Dekubitus: Prophylaxe und Wundmanagement

Dekubitus: Prophylaxe und Wundmanagement

Ein Dekubitus beginnt meist ziemlich unspektakulär mit einer geröteten Hautstelle. Doch diese Stelle kann sich schnell zu einem ernsten, oft schwer beherrschbaren Krankheitsgeschehen entwickeln. Dabei können Sie als pflegende Angehörige einiges tun, um die Entstehung von Druckstellen zu vermeiden.

Eine Frau mit Dekubitus bekommt ein Sitzkissen gezeigt.
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    Wir alle rutschen auf Stühlen hin und her, schlagen die Beine übereinander, um sie kurze Zeit später wieder nebeneinander zu stellen. Wir beugen uns beim Sitzen vor und dann wieder zurück. Sitzen bedeutet also keinesfalls Stillstand, sondern ist ein sehr dynamischer Prozess. Wenn wir schlafen, wachen wir nie in der gleichen Position auf, in der wir uns zur Ruhe begeben haben. Vielmehr geht auch der gesunde, ungestörte Schlaf mit einer Vielzahl von Lageänderungen unseres Körpers einher.

    Mit diesen Positionsänderungen, die wir unbewusst ausführen, entlastet unser Körper selbstständig druckgefährdete Regionen und schützt sie vor zu hoher Belastung. Dies setzt aber voraus, dass unser Bewegungsapparat ungestört funktioniert. Bei bewegungseingeschränkten oder -unfähigen Menschen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, gelingt diese unbewusste Druckentlastung nur eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr. Eine gefürchtete Folge der fortdauernden Druckbelastung einer Körperregion ist der Dekubitus.

    Was ist ein Dekubitus?

    Als Dekubitus wird eine klar umschriebene Stelle bezeichnet, an der zunächst die Haut, später dann auch das darunter liegende Gewebe, also die Unterhaut und die Muskulatur, geschädigt ist. Oft beginnt ein Dekubitus ganz unscheinbar: Die Haut ist lediglich gerötet. Werden diese ersten Anzeichen allerdings ignoriert, entwickeln sich ohne konsequente Behandlung beim Wundliegen schnell ausgeprägte Gewebsverluste, die dramatische Ausmaße annehmen können: Keime siedeln sich an und infizieren das Gewebe – und so kann aus einer lokalen Erkrankung eine ernsthafte Allgemeinerkrankung werden. Dann ist das richtige Wundmanagement nötig.

    Welche Körperstellen sind gefährdet?

    Druckstellen entstehen vor allem an Körperstellen, an denen Knochen und Haut sehr dicht beieinander liegen, dort also, wo ein Polster aus Fettgewebe und Muskulatur fehlt. Dies ist z. B. am Steißbein, den Fersen, den Schulterblättern oder am Hinterkopf der Fall. An diesen Körperstellen ist die Gefahr des Wundliegens besonders groß.

    Wie entsteht ein Dekubitus?

    Die Haut umhüllt unseren gesamten Körper und schützt ihn vor allen Umwelteinflüssen. Um diese anspruchsvolle und komplexe Aufgabe erfüllen zu können, muss sie intakt sein. Das bedeutet, dass sie entweder unverletzt sein muss oder dass Defekte schnell repariert werden. Voraussetzung dafür: eine ungestörte Durchblutung, damit Sauerstoff und Nährstoffe in die Haut hinein- und Abfallprodukte des Stoffwechsels abtransportiert werden können.

    Wird die Haut nun andauerndem Druck (z. B. durch Sitzen im Rollstuhl oder Bettlägerigkeit) ausgesetzt oder werden die einzelnen Hautschichten gegeneinander verschoben, so wird der Blutfluss in der Haut gestört oder ganz verhindert. Dieses Verschieben kann zum Beispiel schon durch Kleinigkeiten verursacht werden, wenn Ihr Angehöriger zum Beispiel beim Bettenmachen über die Matratze gezogen wird. Die Folgen sind Sauerstoffmangel und die Anreicherung von Stoffwechselprodukten in der Haut. Dauert dieser Zustand an, wird das Gewebe zerstört; eine wunde Hautstelle entsteht.

    Dabei wird deutlich: Besonders gefährdet sind bewegungseingeschränkte Menschen, die dauerhaft im Bett liegen oder in der immer gleichen Position im Rollstuhl sitzen. Denn bei ihnen sind stets die gleichen Körperpartien starkem Druck ausgesetzt sind.

