Pflege bedeutet Nähe und Verantwortung – und manchmal auch Sorgen, besonders dann, wenn die pflegebedürftige Person erkrankt. Eine Erkältung, Magen-Darm-Beschwerden oder eine andere Infektion können den Pflegealltag schnell verändern. Hygiene spielt eine große Rolle, um das Risiko für Erkrankungen zu verringern beziehungsweise deren Ausbreitung zu verhindern. Wichtig ist aber auch die Erkenntnis, dass Sie oder Ihr Familienmitglied trotz allerbester Sauberkeit krank werden können.
Warum können Sie trotz Hygiene krank werden?
Der menschliche Körper ist kein steriler Ort: Auf der Haut, im Darm oder in der Nase leben Milliarden Mikroorganismen und viele davon schützen uns. Sind jedoch Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze dabei, kann das zum Problem werden, vor allem wenn das Immunsystem geschwächt ist, wie das im Alter oder bei Grundkrankheiten wie Diabetes (Zuckerkrankheit), chronischer Nierenerkrankung oder Herzschwäche häufig der Fall ist.
Die Hygiene ist dabei kein Schutzschild, sondern ein Werkzeug: Sie verringert Risiken, aber sie kann eine Erkrankung nicht vollständig ausschließen. Denn selbst wenn Sie Hygienemaßnahmen sorgfältig einhalten, können akute Krankheiten auftreten, beispielsweise eine Infektion der Atemwege, eine Entzündung der Bindehaut oder ein Magen-Darm-Infekt. Diese Krankheiten können sich dann entwickeln, wenn Besucher die entsprechenden Keime „mitbringen“ und diese dann über Hände, Gegenstände oder Tröpfchen übertragen werden.
Woran erkennen Sie eine akute Erkrankung?
Eine solche akute Erkrankung entsteht plötzlich, entwickelt sich rasch und heilt meist nach kurzer Zeit wieder ab. Chronische Krankheiten dagegen bestehen über längere Zeit oder kehren regelmäßig wieder, etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Arthrose. Wichtig: Auch chronisch kranke Menschen können zusätzlich akut erkranken.
Pflegende Angehörige kennen ihr pflegebedürftiges Familienmitglied in der Regel sehr genau. Ihnen fallen daher meist schneller kleine Veränderungen auf, die möglicherweise auf eine akute Erkrankung hinweisen (insbesondere dann, wenn sie plötzlich auftreten oder sich rapide verschlechtern).
Was sind Warnzeichen?
- Fieber oder erhöhte Temperatur
- Schmerzen (z. B. Kopf, Gelenke, Bauch)
- Abgeschlagenheit oder ungewöhnliche Müdigkeit
- Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
- Veränderungen bei Appetit oder Flüssigkeitsaufnahme
- Verwirrtheit oder Reizbarkeit
- Veränderte Hautfarbe oder Atemgeräusche
Im Zweifelsfall ist immer eine ärztliche Abklärung ratsam: Lieber einmal zu viel nachfragen, als eine beginnende Infektion zu spät zu erkennen.
Wie verhalten Sie sich hygienebewusst im Krankheitsfall?
Atemwegsinfektionen
Husten, Schnupfen, Halsschmerzen – Erkältungen gehören zu den häufigsten Infekten. Wichtig ist, Ansteckungen zu vermeiden, indem Sie:
- beim Niesen oder Husten ein Einwegtaschentuch benutzen, anschließend das Händewaschen nicht vergessen,
- auf Händeschütteln oder engen Körperkontakt verzichten, solange Symptome bestehen,
- regelmäßig lüften, das senkt die Erregerkonzentration in der Luft,
- einen Arzt aufsuchen, wenn hohes Fieber, Atemnot oder starke Schwäche auftreten.
Magen-Darm-Infekte
In diesem Fall ist Hygiene besonders entscheidend, denn die Erreger (z. B. die sogenannten Noroviren, die sich leicht auf Kreuzfahrtschiffen ausbreiten) sind extrem ansteckend. Daher sollten Sie Folgendes unbedingt beachten:
- Händewaschen nach jedem Toilettengang und vor der Essenszubereitung.
- Nach Möglichkeit eine eigene Toilette nutzen oder diese nach jedem Gebrauch gründlich reinigen.
- Getrennte Handtücher, Waschlappen und Kleidung verwenden.
- Räume regelmäßig lüften, Kontaktflächen (Türklinken, Lichtschalter) reinigen: Magen-Darm-Erreger überleben erstaunlich lange auf Oberflächen, und selbst winzige Mengen können für eine Infektion ausreichen.
Als besonders ansteckend gelten auch Erkrankungen wie Grippe, Masern oder COVID-19. Hier gilt es, Abstand zu halten, Masken zu tragen und natürlich den Impfschutz aller Personen eines Haushalts zu überprüfen.
Im sogenannten „Infektionsschutzgesetz“ ist übrigens geregelt, in welchen Fällen eine Krankheit meldepflichtig ist oder wann ein Besuch in Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Pflegeheimen) nicht erlaubt ist. Wer sich nicht sicher ist, was in einem bestimmten Fall zu tun ist, kann sich für weitere Informationen gerne an das Gesundheitsamt oder den Hausarzt / die Hausärztin wenden.

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Welche Rolle spielen Händewaschen und saubere Wäsche?
