Einen pflegebedürftigen Menschen im häuslichen Umfeld zu versorgen, geht mit erheblichen Aufwänden und häufig auch Belastungen für alle Beteiligten einher. Neben der Verantwortung, die pflegende Angehörige übernehmen, müssen sie Einschränkungen in ihrem eigenen Leben, ihrer zeitlichen und räumlichen Flexibilität und Unabhängigkeit, ihren privaten Aktivitäten und beruflichen Tätigkeiten in Kauf nehmen. Hinzu kommen je nach Pflegebedarf und Pflegesituation körperliche Anstrengungen und emotionale Bürden.
Da wundert es nicht, dass in einer großen Pflegestudie mehr als die Hälfte der Befragten angaben, selbst an körperlichen Beschwerden und zusätzlichen Belastungen – etwa Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf – zu leiden. Auch die finanzielle Situation bereitete gut jedem dritten Befragten Sorge. Mehr als jeder zweite vernachlässigte die eigene Gesundheit, etwa durch das Versäumen von Vorsorgeuntersuchungen, ungesunde Ernährung oder Schlafmangel.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig es ist, die bestmögliche Unterstützung – und damit auch Entlastung – zu bekommen, sei es durch ambulante Pflegedienste, die Teile der pflegerischen Versorgung übernehmen, oder in Form von Leistungen der gesetzlichen oder privaten Pflegekassen, um zum Beispiel Hilfsmittel oder Entlastungsangebote in Anspruch nehmen oder finanzieren zu können. Entscheidend für die Bemessung der gewährten Unterstützung und Leistungen ist der Pflegegrad.
Bedeutung des Pflegegrads
In Deutschland gibt es 5 Pflegegrade, die den Grad der Selbstständigkeit und im Verhältnis dazu eben den Unterstützungsbedarf einer pflegebedürftigen Person widerspiegeln. An ihm orientieren sich sämtliche Ansprüche gegenüber der Pflegeversicherung. Je höher der Pflegegrad, desto höher der Anspruch auf Leistungen und Unterstützung.

Die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgt durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MD) oder im Falle einer privaten Versicherung durch Medicproof. Dabei wird der körperliche, geistige und psychische Zustand der pflegebedürftigen Person in einem Begutachtungstermin buchstäblich „in Augenschein“ genommen – im Regelfall vor Ort. Seit der Corona-Pandemie führt der Medizinische Dienst Höherstufungs- und Wiederholungsbegutachtungen unter bestimmten Voraussetzungen aber auch per Telefon- oder Videointerview durch. Für Erstbegutachtungen oder im Fall eines Widerspruchs ist diese Option allerdings ausgeschlossen.
Die Gutachter sind in der Regel erfahrene Pflegekräfte oder Mediziner. Ihre Aufgabe ist es, sich auf Grundlage eines festen Fragenkatalogs ein umfassendes Bild von den Lebensumständen der pflegebedürftigen Person zu machen und vor allem festzustellen, inwieweit diese in den 6 Bereichen
- Mobilität,
- kognitive und kommunikative Fähigkeiten,
- Verhaltensweisen und psychische Problemlagen,
- Selbstversorgung,
- Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie
- Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
noch selbstständig oder eben eingeschränkt sind. Zudem sollen sie die voraussichtliche Dauer der Pflegebedürftigkeit ermitteln.

