Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Fünf Fragen zum Herzinfarkt

Herzinfarkt

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Ein Herzinfarkt trifft in Deutschland jedes Jahr rund 300.000 Menschen. Wir erklären die wichtigsten Warnsignale, Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten und erläutern, wie Sie in einer Notsituation am besten handeln.

Was ist ein Infarkt?

Das Herz ist im Prinzip ein Muskel, wenn auch ein sehr besonderer: Damit das Herz das Blut wirkungsvoll in den Körper austreiben kann, müssen sich Tausende Herzmuskelzellen gleichzeitig anspannen. Den Takt dafür geben elektrische Impulse aus einem Knoten im Herzen an. Damit das funktioniert, müssen alle Herzmuskeln ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Dies ist die Aufgabe bestimmter Blutgefäße. Sie werden „Herzkranzgefäße“ genannt, weil sie wie ein Kranz um das Herz herumlaufen.

Ein Infarkt tritt auf, wenn ein Herzkranzgefäß verschlossen wird und das Herz nun nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann.

Welche Ursachen hat ein Infarkt?

Die häufigste Ursache für den Verschluss einer Herzkranzarterie sind Blutgerinnsel, die das Gefäß verstopfen wie ein Abflussrohr. Meist ist das betreffende Blutgefäß schon vorher durch Ablagerungen an der Gefäßwand verengt. Diese bestehen aus Fetten und Kalk und sind auch als „Plaques“ bekannt. Wenn Plaques Risse bekommen und aufbrechen, wandern (wie bei jeder anderen Verletzung im Körper) sofort Blutplättchen heran, um die Risse zu verschließen.

Plaques und Blutplättchen zusammen ergeben ein Blutgerinnsel. Wenn es groß genug ist, um das Gefäß völlig zu verschließen, kommt es zum Herzinfarkt.

Welche Warnsignale treten auf?

Ein Herzinfarkt kann sich entweder durch akute Symptome oder sogenannte „Vorboten“ bemerkbar machen. Die akuten Symptome können bei Männern und Frauen unterschiedlich sein.

Bei Männern sind starke Schmerzen in der Brust typisch – entweder auf der linken Seite oder hinter dem Brustbein in der Mitte der Brust. Die Schmerzen können ausstrahlen, z. B. in den linken Arm oder die linke Schulter, in den Rücken, den Oberbauch oder in den Kiefer. Häufig beschreiben Betroffene auch ein Engegefühl in der Brust („als wäre ich in einem Schraubstock gefangen“), ein starkes Angstgefühl, kalten Schweiß und Schwindelgefühle.

Bei Frauen treten diese Symptome nur bei einem Drittel der Fälle auf. Häufiger sind bei ihnen ein Druckgefühl auf der Brust, aber auch eher unspezifische Symptome wie Kurzatmigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Leider nehmen viele betroffene Frauen (oder ihre Umgebung) diese Symptome oft nicht sofort ernst. Frauen kommen daher durchschnittlich eine Stunde später ins Krankenhaus als Männer. Und sie versterben auch häufiger am Herzinfarkt – obwohl das Ereignis bei Frauen seltener auftritt. Im Zweifel gilt daher: Lieber einmal zu oft die Notärztin oder den Notarzt rufen!

Die sogenannten „Vorboten“ wiederum sind ein Hinweis darauf, dass sich das Herzkranzgefäß immer stärker verschließt und so das Risiko für einen Herzinfarkt steigt. Ganz klassisch sind etwa Schmerzen hinter dem Brustbein, die bei Anstrengung oder sogar in Ruhe immer wieder auftreten, dann aber verschwinden. Auch bei diesen Symptomen sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Wenn jetzt rasch genug eingeschritten wird, kann ein Herzinfarkt verhindert werden.

Leider kann aber nicht jeder Herzinfarkt erkannt werden, denn es gibt auch noch den sogenannten „stillen Infarkt“. Er macht seinem Namen alle Ehre und läuft ganz ohne Schmerzen ab. Davon können vor allem Menschen mit Zuckerkrankheit (Diabetes) betroffen sein, da bei ihnen häufig das Schmerzempfinden gestört ist.

Wie wird ein Infarkt behandelt?

Die Therapie wird bereits von der Notärztin oder dem Notarzt eingeleitet, die oder der zunächst schmerzlindernde Medikamente sowie ggf. beruhigende Medikamente gegen die Angst verabreicht. Oft wird auch über eine Maske Sauerstoff gegeben, um die Versorgung des Herzens zu verbessern.

Im Krankenhaus erhält die Patientin oder der Patient dann typischerweise Medikamente zur Erweiterung der Blutgefäße wie Nitroglycerin. Auch Arzneimittel zur Blutverdünnung zählen zur klassischen Therapie: Sie sollen verhindern, dass sich weitere Blutgerinnsel in den Herzkranzgefäßen bilden.

Die Durchblutung im Herzen kann außerdem durch einen „Ballon-Stent“ verbessert werden: Über einen Katheter wird ein Ballon in das verengte Gefäß geschoben, um es aufzuweiten. Eine kleine, gitterförmige Gefäßstütze (der Stent) wird dann im Anschluss in das Gefäß eingeführt, um es offen zu halten.

Ist dieser Eingriff nicht möglich, ist eine sogenannte „Lysetherapie“ eine weitere Option. Dabei wird das Blutgerinnsel mit Medikamenten aufgelöst, die über die Vene in den Körper eingeführt werden.

Bei manchen Betroffenen sind die Gefäße bereits so stark verändert, dass ein „Bypass“ erforderlich ist: In diesem Fall wird der Patientin oder dem Patienten an anderer Stelle ein Stück eines Gefäßes entnommen (z. B. ein Teil der Brustwandarterie oder der Beinvene) und zur Überbrückung der Engstelle des Herzkranzgefäßes eingesetzt.

Wie handeln Sie im Notfall richtig?

Tritt eines der zuvor genannten Symptome auf, zögern Sie nicht. Wählen Sie umgehend den Notruf 112 – jede Minute zählt!

Wenn Sie Zeugin oder Zeuge einer solchen Situation sind, kümmern Sie sich um die betroffene Person, bis der Rettungsdienst eintrifft. Überprüfen Sie, ob die Person noch bei Bewusstsein ist – ob sie etwa auf lautes Sprechen oder Berührungen reagiert. Reagiert sie nicht, atmet aber noch und ein Puls kann gefühlt werden, ist sie bewusstlos. In diesem Fall bringen Sie die Person in eine stabile Seitenlage. Öffnen Sie beengende Kleidung wie Hemdkragen oder Hose.

Ist keine Atmung oder kein Puls wahrzunehmen, ist eine Reanimation (Wiederbelebung) der richtige nächste Schritt: Die Herzdruckmassage sollte den Brustkorb fünf bis sechs Zentimeter eindrücken (also nicht zu zaghaft vorgehen!) und ungefähr 100-mal pro Minute durchgeführt werden.

Es klingt zwar komisch, wird aber von einigen Fachärztinnen und Fachärzten empfohlen: Der Bee-Gees-Song „Stayin, alive“ hat das perfekte Tempo für eine Wiederbelebung.

 

 

Über die Autorin

Dr. Lydia Unger-Hunt ist Medizinerin und Medizinjournalistin.