Um das Risiko für diese ansteckenden Krankheiten zu minimieren, spielen zwei Faktoren die größte Rolle: erstens Körperhygiene und zweitens die Reinigung von Textilien.
So funktioniert richtiges Händewaschen
Das Händewaschen steht an erster Stelle. Empfohlen wird, die Hände mit warmem Wasser und Seife 20 bis 30 Sekunden lang zu waschen, und zwar besonders vor dem Essen, nach dem Toilettengang, nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder nach dem Husten oder Niesen. Nach dem sorgfältigen Abspülen die Hände gründlich abtrocknen (auch die Fingerzwischenräume), denn feuchte Hände übertragen Erreger leichter.

Richtig die Hände waschen
Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie beim Händewaschen richtig vorgehen.
Welche Empfehlungen gibt es außerdem?
- Hautpflege: Häufiges Waschen trocknet die Haut aus – rückfettende Cremes schützen.
- Handschuhe: Einmalhandschuhe sind kein Ersatz für Händehygiene. Sie schützen, wenn Kontakt mit Ausscheidungen oder Wunden besteht, sollten danach aber sofort entsorgt werden.
- Wie sieht es mit Desinfizieren von Händen und Oberflächen aus? Laut Robert Koch-Institut, Bundesinstitut für Risikobewertung und Umweltbundesamt ist eine Händedesinfektion im häuslichen Bereich häufig nicht nötig, Händewaschen reicht in den allermeisten Fällen aus.
Das Umweltbundesamt schreibt: „Es besteht die Gefahr, dass Desinfektionsmittel im Haushalt falsch angewendet werden, sich Resistenzen bilden und zusätzliche Risiken durch Vergiftungen mit Desinfektionsmitteln hinzukommen. Bei vielen im Haushalt eingesetzten antimikrobiellen Zusätzen in Reinigungsmitteln ist die Wirksamkeit nicht erwiesen und die Konzentrationen und Einwirkdauer reichen für eine effektive Desinfektion nicht aus. Die Risiken der Desinfektion im Haushalt sind somit höher als der Nutzen.“
Letztlich bestehe sogar die Gefahr, dass sich die Anwender von Desinfektionsmitteln im Haushalt in falscher Sicherheit wiegen und klassische Hygienemaßnahmen, wie das Händewaschen, vernachlässigen.
Desinfektionsmittel sollten daher nur nach ärztlicher Anweisung bei speziellen Fällen angewandt werden.
Auch das tägliche Duschen oder Baden entfernt Schmutz, Schweiß und abgestorbene Hautzellen und damit auch die Nährböden für Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze.
Ein ganz besonderer „Star“ der Händehygiene war übrigens Mitte des 19. Jahrhunderts tätig. Damals beobachtete der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis, dass Frauen in der Geburtsklinik oft an Kindbettfieber starben – vor allem dann, wenn Ärzte zuvor Leichen seziert hatten und sich danach nicht die Hände wuschen. Semmelweis führte das verpflichtende Händewaschen mit Chlorlösung ein, und die Todesfälle sanken dramatisch. Damals wurde er für seine Forderung belächelt, das Händewaschen vor einem Besuch bei einer Patientin oder einem Patienten als Standard einzuführen. Heute gilt Dr. Semmelweis als Pionier der modernen Hygiene – und als „Retter der Frauen“.
Und wussten Sie, dass es Seife schon im alten Babylon gab – vor über 4.000 Jahren? Damals wurde sie aus Asche und Öl hergestellt, allerdings eher als Reinigungsmittel für Stoffe. Erst im Mittelalter fand sie ihren Weg auf die Haut. Und noch heute ist die Kombination aus Wasser und Seife eine der wirksamsten Maßnahmen überhaupt gegen Krankheitserreger.
Was ist mit der Wäsche?
Saubere Kleidung, Handtücher und Bettwäsche sind ebenso wichtig wie die Körperhygiene: Sie nehmen Schweiß, Hautpartikel und Mikroben auf und sollten regelmäßig gewechselt werden, besonders im Krankheitsfall. Tun Sie das nicht, können sich Keime vermehren, was das Risiko für Hautprobleme oder Pilzinfektionen erhöht. Ideal ist es, Kleidung, Handtücher und Bettwäsche bei mindestens 60 °C zu waschen.
Wie viel Hygiene ist sinnvoll?
Hygiene ist ein wesentlicher Bestandteil der Pflege von Angehörigen und Ausdruck von Verantwortung gegenüber pflegebedürftigen Menschen sowie sich selbst. Sie dient nicht nur der Vorbeugung von Infektionen, sondern auch dem allgemeinen Wohlbefinden.
Wichtig ist es, Hygienemaßnahmen gezielt und bedacht umzusetzen: Regelmäßiges Händewaschen, das Wechseln von Kleidung, Bettwäsche und Handtüchern sowie gutes Lüften tragen wirksam dazu bei, Krankheitsrisiken zu verringern.
Tritt dennoch eine Erkrankung auf, ist das kein Zeichen mangelnder Pflege! Entscheidend ist, dass Sie frühzeitig auf Veränderungen reagieren, medizinische Abklärung suchen und sich bei Bedarf Unterstützung holen – etwa von Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachkräften oder Beratungsstellen.
