Vielleicht beobachten Sie, dass ein pflegebedürftiges Familienmitglied ungewöhnlich müde und schwach wirkt, die Haut immer trockener wird oder die Haare ausfallen? Vielleicht fällt Ihnen auch eine starke Abnahme des Körpergewichts auf (die Faustregel ist hier ein Gewichtsverlust von 5 % des ursprünglichen Körpergewichts in 3 Monaten, oder 10 % in 6 Monaten), oder dass die Kleidung oder der Schmuck verdächtig locker sitzen? Was auch immer die Gründe sind: Sie haben nun zumindest den Verdacht, dass Ihr Angehöriger eine Mangelernährung aufweist.
Welche Maßnahmen sind jetzt ratsam?
Im Folgenden haben wir Ihnen einige Maßnahmen aufgelistet, die Ihnen helfen sollen, eine mögliche Mangelernährung festzustellen.
Kontaktieren Sie den Hausarzt
Als eine der ersten Maßnahmen sollten Sie sich an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin wenden. Sie sind die ersten Ansprechpartner. Dort kann eine Basisuntersuchung Ihres Familienmitglieds durchgeführt werden, um eine Mangelernährung zu bestätigen oder auszuschließen und die nächsten Schritte zu planen.
Analysieren und dokumentieren Sie (gemeinsam mit dem Arzt) Essgewohnheiten
Eine weitere Maßnahme ist es, die Essgewohnheiten und den Ernährungszustand Ihres Angehörigen genau zu beobachten und aufzuschreiben. Diese werden dann auch beim Arzttermin erhoben, aber so sind Sie schon einmal gut vorbereitet. Erfragt wird etwa, wie viele Mahlzeiten jemand täglich zu sich nimmt, welche Lebensmittel am häufigsten auf dem Menü stehen, wie gut die Speisen gekaut und geschluckt werden können, ob der Betroffene noch Appetit angibt, ob er nur bestimmte Gerichte nicht mag oder Mahlzeiten generell ablehnt, ob er Schmerzen oder andere Beschwerden angibt. Besonders hilfreich wäre hier ein Tagebuch, wo Sie notieren, welche Menge welcher Nahrungsmittel jeden Tag gegessen wird – so kann von Ärzteseite schneller festgestellt werden, ob etwa ein Mangel an bestimmten Nährstoffen vorliegt, oder ob ausreichend Kalorien aufgenommen werden.
Einen Kurz-Test auf Mangelernährung durchführen lassen
In der Regel wird im Rahmen dieses Arzttermins als Maßnahme auch ein kurzer Test auf Mangelernährung durchgeführt. Ein solcher Test ist beispielsweise der sogenannte „MNA-SF“, ein „Mini-Test“ zur Erhebung des Ernährungszustands, der meist innerhalb weniger Minuten abgefragt werden kann. “MNA-SF“ steht dabei für „Mini Nutritional Assessment Short-Form“ oder auf Deutsch „Kurzversion der Einstufung des Ernährungszustands“. Dabei werden (an den Betroffenen selbst oder an Sie als betreuende Person) unter anderem die folgenden Fragen gestellt:
- Haben Sie während der letzten 3 Monate wegen Appetitverlust, Verdauungsproblemen, Schwierigkeiten beim Kauen oder Schlucken weniger gegessen als sonst?
- Haben Sie in den letzten 3 Monaten ungewollt Gewicht verloren?
- Hat sich Ihr Hosen-/Rockbund gelockert?
- Wie viel haben Sie Ihrer Ansicht nach abgenommen – mehr oder weniger als 3 kg?
Ebenfalls abgefragt werden im MNA-SF die Mobilität der Betroffenen, eine eventuell vorliegende Stresssituation oder auch psychologische Probleme.
Körperliche Anzeichen untersuchen
Danach erfolgt als eine weitere Maßnahme in den meisten Fällen eine körperliche Untersuchung: Gibt es Schluckbeschwerden, welche körperlichen Anzeichen der Mangelernährung liegen vor (z. B. schlaffe Hautfalten an Bauch und Rücken, hervorstehende Knochen an Schulter oder Rippen oder Veränderungen von Haut, Lippen und Augen).
Das Blut untersuchen lassen
Der nächste Schritt kann dann eine Blutuntersuchung sein, vor allem bei Verdacht auf einen Mangel an Proteinen oder Mikronährstoffen (z. B. Vitamine und Eisen). Auch die weißen Blutkörperchen können hier bestimmt werden: Sie geben einen Hinweis darauf, ob auch das Immunsystem durch die Mangelernährung bereits in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Nehmen Sie zusätzlich eine professionelle Ernährungsberatung in Anspruch
Grundsätzlich kann der Hausarzt oder die Hausärztin Empfehlungen aussprechen und Sie und Ihren Angehörigen zur Ernährung beraten. Zusätzlich ist es ratsam die Hilfe einer entsprechend geschulten Fachperson aufzusuchen und auch anzunehmen. Schrecken Sie nicht davor zurück, sich an einen zertifizierten Ernährungsberater oder Diätassistenten zu wenden und vereinbaren Sie einen Gesprächstermin: In diesem können Sie und Ihr Familienmitglied alle Fragen stellen, die Sie beschäftigen. Damit Sie sich gut vorbereiten können, haben wir Ihnen eine Auswahl zusammengestellt. Diese können Sie sich nachstehend herunterladen.

Fragenkatalog
Wir möchten Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Ernährungsberater vorzubereiten und haben Ihnen dazu eine Auswahl möglicher Fragen zusammengestellt.
Bleiben Sie aufmerksam und im regelmäßigen Austausch mit Ärzten und Fachkräften
Der initiale Termin beim Arzt sowie ein mögliches folgendes Gespräch mit einem Ernährungsberater sind bereits ein guter Anfang. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass Sie als Angehöriger aufmerksam bleiben und den Ernährungszustand Ihres betroffenen Familienmitglieds kontinuierlich beobachten. Ein regelmäßiger Austausch mit dem Arzt und anderen Fachkräften kann helfen, Unsicherheiten zu klären und die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Denken Sie daran, dass Sie mit Ihren Sorgen nicht allein sind – nutzen Sie die verfügbaren Beratungsangebote und Hilfsdienste, um gemeinsam Lösungen zu finden. Durch eine gute Zusammenarbeit können Sie wesentlich dazu beitragen, die Lebensqualität Ihres Angehörigen zu verbessern.
Was tun, wenn die Maßnahmen keinen Erfolg bringen?
Es gibt allerdings auch Fälle, da reichen Veränderungen der Essgewohnheiten, der Zubereitung und das Zurückgreifen auf z. B. hochkalorische Drinks oder Puddings nicht aus, weil die Ursachen für die Mangelernährung komplexer sind oder durch bestehende Erkrankungen verstärkt werden. In solchen Fällen können ergänzende therapeutische Ansätze notwendig sein, wie etwa die Anpassung von Medikamenten oder der Einsatz von Ernährungsinfusionen.
Welche Maßnahmen dann ergriffen werden können, lesen Sie in unserem Beitrag „Künstliche Ernährung: Wenn Angehörige betroffen sind“.
