Impfung: Infektionskrankheiten lässt sich vorbeugen

Impfung: Infektionskrankheiten lässt sich vorbeugen

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Impfstoffe gelten als wichtiges Mittel zur Vorbeugung von Erkrankungen. Sie bieten Schutz gegen Infektionskrankheiten, indem sie das Immunsystem zur Herstellung von Antikörpern und der Vermehrung von Immunzellen anregen. Aber welche Impfungen sind wirklich wichtig und was gilt es zu beachten? Wir haben mit Prof. Dr. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und Leiter des Forschungsbereichs Immunologie an der TU Dortmund, gesprochen.

Normalerweise verteidigt unser Immunsystem uns gegen Infektionen, indem es unter anderem Antikörper produziert, die den Krankheitserreger bekämpfen. Es gibt aber Erreger, gegen die es dem Immunsystem nicht selbstständig gelingt, Antikörper zu bilden.

Das passiert vor allem dann, wenn der Körper dem Erreger noch nicht begegnet ist. In solchen Fällen kann ein Impfstoff sinnvoll sein, um den Körper mit einer abgeschwächten Form des Erregers bekannt zu machen, damit dieser wiederum Antikörper bilden kann.

Wie funktionieren Impfungen?

Bei Impfungen unterscheidet man laut Watzl zwischen zwei wesentlichen Varianten: den Lebendimpfstoffen und den Todimpfstoffen. Zu den Todimpfstoffen gehören bspw. die Grippeimpfstoffe. Dazu werde das Virus im Labor hergestellt und abgetötet.

Dem Erreger werden Hilfsstoffe beigefügt, damit der Impfstoff überhaupt wirken kann. Der tote Erreger allein löse keine Impfreaktion aus. Die Hilfsstoffe helfen dabei, dem Körper Gefahr zu suggerieren, damit dieser darauf reagiert und Antikörper bildet.

Bei Lebendimpfstoffen wie etwa dem Masern-, Polio- und Pockenimpfstoff wird jeweils ein lebender Erreger, der sich selbst zwar noch vermehren kann, aber abgeschwächt wurde, verimpft. „Bei gesunden Menschen ruft der Lebendimpfstoff keine Krankheit, sondern lediglich eine Immunreaktion hervor“, sagt Watzl.

Eine Impfung, unabhängig davon, ob mit einem Lebend- oder einem Todimpfstoff, sorgt dafür, dass die Krankheit im Fall einer Ansteckung nicht ausbricht oder zumindest einen milden Verlauf nimmt, weil der Erreger dem Körper bereits bekannt ist und dieser sich somit gegen ihn wehren kann.

Individuelle Risiken mit dem Arzt abwägen

Impfungen sind freiwillig. Daher ist es immer wichtig, sich zu informieren und im Einzelfall gemeinsam mit dem Hausarzt abzuwägen, welche Impfungen wichtig und sinnvoll sind. Je nach Alter kann es variieren, welche Impfungen jemand bereits als Kind bekommen hat.

Ältere Menschen sollten prüfen, ob sie gegen Hepatitis B bereits geimpft wurden, da es leicht übertragbar und ansteckend ist. Auch die Pneumokokken-Impfung empfiehlt Watzl besonders älteren und pflegebedürftigen Menschen. „Ansonsten kann ich als Immunologe auch die regelmäßige Grippeschutzimpfung nur empfehlen“, sagt er.

Wer regelmäßig die Grippeimpfung mitmacht, hat eine Grundimmunität. Das bedeutet, dass ein gewisser Schutz da ist, auch wenn nicht speziell gegen den Grippeerreger geimpft wurde, an dem man sich ansteckt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man bereits gegen einen ähnlichen Erreger geimpft wurde und dadurch einen gewissen Schutz hat.

Impfungen schützen überwiegend nur einen selbst. Die Grippe bspw. kann man trotz Impfung übertragen. Deswegen sollten sich pflegebedürftige Angehörige nach Möglichkeit auch impfen lassen.

Dauer des Impfschutzes kann variieren

Die meisten und wichtigsten Impfungen erhalten wir bereits im Kindesalter. „Diese Impfungen halten sehr lange, oft sogar ein Leben lang“, sagt der Immunologe. Wer als Kind gegen Masern und Hepatitis B geimpft wurde, ist also bis ins hohe Alter geschützt.

