Frau Koenen, Herr Wittig, der Evangelische Krankenhausverein als Träger Ihrer Einrichtungen beschäftigt 1.600 Mitarbeitende. Seit wann und wie viele Pflege-Guides beraten bei Ihnen?
Dorothee Koenen: Wir haben im Jahr 2023 mit der Weiterbildung von Mitarbeitenden zu Pflege-Guides begonnen. Mittlerweile sind es drei Kolleginnen und Kollegen, die diese Zusatzqualifikation haben.
Wie kam es, dass sich Ihr Haus entschieden hat, die Charta zur „Vereinbarkeit Beruf und Pflege“ zu unterzeichnen?
Dorothee Koenen: Wir haben schon vor einiger Zeit registriert, wie sich die Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden entwickeln. Der demografische Wandel wirkt sich nicht nur auf unsere Patienten und Bewohnerinnen und Bewohner aus, sondern auch auf unsere Mitarbeiterschaft. Vor 20 Jahren stand die Kinderversorgung der Mitarbeitenden noch im Mittelpunkt. Heute haben immer mehr Mitarbeitende Eltern oder andere nahe Angehörige, die pflegebedürftig sind. Mit dem Angebot der Pflegeberatung rücken wir dieses Thema in das Bewusstsein aller, sowohl der Führungskräfte als auch der einzelnen Mitarbeitenden.
Oliver Wittig: Die Versorgung von Angehörigen hat Einfluss auf das gesamte Leben, sowohl im privaten als auch im Beruf. Wir versuchen, das Thema ganzheitlich anzugehen und gewähren neben der Beratungsmöglichkeit durch unsere Pflege-Guides zwei zusätzliche Urlaubstage für Mitarbeitende, die zu Hause pflegebedürftige Angehörige versorgen.

Dorothee Koenen ist gelernte Ergotherapeutin (B. A.) und absolvierte ein Magisterstudium Interprofessional Health and Community Care. Seit 2020 leitet sie die Pflegeeinrichtung Haus Cadenbach in Aachen.

Oliver Wittig ist examinierter Krankenpfleger und studierter Krankenhausmanager. Seit 2021 ist er Leiter der Pflege, der Therapie und des Sozialen Diensts am Luisenhospital Aachen und Mitglied des Direktoriums.
Ihre Mitarbeitenden sind professionell in der Pflege tätig. Ist denn trotzdem Beratungsbedarf vorhanden?
Dorothee Koenen: Ja! Bei uns herrscht vielleicht eine Sondersituation, da unsere Mitarbeitenden durch ihre Arbeit im Krankenhaus und in unserem Altenwohnheim informell einiges aus diesem Bereich erfahren. Aber wenn sie in der eigenen häuslichen Situation mit der Versorgung ihrer pflegebedürftigen Angehörigen konfrontiert sind, ist das noch einmal etwas Anderes.
Oliver Wittig: Die relevanten Informationen waren schon immer im Haus verfügbar. Durch unser Beratungsangebot stellen wir sicher, dass alle, auch die patienten- und bewohnerfernen Berufsgruppen wie die Hauswirtschaft oder die Verwaltung, gleichermaßen Zugang zu diesen Informationen erhalten.
