Mentorenprojekt für Handwerksbetriebe: Von erfahrenen Unternehmen lernen
Vor allem durch den demografischen Wandel kommen immer mehr Menschen mit der Pflege von Angehörigen in Berührung. Die meisten von ihnen sind erwerbstätig. So wird das Thema auch in mehr Unternehmen präsent.
Betriebe bräuchten Ideen, um gutes Fachpersonal zu finden und zu halten, schrieb die FH Münster zum Start des Projekts in einer Mitteilung. Familienfreundlichkeit sei ein wichtiger Baustein. Die Unterstützung pflegender Mitarbeitender sei für viele Unternehmen jedoch Neuland. Das Projekt „Erwerbstätige pflegende Angehörige: Mentorship für Handwerksbetriebe“ solle mit einer Machbarkeitsstudie Erkenntnisse sammeln, wie Handwerksbetriebe pflegenden Angehörigen im Unternehmen helfen können.
Das „epA: Mentorship“ gehört als Machbarkeitsstudie zum Projekt „reges:BOR“, welches im Rahmen des von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ geförderten Projekts „münster.land.leben“ der Fachhochschule Münster (FH Münster) umgesetzt wird. „reges:BOR“ sei ein Projekt der Gesundheitsförderung und Prävention im Kreis Borken, erklärt Marcus Flachmeyer, der als wissenschaftlicher Angestellter an der Fachhochschule Münster das Projekt forschend begleitet.
Die Leitung hat Dr. Marcellus Bonato, Senior-Professor an der FH Münster im Fachbereich Gesundheit, inne. Da es beim „epA: Mentorship für Handwerksbetriebe“ darum ginge, präventiv die Belastung, der pflegende Angehörige ausgesetzt sind, vonseiten des Arbeitgebers aufzufangen, passe es gut zu „reges:BOR“, sagt Flachmeyer.
„Eine Machbarkeitsstudie ist eine Kombination aus Handeln und Forschen“, erklärt er. Das bedeute, dass das zunächst theoretische Konzept während der Umsetzung begleitet und am Ende wissenschaftlich ausgewertet werde. Es ginge darum herauszufinden, ob der Ansatz etwas gebracht hätte und sich daraus standardisierte Vorgehensweisen ableiten ließen, so Flachmeyer weiter.
Wissen weitergeben
Über das Mentorenprojekt könnten Unternehmen, die bereits Erfahrung mit pflegenden Mitarbeitenden hätten, ihr Wissen an andere Betriebe weitergeben. Als erster Mentor gibt nun die Unternehmensgruppe Pietsch ihre Erfahrungen an die Kreishandwerkerschaft Borken weiter, welche als erstes Mentee-Unternehmen gemeinsam mit drei weiteren Handwerksbetrieben teilnehme. Das Projekt sei partizipativ, sagt Flachmayer. Es lebe vom Austausch und den Ideen der Teilnehmer.
Umgesetzt wird das Projekt von dem Fachbereich Gesundheit der FH Münster sowie dem Institut HeurekaNet in Münster. Thomas Oelschläger, Systemischer Berater und Supervisor sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter bei HeurekaNet, realisiert es vor Ort und leitet die Unternehmen an. Zusätzlich begleitet wird das Programm von der Wirtschaftsförderung Borken.
Unterstützende Treffen
Das Projekt bestehe zunächst aus sechs Modulen, die jeweils auf zwei Stunden ausgelegt seien, erklärt Oelschläger. Diese sechs Treffen seien klar strukturiert und eng getaktet. Zusätzlich seien noch zwei Workshops geplant. Zwischen den Modulen lägen zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit hätten die Mentee-Unternehmen jederzeit die Möglichkeit, sich an das Mentor-Unternehmen zu wenden, falls Fragen aufkommen. Das Mentor-Unternehmen könne sich wiederum bei Fragen an Oelschläger wenden.
Jeder der teilnehmenden Betriebe entsende zu den Treffen jeweils zwei Vertreter. Dies seien in der Regel die Führungskräfte oder Personen aus der Führungsebene. Für die Zeit zwischen den einzelnen Modulen erhielten die Teilnehmenden „Hausaufgaben“.
Die Unternehmen sollten aus den Modulen heraus Aufgaben in ihren jeweiligen Betrieben ausprobieren. Das sei wichtig, um feststellen zu können, was funktioniert und was nicht, sagt Oelschläger. Zudem habe es noch vor Beginn der eigentlichen Module Treffen und Vorgespräche gegeben. Es sei ein stetiger Austausch.
Gegenseitiger Austausch
Wichtig sei, dass es einen Austausch zwischen den teilnehmenden Unternehmen gibt. Dass also nicht nur die Mentor-Unternehmen ihr Wissen weitergeben, sondern das auch sie von den Mentee-Unternehmen lernen und vom Austausch profitieren. „Wir gehen auch an das Mindset der Betriebe“, berichtet Oelschläger. Bevor es um Methoden und Strategien in Betrieben ginge, sei es dienlich, nach der Intention und den Absichten, mit denen an erwerbstätige pflegende Angehörige herangegangen wird, zu fragen und Ziele zu ermitteln. Das Hauptaugenmerk liegt somit auf der Fragestellung, wie sich Betriebe inhaltlich und organisatorisch individuell aufstellen müssen, um auf ihre erwerbstätig pflegenden Angehörigen aktuell wie präventiv eingehen zu können.
Zu Beginn sei auch bei pflegenden Angehörigen viel Unwissenheit und Unsicherheit vorhanden. Viele erwerbstätige pflegende Angehörige wüssten nicht, wie sie das Thema in ihrem Betrieb ansprechen könnten. Die Arbeitgeber hätten ihrerseits ebenfalls Unsicherheiten im Bezug auf das Thema. Der Bedarf speise sich aus der Unwissenheit, aber auch aus dem Wunsch der Betriebe, etwas zu tun. Bisher fehle es ihnen oft aber noch an Know-how.
Das „epA: Mentorship für Handwerksbetriebe“ unterscheide sich von anderen Angeboten wie beispielsweise dem Pflege-Guide oder dem Pflegekoffer (Koffer mit Broschüren zu Hilfsangeboten für pflegende Angehörige) darin, dass es nicht nur zu Hilfsangeboten weiterleite, sondern sich mehr auf die direkte Hilfe im Betrieb fokussiere.
Dabei gilt es, inhaltlich wie organisatorisch die Grenzen innerhalb der Betriebe zu beachten: „Es ist eine Frage dessen, über welche Ressourcen die Unternehmen verfügen und was sie realistischerweise leisten können“, sagt Oelschläger. Daher ginge es auch immer um die Erarbeitung einer individuellen Passung für die Betriebe.
Die Machbarkeitsstudie läuft noch bis Ende September.
Zur Person
Marcus Flachmeyer ist wissenschaftlicher Angestellter an der FH Münster.
Er ist im Projekt „reges:BOR“ als Projektentwickler tätig und begleitet forschend gemeinsam mit Professor Marcellus Bonato die Machbarkeitsstudie „epA: Mentorship für Handwerksbetriebe“.
Zur Person
Thomas Oelschläger ist Systemischer Berater (SG) und Supervisor, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei HeurekaNet – Freies Institut für Bildung, Forschung und Innovation e.V. in Münster sowie an der FH Münster. Er gestaltet, moderiert und begleitet fachlich in Verantwortung die Durchführung der Machbarkeitsstudie „epA: Mentorship für Handwerksbetriebe“ mit den entsprechenden Modulen und Workshops.



