit Beschwerden verbunden sind, sprechen Mediziner von einer behandlungsbedürftigen Schlafapnoe.

    Was sind Ursachen einer Schlafapnoe?

    Die Ursachen einer Schlafapnoe sind stets gleich: Entweder sind die Atemwege Ihres Angehörigen im Schlaf blockiert, oder die Atemsteuerung ist gestört. Verschiedene Faktoren, von der Genetik bis zu Lebensgewohnheiten, können das Risiko steigern.

    Umweltfaktoren, die das Risiko für eine Schlafapnoe erhöhen:

    • Übergewicht: Fettgewebe rund um den Rachen kann die Atemwege verengen, das begünstigt Atemaussetzer.
    • Rauchen und Alkohol: Beides kann das Schnarchen verstärken und die Wahrscheinlichkeit für eine Schlafapnoe steigern.
    • Nasenverstopfung: Allergien oder andere Ursachen erschweren das Atmen und können die Schlafapnoe-Symptome verschlimmern.

    Genetische und körperliche Faktoren, die das Risiko für eine Schlafapnoe erhöhen:

    • Geschlecht und Alter: Männer sind häufiger betroffen, das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
    • Anatomie und Knochenstruktur: Ein enger Rachen begünstigt Atemaussetzer – etwa ein fliehendes Kinn kann das Risiko dafür steigern.
    • Erblich bedingte Atemsteuerung: Manche Menschen haben genetisch bedingt eine instabile Atemkontrolle im Schlaf, was die Neigung zu Atempausen erhöht. Alter, Medikamente oder andere Erkrankungen können die Atemsteuerung zusätzlich beeinträchtigen.

    Was sind Symptome einer Schlafapnoe?

    Schlafapnoe-Symptome zeigen sich sowohl tagsüber als auch nachts. Am Tag fühlen sich viele Pflegebedürftige mit Schlafapnoe sehr müde und haben einen starken Schlafdrang, selbst nach vielen Stunden Nachtruhe. Ihr Angehöriger kann über Schlafapnoe-Symptome wie Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen am Morgen und Stimmungsschwankungen klagen. Bei Betroffenen kommt es auch zu Mundtrockenheit oder einem nachlassenden Sexualtrieb.

    Nachts machen sich die Schlafapnoe-Symptome ebenfalls bemerkbar. Der Schlaf ist oft unruhig, unterbrochen von Atemaussetzern und gelegentlichem Würgegefühl beim Aufwachen. Betroffene berichten von lebhaften Träumen, vermehrtem Harndrang, nächtlichem Schwitzen oder Schlaflosigkeit. Vielleicht fällt Ihnen bei Ihrem Angehörigen zudem ein vermehrter Speichelfluss oder Zähneknirschen auf.

    Zusammengenommen beeinträchtigen all diese Symptome die Lebensqualität Ihres Familienmitglieds erheblich – klären Sie Beschwerden also unbedingt zunächst mit dem Hausarzt ab. Er entscheidet, ob er Ihr Familienmitglied an einen Fachkollegen weiterleitet.

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    Was sind Folgen einer Schlafapnoe?

    Eine Schlafapnoe geht an den Betroffenen nicht spurlos vorbei. Die Auswirkungen sind aber recht unterschiedlich – während sich einige Menschen lediglich zerstreut und müde fühlen, können andere ernsthafte Erkrankungen entwickeln.
    Diese Folgen sind möglich:

    • Das beeinträchtigte Wohlbefinden kann das Risiko für Stimmungsschwankungen und eine Depression erhöhen.
    • Menschen mit Schlafapnoe haben häufiger Bluthochdruck – dieser belastet das Herz-Kreislaufsystem und macht Herzrhythmusstörungen, Herzkrankheiten, Herzinfarkt sowie Schlaganfall wahrscheinlicher.
    • Diabetes kann durch gestörte Nachtruhe begünstigt werden.
    • Eine extreme Müdigkeit am Tag erhöht die Unfallgefahr, etwa im Straßenverkehr oder im Haushalt. Das ist besonders kritisch, wenn Ihr Angehöriger ohnehin zu Stürzen neigt oder diese besonders gefährlich sind (Osteoporose).

