Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung sind wichtige Instrumente, um sicherzustellen, dass die eigenen Wünsche und Vorstellungen respektiert werden, falls man selbst – infolge von Krankheit oder in der letzten Lebensphase – nicht mehr in der Lage sein sollte, diese zu kommunizieren. Was die Dokumente jeweils regeln, wie sie erstellt werden können und wo sie dann hinterlegt werden sollten, können Sie in den folgenden Artikeln oder auch gebündelt in unserem kostenlos downloadbaren E-Paper zur rechtlichen Vorsorge detailliert nachlesen:
Rechtliche Vorsorge: Ab wann brauchen Sie eine Vollmacht oder Verfügung?
Die Betreuungsverfügung: Wer soll Ihr rechtlicher Vertreter werden?
Die Patientenverfügung: Vorsorge treffen, Klarheit schaffen

Kostenloses E-Paper: Rechtliche Vorsorge
Planen, verfügen, bestimmen – wir haben Ihnen alles Wichtige zur rechtlichen Vorsorge in einem E-Paper gebündelt.
Doch neben der Erstellung dieser Dokumente ist es wichtig, das Gespräch mit Ihren Angehörigen zu suchen. Sie müssen wissen, was festgelegt ist und in welcher Form – und was das ganz konkret bedeutet. Sollen sie eine aktive Rolle spielen, also etwa als Bevollmächtigte rechtliche Angelegenheiten regeln oder sichergehen, dass medizinische Entscheidungen in Ihrem Sinne getroffen werden, ist zudem entscheidend, dass sie hinter den festgelegten Bestimmungen stehen und diese mittragen. Sonst drohen im schlimmsten Fall Konflikte, die ein Gericht auflösen muss. Aus demselben Grund kann es aber auch sinnvoll sein, Ihre Angehörigen selbst dann einzubeziehen, wenn ihnen keine aktive Rolle zukommt. Aber eines nach dem anderen.
Schaffen Sie Klarheit
Zunächst ist entscheidend, dass Sie selbst und Ihre Angehörigen oder Vertrauten, die Sie in ihre Versorgungsplanung einbeziehen möchten, wissen, worum es geht, und verstehen, was konkret geregelt werden soll. Nicht ganz einfach, denn sowohl die Medizin als auch die Juristerei und Rechtsprechung haben ihre ganz eigene Sprache und strotzen nur so vor Fachbegriffen.
Wer sich daranmacht, eine Patientenverfügung oder andere Vorsorgedokumente aufzusetzen, liest sich in der Regel zunächst gut ein, lässt sich im Idealfall beraten, etwa in der Hausarztpraxis, der Anwaltskanzlei oder dem Notariat. Das in diesem Zuge erworbene Wissen sollten Sie dann aber mit Ihren Angehörigen teilen, gerade auch, wenn sie medizinische und juristische Laien sind. Denn am Ende sollten alle Beteiligten dasselbe Verständnis haben, was die konkreten Formulierungen und Festlegungen bedeuten, und welche Wünsche, Gedanken oder auch Befürchtungen dahinterstehen.
Im nächsten Schritt müssen im Falle einer Vollmacht oder Betreuungsverfügung beide Seiten das Dokument prüfen und unterzeichnen und anschließend so aufbewahren, dass es im Ernstfall zugänglich ist und vorgezeigt werden kann. Dazu ist es etwa sinnvoll, eine Notfallkarte auszufüllen und in Portemonnaie oder Handtasche mitzuführen oder in der Hausarztpraxis zu hinterlegen. Hier können Sie eintragen, welche Vorsorgeunterlagen existieren und wer jeweils Ansprechpartner oder Kontaktperson ist.
Vermeiden Sie Konflikte und Missverständnisse
Sollten Sie Angehörige oder vertraute Menschen haben, denen Sie in Ihrer Versorgungsplanung keine aktive Rolle zugedacht haben oder zudenken wollen, kann es trotzdem oder gerade ratsam sein, auch mit ihnen das Gespräch zu suchen. Denn für ihre Nichtberücksichtigung kann es durchaus gute Gründe geben.
Zum einen sollten grundsätzlich nicht beliebig viele Vollmachten erteilt werden. Schon weil mit der Zahl der Mitspracheberechtigten das Risiko für Meinungsverschiedenheiten steigt. Wählen Sie ein oder zwei Menschen aus oder erteilen Sie nicht konkurrierende Vollmachten für unterschiedliche Aufgaben.