Anders verhält es sich beispielsweise mit einer Tetanusimpfung. Bei ihr hält der Impfschutz etwa zehn Jahre an. Je nach Alter sollte aber überprüft werden, ob wichtige neuere Impfungen bereits verabreicht wurden oder ob diese nachgeholt werden sollten.

Die Grippeimpfung muss in der Regel sogar jedes Jahr neu verabreicht werden. Das liegt aber daran, dass es immer wieder neue Grippeviren gibt, gegen die geimpft wird, weswegen auch der Impfstoff dementsprechend angepasst werden muss.

Warum sind Impfungen wichtig?

Impfungen sollen vor schweren, manchmal sogar tödlich verlaufenden Krankheiten wie etwa Polio, Masern oder Hepatitis schützen. Zusätzlich tragen Impfungen dazu bei, dass diese Krankheiten sich weniger verbreiten und so irgendwann sogar ganz verschwinden könnten.

„Die Krankheiten, gegen die wir impfen, sind nicht ohne“, sagt Watzl. Wir würden sie zwar oft Kinderkrankheiten nennen, aber sie könnten schwere Folgen haben, so der Immunologe. Durch Impfungen konnten diese Krankheiten so weit zurückgedrängt werden, dass kaum einer die Zeit mit Polio oder großen Masernepidemien erlebt hat. „Weltweit sterben aber immer noch genug Menschen an solchen Infektionskrankheiten“, sagt der Immunologe.

Auch bei uns können die Krankheiten jederzeit wiederkommen. „Und auch hier in Deutschland sterben immer noch Menschen an Masern. Es sind zwar nur eine Handvoll, aber das zeigt, dass es nach wie vor eine gefährliche Krankheit ist“, sagt er.

Es sei zudem ein gefährlicher Trugschluss zu denken, wir hätten diese Krankheiten in Deutschland nicht mehr und müssten uns nicht mehr dagegen impfen lassen. Das würde dazu führen, dass wieder mehr Menschen keinen Impfschutz hätten und es so erneut zu Ausbrüchen dieser Krankheiten kommen kann, weil das Virus weltweit noch nicht ausgerottet ist.

Welche Gefahr kann von Impfungen ausgehen?

„Bei Impfungen ist der Anspruch an die Sicherheit extrem hoch, da sie gesunden Menschen verabreicht werden“, sagt Watzl. „Klar gibt es bei jeder Impfung mögliche Nebenwirkungen. Die sind aber bei allen zugelassenen Impfstoffen so gering, dass sie im Nutzen deutlich dem Risiko, sich einer Infektion auszusetzen, überwiegen.“ Es sei aber dennoch ein Risiko, wenn auch ein geringes, dessen man sich bewusst sein sollte.

Bei einem Immundefekt oder einem schwachen Immunsystem gilt Vorsicht in Bezug auf Lebendimpfstoffe. In solchen Fällen könnten auch die abgeschwächten Erreger krank machen. Bei Todimpfstoffen bestünde die Gefahr aber nicht.

Wichtig sei es, den Allgemeinzustand eines Menschen zu betrachten. Wenn eine Person einen schlechten Allgemeinzustand, etwa durch vorherige Erkrankungen oder bedingt durch ein hohes Alter, hat, dann könnte eine Impfung den Organismus zusätzlich belasten.

In einem solchen Fall sei es wichtig, gemeinsam mit einem Arzt abzuwägen, ob das Risiko nicht zu impfen höher ist, als in einem schlechten Allgemeinzustand zu impfen. Besonders im Rahmen der Pandemie sei das eine spezielle und schwierige Abwägung.

Bei der Grippeimpfung im Herbst sei es aber beispielsweise ratsam, bei schlechtem Allgemeinzustand lieber noch etwas mit der Impfung zu warten.

Für die COVID-19-Impfung beginnen derweil die Drittimpfungen. Aber nicht jeder braucht unbedingt eine dritte Impfung.

Zur Person

Prof. Dr. Carsten Watzl ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und Leiter des Forschungs-bereichs Immunologie an der TU Dortmund.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.