    Muss mein Angehöriger bei einem Verdacht auf Schlafapnoe ins Schlaflabor?

    Wenn etwas mit der Atmung im Schlaf nicht stimmt, befürchten viele pflegende Angehörige, dass ihr Familienmitglied in ein Schlaflabor muss – die Trennung vom häuslichen Umfeld ist vor allem bei einer starken Pflegebedürftigkeit eine Herausforderung. Um den Verdacht einer Schlafapnoe zu bestätigen, sind tatsächlich oft nächtliche Untersuchungen nötig. Geräte zeichnen dabei etwa Gehirnströme, Herzaktivitäten und den Sauerstoffgehalt im Blut auf – das findet im Schlaflabor statt.

    Doch keine Sorge, manchmal reichen auch tragbare Geräte aus, die zu Hause wichtige Parameter erfassen. Ergänzend nutzen Mediziner Fragebögen und Informationen von Betroffenen und pflegenden Angehörigen, um sich ein vollständiges Bild über die Beschwerden zu verschaffen.

    Schlafapnoe vorbeugen

    Eine Schlafapnoe sorgt oft für unruhige Nächte und Müdigkeit am Tag. Mit diesem Maßnahmenplan beugen Sie nächtlichen Atemaussetzern vor.

    „Mit Auswahl von ‚Download anfordern‘ erhalten Sie die Übersicht als Download an die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

    Wie wird eine Schlafapnoe behandelt?

    Oft sind schon kleinere und größere Veränderungen im Alltag wirksam. Wer bei Übergewicht ein paar Kilos abnimmt oder das Rauchen und den Alkoholkonsum einstellt, kann Verbesserungen der Schlafapnoe bemerken. Der Arzt verordnet Ihrem Angehörigen womöglich zusätzlich spezielle Lagerungshilfen, Zahnschienen oder Geräte zur Atemunterstützung. Operationen spielen nur eine untergeordnete Rolle, etwa wenn vergrößerte Mandeln zu den Problemen führen.
    Am erfolgversprechendsten ist die CPAP (Continuous Positive Airway Pressure)-Therapie. Dabei trägt Ihr Familienmitglied nachts eine Maske, über die ein leichter Luftdruck in die Atemwege geleitet wird. So bleiben die Atemwege offen und die Aussetzer werden deutlich reduziert. Viele Betroffene fühlen sich dadurch wacher am Tag und schlafen erholsamer.

    Doch nicht alle Pflegebedürftigen nehmen die Maske gleich gut an. Schließlich kann sie zu einem trockenen Hals oder einer verstopften Nase führen. Menschen mit schwerer Demenz kann das abendliche Aufsetzen der Maske wiederholt irritieren. Besprechen Sie mit dem behandelnden Arzt, welche Therapieoption die richtige für Ihren Angehörigen ist. Weisen Sie dabei unbedingt auf den Unterstützungsbedarf des Pflegebedürftigen und etwaige Gesundheitsprobleme, wie eine Demenz, hin. Das gilt besonders dann, wenn der weiterbehandelte Arzt, etwa der Lungenfacharzt, Ihr Familienmitglied noch nicht kennt.

    Fazit

    Die Schlafapnoe bleibt häufig unerkannt, dabei kann sie den Pflegealltag deutlich erschweren. Nämlich dann, wenn Ihr Familienmitglied durch die zahlreichen nächtlichen „Aufwacher“ tagsüber sehr unkonzentriert und müde ist. Gerade im Alter nimmt das Risiko für eine Schlafapnoe zu. Bemerken Sie Symptome, wie Konzentrationsprobleme, eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit oder Atemaussetzer und einen unruhigen Schlaf, lassen Sie das zunächst beim Hausarzt abchecken. Nach der Diagnose gibt es mehrere Therapieoptionen, oft helfen Umstellungen, die Sie gemeinsam in die Hand nehmen können – etwa eine Gewichtsabnahme oder ein Verzicht auf Zigaretten.

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