Knochenschwund: Fünf Fragen zur Osteoporose

Osteoporose/Knochenschwund

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Osteoporose ist eine häufige Störung des Knochenstoffwechsels. Die Folge können Knochenbrüche – vor allem des Oberschenkelhalses und der Wirbelsäulenkörper – sein. Erfahren Sie, wie der sogenannte Knochenschwund entsteht, sich äußert und was Betroffene gegen Beschwerden tun können.

Was bedeutet Osteoporose?

Die Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochens, die auch als Knochenschwund bezeichnet wird. Die Knochendichte (oder auch: Knochenmasse) nimmt ab, der Knochen wird poröser. Das spiegelt sich auch im Namen wider: „Osteon“ ist das altgriechische Wort für Knochen, „poros“ bezeichnet die Pore.

Der Knochen verliert mit zunehmender Porosität an Stärke und Widerstandskraft und ist anfälliger für Brüche.
In Deutschland sollen rund sechs Millionen Menschen an Osteoporose erkrankt sein. Genau lässt sich dies allerdings nicht sagen, da die Krankheit häufig unerkannt und auch unbehandelt bleibt.

Wie entsteht Osteoporose?

Zuerst ein Wort zum Aufbau unserer Knochen: Die Knochenwand (auch „Kortikalis“ genannt) ist die äußere, harte Rindenschicht. Sie hat die Aufgabe, den Knochen vor Schlägen und anderen äußeren Einwirkungen zu schützen. Im Inneren des Knochens befinden sich die Knochentrabekel – schwammartige Netzstrukturen, die als „Spongiosa“ bezeichnet werden.

Ein Knochen mag sehr stabil wirken, er wird aber gleichzeitig konstant von bestimmten Zellgruppen umgebaut: Altes oder geschädigtes Knochenmaterial wird abgebaut, neuer Knochen wird wieder aufgebaut, wobei sich Aufbau und Abbau in einem ausgeklügelten Gleichgewicht befinden. Bei Osteoporose ist dieses Gleichgewicht jedoch gestört: Über Jahre hinweg wird mehr Knochen abgebaut als aufgebaut. Das schwammartige Innengewebe des Knochens (Spongiosa) ist von Osteoporose typischerweise stärker betroffen als die Kochenwand (Kortikalis).

Die „primäre“ Osteoporose tritt bei Frauen nach den Wechseljahren und bei beiden Geschlechtern im höheren Alter auf. Der Grund ist hier die veränderte Hormonsituation. Daneben sind es aber vor allem die Ernährung und der Bewegungsmangel, die zu einem Verlust von Knochenmasse führen können: Übermäßige Diäten, zu wenig Kalzium in der Ernährung – etwa bei Verzicht auf Milch und Milchprodukte –, zu viel Kaffee oder der Missbrauch von Abführmitteln begünstigen eine Osteoporose, ebenso wie übermäßiger Alkohol- und Nikotingebrauch.

Die „sekundäre“ Osteoporose kann als Folge einer anderen Krankheit auftreten: etwa bei einer Schilddrüsenüberfunktion, bei entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen, rheumatischen Erkrankungen oder Nierenschwäche. Auch eine Langzeittherapie mit Kortison erhöht das Osteoporoserisiko.

Wie äußert sich Osteoporose?

Osteoporose wird manchmal als „Stiller Dieb am Knochen“ bezeichnet, denn viele Anzeichen gibt es gerade zu Beginn nicht. Ein mögliches Symptom sind Rückenschmerzen. Diese können auch durch viele andere Ursachen ausgelöst werden, aber bei längerer Dauer sollten die Beschwerden unbedingt auch auf Osteoporose abgeklärt werden.

Bei fortgeschrittener Osteoporose können Knochenbrüche auftreten – und zwar ohne einen wirklichen Anlass wie einen Schlag oder Sturz. Betroffen sind häufig Oberschenkelhalsknochen oder die Wirbelkörper der Wirbelsäule. Dadurch kann sich die Wirbelsäule verkürzen oder verkrümmen, die Betroffenen werden „kleiner“ oder entwickeln einen sogenannten „Witwenbuckel“.

Und: Die Osteoporose betrifft das gesamte Skelettsystem und kann damit auch bestimmte Strukturen in den Zähnen angreifen. Wackelnde Zähne und Zahnausfall zählen ebenfalls zu den möglichen Folgen.

Wie kann Osteoporose behandelt werden?

Als Basistherapie gilt bei Osteoporose eine gesunde Ernährung mit ausreichender Zufuhr von Kalzium und Vitamin D. Meist kommen dafür Präparate zum Einsatz – Brausegetränke, Tabletten oder Pulver –, die entweder alleine oder in Kombination diese beiden Stoffe enthalten. Wichtig ist das Einhalten der empfohlenen Dosierungen, die eine Ärztin oder ein Arzt festlegt.

Zusätzlich stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die entweder den zu starken Knochenabbau bremsen oder den Knochenaufbau fördern:

  • Die sogenannten „Bisphosphonate“ hemmen diejenigen Zellen im Knochen, die für den Abbau zuständig sind.
  • Die „SERM“ (Selektive Estrogenrezeptor-Modulatoren) ähneln in ihrer Wirkung den Östrogenen (weiblichen Sexualhormonen). Sie kommen bei Frauen nur nach den Wechseljahren infrage.
  • Gegenwärtig werden auch Antikörper mit einer Injektion verabreicht. Sie hemmen einen Botenstoff, der die knochenabbauenden Zellen anregt, und erlauben so einen Anstieg der Knochendichte.
  • Ebenfalls wichtig ist ggf. eine effektive Schmerztherapie.

Was Sie noch wissen sollten: Die Therapie ist über einen längeren Zeitraum erforderlich.

Was können Betroffene gegen Beschwerden tun?

Zunächst einmal ist, wie erwähnt, die gesunde Ernährung wichtig: Neben Kalzium und Vitamin D sollte auch auf genügend Magnesium, Fluor, Zink sowie die Vitamine A und C geachtet werden (eine Diätassistentin oder ein Diätassistent kann dabei helfen, die Ernährung entsprechend zu gestalten).

Ein weiterer Punkt ist die körperliche Aktivität, denn nur so wird die Muskelkraft gestärkt – und Muskeln schützen den Knochen. Als zusätzlicher Pluspunkt lässt sich mithilfe bestimmter sportlicher Übungen auch die Koordination fördern; das wiederum wirkt der Sturzgefahr entgegen.

Das können Sie darüber hinaus tun: Bei Wirbelbrüchen kann eine Korsage oder „Rückenorthese“ helfen, die individuell an den Körper angepasst wird. Diese Hilfen stützen gezielt den Rücken und können Fehlhaltungen korrigieren.

Und zu guter Letzt können auch Selbsthilfegruppen für Betroffene nützlich sein, um zusätzliche Informationen zu erhalten oder sich auszutauschen.

Über die Autorin

Dr. Lydia Unger-Hunt ist Medizinerin und Medizinjournalistin.