    So verhindern oder erkennen Sie einen beginnenden Dekubitus

    Wenn Sie einen bewegungseingeschränkten Menschen versorgen, sollte Ihr oberstes Ziel sein, die Entstehung von Druckstellen zu verhindern. Zur korrekten Dekubitusprophylaxe gehört die tägliche Kontrolle des Hautzustandes; besonders an den druckgefährdeten Körperstellen. Dies gelingt am besten bei der Körperpflege. Achten Sie vor allem auf auftretende Hautrötungen, denn jede Hautrötung könnte das Anfangsstadium eines Dekubitus sein.

    Praxistipp

    Den Unterschied zwischen einer gewöhnlichen Hautrötung und einem Dekubitus im Anfangsstadium ist relativ leicht durch den Fingertest festzustellen: Drücken Sie mit einem Finger ca. 5 Sekunden fest auf die Rötung. Bei einer gewöhnlichen Hautrötung ist das Zentrum nach Anheben des Fingers deutlich heller. Beim Dekubitus im Anfangsstadium ist die Rötung nicht wegdrückbar, bleibt also unverändert rot.

    Sollte ein Dekubitus im Anfangsstadium vorliegen, dann zögern sie nicht und suchen Sie sich professionelle Hilfe bei Ihrem Hausarzt oder einem ambulanten Pflegedienst. Zahlreiche Fachkräfte mit speziellen Weiterbildungen im Wundmanagement können Sie beraten oder bei der Umsetzung von Behandlungsplänen unterstützen.

    Dekubitusprophylaxe

    „Vorbeugen ist besser als Heilen.“ Dieses alte Prinzip gilt auch, wenn die Entstehung von Druckstellen droht. Es gibt zahlreiche vorbeugende Maßnahmen, mit dem Sie den ungestörten Blutfluss in der Haut sicherstellen können.

    Spontan bewegen bei jeder Gelegenheit

    Jede Bewegung, und sei sie noch so klein, führt zu einer Druckentlastung gefährdeter Hautstellen und beugt Druckstellen effektiv vor. In der Praxis bedeutet das: Auch wenn sich Ihr Angehöriger nur noch sehr wenig bewegen kann, sollten Sie ihn oder sie mehrmals täglich dazu zu animieren, regelmäßig kleine Lageänderung im Rollstuhl oder im Bett durchzuführen, um selbständig eine Druckentlastung der Haut zu erreichen.

    Weich lagern

    Reichen die Eigenbewegungen nicht mehr aus, um eine effektive Druckentlastung der Haut zu gewährleisten, bieten sich zum Beispiel Matratzen oder Sitzkissen zur Weichlagerung gefährdeter Hautstellen an. Der Körper sinkt in das weiche Material, sodass der entstehende Druck auf eine größere Fläche verteilt und gefährdete Hautstellen entlastet werden. Kontaktieren Sie Ihr Fachgeschäft für Pflegehilfsmittel oder Ihren örtlichen Pflegedienst. Sie können Sie bei der Auswahl geeigneter Produkte beraten.

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    Druckentlastung durch Lageveränderung

    Die zeitweise vollständige Druckentlastung gefährdeter Hautstellen kann gelingen, indem Sie Ihren Angehörigen klassisch wie folgt lagern: Liegt Ihr Angehöriger auf dem Rücken, dann neigen Sie eine Körperhälfte um ca. 30° und legen Sie zur Fixierung ein Kissen unter. So können gefährdete Körperstellen wie die Steißregion komplett entlastet werden. Gleichzeitig werden aber andere Körperstellen stärker druckbelastet. Deshalb ist ein regelmäßiges Umlagern sehr wichtig. Ist Ihr Angehöriger vollständig bewegungsunfähig, dann sollten Sie sich für die Seitenlagerung immer von einer Hilfsperson unterstützen lassen.

    Wechseldruckmatratzen

    Wechseldruckmatratzen sind automatisierte Systeme, die mehrere Luftkammern enthalten. Diese Luftkammern werden durch einen Kompressor be- und entlüftet. Dadurch sind einige Luftkammern aufgepumpt, während andere entleert sind. Nach einem vorgegebenen Zeitraum wird dieser Zustand automatisch umgekehrt. Die Folge: Gefährdete Körperregionen werden im Wechsel druckbelastet und wieder entlastet. So wird einer Druckstelle effektiv vorgebeugt.

    Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Dekubitusgefahr bei Ihrem Angehörigen zu minimieren. Da Lösungen immer sehr individuell sind und kein Mensch dem anderen gleicht, sollten Sie sich nicht scheuen, Hilfe von Fachleuten in Anspruch zu nehmen. Mehr Informationen zum Thema Dekubitus finden Sie hier.

     

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