Zum anderen regeln Vollmachten und Verfügungen im Kontext der rechtlichen Vorsorge, was in Situationen zu tun oder zu entscheiden ist, die mit einer hohen emotionalen Belastung einhergehen. Eine derartige Verantwortung schultern und verkraften manche Menschen besser als andere.
Auch die – relative – emotionale oder geografische Nähe oder eben Entfernung können Kriterien sein. Oder die Zahl der Menschen, um die sich ein Angehöriger oder eine Angehörige sonst noch kümmern muss, ebenso der Grad der Auslastung durch Arbeit oder andere Verpflichtungen. Kurz: Eine Vielzahl von Faktoren kann ausschlaggebend sein, jemanden nicht als Bevollmächtigten einsetzen zu wollen, ohne dass dies ein Zeichen von Entfremdung oder Misstrauen sein muss!
Um Missverständnissen, Enttäuschungen oder gar Konflikten vorzubeugen, sollten Sie Ihre Beweggründe und Entscheidungen deshalb am besten erklären.
Das Gespräch mit den Angehörigen
Wenn Sie für sich selbst entschieden haben, was Sie hinsichtlich Ihrer persönlichen Versorgungsplanung regeln wollen und wen Sie konkret mit Vollmachten oder Verantwortlichkeiten ausstatten möchten, ist es Zeit, das Gespräch mit Ihren Angehörigen oder Vertrauenspersonen zu suchen.
- Bereiten Sie sich inhaltlich vor: Überlegen Sie, was Sie konkret vermitteln wollen, was Sie vielleicht schon für sich entschieden haben und worüber Sie gerne diskutieren möchten. Falls Sie Informationsmaterial zur Hand haben, halten Sie dieses für das Gespräch bereit.
- Bereiten Sie sich emotional vor: Bedenken Sie, wie Ihre Angehörigen auf das Thema reagieren könnten, und bereiten Sie sich soweit möglich darauf vor. Nicht jedem fällt es leicht, über Krankheit und Tod zu sprechen oder sich gar mit konkreten Szenarien zu beschäftigen. Versuchen Sie einfühlsam und geduldig zu sein und legen Sie sich dazu gegebenenfalls ein paar (Vor-)Sätze zurecht.
- Wählen Sie einen guten Zeitpunkt: Ein solches Gespräch sollten Sie nicht zwischen Tür und Angel oder gar unter Zeitdruck führen. Wählen Sie einen Moment, in dem alle Beteiligten die nötige Zeit und Ruhe haben, um sich auf das durchaus sensible Thema einzulassen, und planen Sie ausreichend Zeit ein.
- Wählen Sie einen privaten Ort: Stellen Sie sicher, dass Sie das Gespräch in einem geschützten und privaten Raum führen.
- Bemühen Sie sich um Klarheit und Transparenz: Erklären Sie Ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen und vergewissern Sie sich, dass Ihre Angehörigen diese in allen Konsequenzen verstehen.
- Lassen Sie Raum für Verständnis- und Nachfragen: Sie selbst haben sich schon vorab in die Thematik vertieft, für Ihre Angehörigen kommt das Gespräch unter Umständen überraschend und unvorbereitet. Gehen Sie deshalb auf Verständnis- oder Nachfragen ein. Können Sie etwas nicht abschließend beantworten oder klären, notieren Sie es für später.
- Verabreden Sie die nächsten Schritte: Legen Sie gemeinsam fest, was im Nachgang eventuell noch zu klären oder zu erledigen ist, und stellen Sie sicher, dass Sie mit demselben Verständnis aus dem Gespräch gehen.
- Halten Sie offene Punkte schriftlich fest: Dokumentieren Sie die noch zu klärenden Fragen oder Sachverhalte am besten schriftlich. So können alle Beteiligten im Anschluss oder bei Bedarf noch einmal alles nachlesen und es gerät nichts in Vergessenheit.
Fazit: Eine umfassende Vorsorgeplanung umfasst nicht nur die Erstellung wichtiger Dokumente, sondern auch das offene und transparente Gespräch mit den Angehörigen. Indem Sie Ihre Wünsche und Vorstellungen klar kommunizieren, schaffen Sie Sicherheit und Vertrauen für alle Beteiligten. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Angehörigen in Ihre Überlegungen einzubeziehen und gemeinsam die nächsten Schritte zu planen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Vorsorgeplanung im Ernstfall reibungslos umgesetzt werden kann und Missverständnisse oder gar Konflikte vermieden werden.