Von diesem Termin hängt also für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen viel ab. Hat die pflegebedürftige Person einen besonders guten Tag, ist vielleicht fitter oder kognitiv „wacher“ als sonst, überspielt er oder sie die eigenen Schwächen gar, um sich vor Fremden keine Blöße zu geben, und wird die Tragweite der Situation vielleicht auch nicht verstanden, kann es schnell zu einer „zu guten Bewertung“ kommen. In der Folge wird ein niedrigerer Pflegegrad festgestellt, was bedeutet, dass weniger Leistungen in Anspruch genommen werden können, als eigentlich notwendig und angemessen wären.
Pflegende Angehörige sollten sich daher gut auf den Begutachtungstermin vorbereiten, die pflegebedürftige Person möglichst gut aufklären und vorbereiten, und vor allem auch alle relevanten Informationen und Dokumente bereithalten. Und hier kommt das Pflegetagebuch ins Spiel.
Wie das Pflegetagebuch helfen kann
Das Pflegetagebuch kann eine wertvolle Hilfe – um nicht zu sagen: eine wichtige Waffe – im Kampf um den richtigen Pflegegrad sein. Denn es ermöglicht die strukturierte und regelmäßige Aufzeichnung des tatsächlichen Pflege- und Unterstützungsbedarfs – auch und gerade wenn niemand Fremdes „zusieht“. Ein ordentlich geführtes Pflegetagebuch kann so helfen, den Gutachtern ein realistisches Langzeitbild zu vermitteln und nicht nur die Momentaufnahme des Besuches.
Zudem hilft das regelmäßige Aufzeichnen anhand der vorgegebenen Kriterien und Parameter, Veränderungen im Gesundheitszustand der pflegebedürftigen Person frühzeitig erkennen und gezielt darauf reagieren zu können – im Fall einer Verschlechterung also gegebenenfalls gegenzusteuern und etwa zusätzliche Behandlungsmaßnahmen einzuleiten, im Fall einer Verbesserung diese durch begleitende Maßnahmen noch zu unterstützen und so zu festigen.
Hier erleichtert das Pflegetagebuch auch die Kommunikation und Verständigung mit Fachleuten, seien es Arzt, Ärztin, Pflegende oder Fachpersonal in Apotheken, Sanitätshäusern oder anderen Einrichtungen. Die Verschriftlichung der eigenen Beobachtungen anhand der im Pflegetagebuch vorgegebenen Parameter hilft auch, sich im Dschungel der medizinischen Fachsprache nicht zu verlieren oder unsicher zu werden.
Nicht zuletzt kann das tägliche Dokumentieren auch dabei helfen, den Überblick zu behalten: So kann mit dem Ausfüllen des Pflegetagebuchs am Ende des Tages beispielsweise gleich noch der Medikationsplan kontrolliert werden. Routinen und Standardisierung sind nicht ohne Grund entlastend für das Individuum und fördern Effizienz und Qualität.
Das Pflegetagebuch richtig führen
Um den größtmöglichen Nutzen aus einem Pflegetagebuch zu ziehen, sollten einige praktische Tipps beachtet werden.
- Regelmäßigkeit: Führen Sie das Pflegetagebuch regelmäßig. Eine stichpunktartige Dokumentation ist weniger aufschlussreich und belastbar als eine kontinuierliche Protokollierung.
- Sorgfalt: Füllen Sie das Pflegetagebuch mit größter Sorgfalt aus! Im Gegensatz zum bekannten privaten Tagebuch geht es hier nicht um schön zu lesende Prosa, sondern eine möglichst detaillierte und genaue Erfassung im Rahmen der relevanten Kategorien und Kriterien.
- Aktualität und Gültigkeit: Achten Sie darauf, das Pflegetagebuch auf Grundlage aktueller Muster oder Vorlagen zu führen, die mit geltenden Richtlinien und Gesetzen konform sind.
Je nach Möglichkeit kann es auch eine gute Idee sein, die pflegebedürftige Person in die Führung des Pflegetagebuchs einzubeziehen. Das kann dazu beitragen, ihn oder ihr eine gewisse (Rest-)Kontrolle über die eigene Situation zu vermitteln und Gefühlen von Hilfslosigkeit entgegenwirken.
Aktuelle Pflegetagebücher für Erwachsene und Kinder
Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Familiara möchten wir Ihnen unsere Pflegetagebücher für Erwachsene und Kinder ans Herz legen. Sie basieren auf den aktuellsten Richtlinien zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) und schöpfen zudem aus dem Wissen von mehr als 15 Jahren Erfahrung und über 10.000 Fällen, in denen Familiara geholfen hat, Pflegeleistungen zu beantragen und durchzusetzen.

Nicht zu unterschätzen: Das Pflegetagebuch
Dokumentieren Sie den tatsächlichen Pflege- und Unterstützungsbedarf Ihres pflegebedürftigen Angehörigen und wappnen Sie sich für Begutachtungstermin oder Arztgespräch.
