Entlastung durch qualifizierte Pflegeberatung

Pflegeberatung

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Wer pflegeempfangende Menschen betreut, benötigt häufig Unterstützung. Eine individuelle Pflegeberatung soll pflegeempfangenden Menschen und deren Angehörigen helfen, die notwendige Unterstützung zu planen und zu erhalten. Die Entlastung der Angehörigen spielt eine wichtige Rolle. Wir zeigen, wo alle Beteiligten Hilfe bekommen und woran man eine gute Pflegeberatung erkennt.

Wenn Menschen pflegebedürftig werden, helfen oft die Angehörigen bei der pflegerischen Versorgung. In Deutschland werden drei Viertel aller pflegeempfangenden Menschen in der eigenen Häuslichkeit von ihren Angehörigen versorgt. Sie leisten eine enorme Unterstützung und stellen im Grunde eine wichtige und tragende Säule in der Gesundheitsversorgung dar.

Oft haben Pflegeempfangende und ihre Angehörigen eine Vielzahl an Fragen. Wie kann ich Hilfe bekommen, welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es, welche Leistungen übernimmt die Pflegekasse oder die Krankenkasse? All diese Fragen können im Rahmen einer professionellen Pflegeberatung individuell und ganzheitlich besprochen werden, um die Versorgungssituation für alle Betroffenen so optimal wie möglich zu gestalten.

Was ist eine Pflegeberatung?

Jede pflegeempfangende Person in Deutschland hat einen Rechtsanspruch (Sozialgesetzbuch [SGB] XI, § 7a) auf eine individuelle, unabhängige Beratung und Begleitung durch einen qualifizierten Pflegeberatenden. Dieser Anspruch gilt für Menschen mit einem Pflege-, Versorgungs- und Betreuungsbedarf, die Leistungen der Pflegeversicherung erhalten oder beantragen, und einen entsprechenden Beratungsbedarf haben.

Auch für Angehörige besteht ein Beratungsanspruch. Ziel der Pflegeberatung ist eine umfassende Unterstützung der Ratsuchenden bei der Suche und Inanspruchnahme von bedarfsgerechten Pflegeleistungen und Hilfsangeboten. Dabei wird die gesamte Versorgungssituation berücksichtigt. Dies beinhaltet auch eine sektorübergreifende Betrachtung

Wie wird eine Pflegeberatung durchgeführt?

Um eine kompetente Pflegeberatung zu gewährleisten, erfolgt diese durch ausgebildete Pflegefachpersonen, Sozialarbeiter oder Sozialversicherungsfachangestellte mit entsprechenden Qualifikationen. Oftmals wird die Pflegeberatung über die zuständige Kranken- bzw.

Pflegekasse selbst durchgeführt bzw. vermittelt. Die Beratungstermine werden in den Räumlichkeiten der Pflegekasse oder der entsprechenden Beratungseinrichtung (beispielsweise Pflegestützpunkt) angeboten. Auf Wunsch kann die Beratung in der häuslichen Umgebung stattfinden. Pflegekassen und Beratungsstellen bieten auch telefonische oder Online-Beratungen an.

Die Kosten für eine Pflegeberatung nach § 7a SGB XI trägt die Pflegekasse. Hierbei brauchen die Anspruchs-berechtigten keine Vorauszahlung zu leisten. Wird das Beratungsangebot nicht durch die Pflegekasse durchgeführt, stellt diese einen entsprechenden Beratungsgutschein aus.

Was leistet eine Pflegeberatung?

Eine Pflegeberatung soll Pflegeempfangende und deren Angehörige bei der Auswahl notwendiger Hilfe- und Pflegeleistungen umfassend beraten sowie während der Inanspruchnahme begleiten. Das bedeutet, die Pflegeberatung ist ein Prozess.

Zunächst ermitteln Pflegeberatende den individuellen Hilfe- und Unterstützungsbedarf. Darauf aufbauend wird ein Versorgungsplan mit erforderlichen, individuellen Maßnahmen und Zielen entwickelt. Der Pflegeberater oder die Pflegeberaterin soll die Umsetzung des Versorgungsplans unter anderem durch transparente Informationen zu erforderlichen und geeigneten Maßnahmen unterstützen und ggf. anpassen.

Darüber hinaus soll die Pflegeberatung zur Entlastung pflegender Angehöriger beitragen, bspw. durch die Vermittlung von Informationen über entsprechende Leistungen und Hilfsangebote. Auch eine Aufklärung zum Umgang mit Krisen in der aktuellen Pflegesituation ist wichtig. Erfolgt eine Pflegeberatung als Erstberatung, ist sie umfangreich. Dabei sind Leistungsansprüche, die Sicherung der häuslichen Versorgung, Hilfsmittel, geeignete Dienstleister und Pflegegeldanträge häufige Themen.

Psychische Entlastung für pflegende Angehörige
  •  regionale Pflegestützpunkte oder die Pflegekasse (ggf. Krankenkasse)
  •  karitative Träger
  • Behindertenverbände
  • Pflegedienste
  • Arzt- und Therapiepraxen
  • Kliniken und Rehaeinrichtungen
  • Vereine und Stiftungen für pflegende Angehörige
  • Online-Beratungen über Pflegeplattformen mit geschulten Psychologen
  • 24-Stunden-Telefonseelsorge (im Fall einer akuten Belastungssituation)

Wo erhalten Sie eine Pflegeberatung?

Die erste Anlaufstelle für Beratungssuchende ist die zuständige Pflegekasse. Diese führt die Pflegeberatung selbst durch oder informiert zu qualifizierten Beratungsangeboten vor Ort oder in der Nähe. Zudem gibt es in fast allen Bundesländern die Möglichkeit einer Beratung in den sogenannten „Pflegestützpunkten“.

Alternativ können sich Ratsuchende an die Kommune oder das zuständige Sozialamt wenden. Auch Wohlfahrtsverbände, Verbraucherzentralen, Krankenhäuser, Pflegedienste und private Einrichtungen bieten Pflegeberatungen an. Da „Pflegeberatung“ kein geschützter Begriff ist, ist bei der Auswahl allerdings Vorsicht geboten. Nicht jeder bietet eine qualifizierte Pflegeberatung an!

Wie können Sie gute von schlechten Anbietern unterscheiden?

Die Beratungsbedingungen bieten einen ersten Anhaltspunkt für die Qualität der Beratungseinrichtung. Hierbei sollte der Termin für die Ratsuchenden einfach wahrnehmbar sein. Das heißt, die Beratungsstelle sollte örtlich gut erreichbar und flexibel (zum Beispiel bei Bedarf in der eigenen Häuslichkeit) sein, damit der Termin zeitnah in einer störungsfreien und respektvollen Atmosphäre erfolgen kann. Ein weiterer Aspekt, insbesondere unter pandemischen Bedingungen, ist das (zusätzliche) Angebot von Online- oder Telefonberatungen.
In der Regel gibt es eine Ansprechperson über den gesamten Beratungsprozess. Wichtig ist, dass sich die Beratung ganz individuell am anspruchsberechtigten Menschen orientiert.

Die Inhalte der Beratung, unter anderem Ziele und Vorgehen, sollten offen und verständlich dargelegt werden. Im Sinne der Barrierefreiheit werden sie auch in einfacher Sprache, zum Beispiel für Menschen mit Sprachbarrieren oder für demenziell erkrankte oder kognitiv eingeschränkte Menschen, verfügbar gemacht. Die Ergebnisse des Pflegeberatungsprozesses sollten dokumentiert werden. Dabei sind die aktuellen Datenschutzregeln unbedingt zu berücksichtigen.

Ein weiteres wichtiges Kriterium der Beratungsqualität ist ein Nachweis über die Qualifikation des Pflegeberatenden, etwa in Form von Zertifikaten, Abschlüssen oder Weiterbildungen, sowie Berufserfahrung in der Pflegeberatung (mind. drei Jahre) und soziale Kompetenz. Der Pflegeberatende sollte zudem über fundierte Informationsmaterialien und ein sehr gutes Wissen sowie entsprechende Kontakte zu verschiedensten unabhängigen Unterstützungsstellen und Leistungsanbietern verfügen.

Welche Möglichkeiten der Entlastung gibt es?

Pflegende Angehörige sind häufig mehrfach belastet. Einerseits durch die Versorgung des Pflegeempfangenden (bspw. durch herausforderndes Verhalten oder stark eingeschränkte Mobilität). Andererseits durch entsprechende Faktoren, die sie selbst betreffen, wie sozialer Rückzug und reduzierte Aktivitäten. Lebensumstände, wie Familienkonflikte und finanzielle Aufwendungen, können die Pflegesituation zusätzlich belasten.

Ist eine Überlastung, zum Beispiel durch (ständige) Schmerzen, Erschöpfung oder Verzweiflung, erkennbar, sollte dies keinesfalls ignoriert werden. Vielmehr sollte einer Überlastung durch entsprechende Hilfs- und Unterstützungsangebote vorgebeugt bzw. aktiv begegnet werden.

Eine kurzfristige Entlastung ist ggf. durch Verwandte, Freunde oder Nachbarn möglich. Sind bestimmte Situationen besonders fordernd, gibt es in der Regel geeignete Hilfsmittel oder die Möglichkeit der Unterstützung durch eine Haushaltshilfe bzw. einen professionellen Pflegedienst. Wird eine zeitweise Versorgung der pflegeempfangenden Person notwendig, stellen zum Beispiel Verhinderungs-, Tages- oder Nachtpflegeangebote eine Möglichkeit der Entlastung dar.

Viele dieser Hilfsleistungen können über die Pflegeversicherung (teil)finanziert werden. Auch der Umgang mit Überforderung, Pflichtgefühl und ähnlichem im Rahmen der Pflegesituation lässt sich lernen. Emotionale Unterstützung bieten unter anderem Seelsorgeangebote und spezialisierte Selbsthilfegruppen. Durch die Pflegeberatung sind umfangreiche Informationen zu Entlastungs- und Hilfsangeboten in der Nähe erhältlich. 

Möglichkeit der Entlastung
  • Pflegedienste
  • Pflegekraft
  • Haushaltshilfe
  • Urlaubs- und Krankheitsvertretung (Verhinderungspflege)
  • Tagespflege und/oder Nachtpflege
  • Pflegehilfsmittel
  • Pflegekurse für Angehörige
  • Selbsthilfe- und Gesprächsgruppen
  • Zuschüsse zur Wohnungsanpassung
  • Finanzielle Unterstützung (u. a. Pflegegeld und Entlastungsbetrag)

Über die Autorin

Franziska Cathleen Müller und Dr. rer. cur. Sandra Strube-Lahmann sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Forschungsgruppe Geriatrie, Arbeitsgruppe Pflegeforschung, an der Charité – Universitätsmedizin Berlin