Glucose-Sensor-Messsystem (CGM): Knopf am Arm und Kapsel unter der Haut

Glucose-Sensor-Messsystem (CGM): Knopf am Arm und Kapsel unter der Haut

Appen statt pieksen – viele Menschen mit einem insulinpflichtigen Diabetes (Zuckerkrankheit) nutzen mittlerweile Systeme, die automatisch den Blutzucker messen. Ja, das geht. Nach Meinung vieler Spezialisten werden sich diese Systeme in der Behandlung des Diabetes auch durchsetzen. Was steckt also hinter den drei Buchstaben CGM?
Glucose-Sensor-Messystem (CGM) zur Überwachung des Blutzuckerspiegels bei Diabetes
GettyImages/ Dennis Welsh

Wer einen insulinpflichtigen Diabetes hat, muss regelmäßig den Glukosegehalt im Blut bestimmen – damit er die richtige Menge Insulin errechnen kann, die der Organismus braucht. Das hieß lange Zeit: einen Blutstropfen zum Beispiel aus der Fingerkuppe gewinnen. Und das ist vor allem bei Menschen, die sich oft messen müssen, durchaus schmerzhaft und lästig.

Systeme, die die Glukose regelmäßig und selbstständig messen, können dieses Prozedere erleichtern. Sie heißen meist abgekürzt CGM (steht für das Englische Continuous Glucose Monitoring), auf Deutsch „Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung“.

Wie CMGs arbeiten

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Systeme, die alle leicht unterschiedlich arbeiten und gehandhabt werden – etwa hinsichtlich der Häufigkeit, in der sie Werte aufzeichnen, wo der Sensor liegt und ob sie per Empfangsgerät oder Mobiltelefon ausgelesen werden. Im Wesentlichen bestehen sie aus zwei Teilen:

  • Sensor: Ein Sensor liegt im Unterhautfettgewebe. Das kann zum Beispiel ein kleiner Faden sein oder eine kleine Kapsel. Beide werden mit einer „Einstechhilfe“ unter die Haut gebracht. Dort messen sie regelmäßig den Gehalt der Glukose im Gewebe. Faden und Kapsel müssen regelmäßig gewechselt werden – wie oft, ist abhängig vom System. Es sind aber mindestens einige Tage bis hin zu mehreren Monaten.
  • Empfangsgerät: Das Empfangsgerät zeichnet die gemessenen Werte auf und macht sie – gewissermaßen – lesbar. Das können kleine, etwa handygroße Geräte sein, die Menschen am Gürtel tragen. Oder aber auch aufgeklebte „Knöpfe“ (etwa am Oberarm), die sich mit dem Mobiltelefon auslesen lassen.

Die Systeme sind mit einer Alarmfunktion ausgestattet. Sinkt oder steigt der Glukosegehalt zu stark, machen sie sich akustisch bemerkbar.

Nicht alles auf Autopilot

CGM-Systeme machen eine blutige Messung der Glukose zwar erheblich seltener, aber nicht ganz überflüssig. Zum einen müssen die Systeme meist ein- bis zweimal am Tag kalibriert werden – und dafür ist ein Tropfen Blut nötig.

Zum anderen messen CGM-Systeme ja den Gehalt der Glukose im Gewebe – und der steigt oder fällt bis zu 20 Minuten später als der Gehalt der Glukose im Blut. Spürt also ein Mensch mit Diabetes Anzeichen einer Unterzuckerung, etwa beim Sport, sollte er auf die konventionelle Methode zur Messung vertrauen und sich pieksen.

Hinweis: Auch CGM-Systeme können ausfallen. Ratsam ist deshalb, immer zusätzlich alles für eine konventionelle Messung dabei zu haben – Messgerät, Stechhilfe, Teststreifen.

CGMs sind geeignet für …

Eine Therapie mit einem CGM-System kommt gemäß der derzeit gültigen Regeln des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) infrage für Menschen:

  • deren Diabetes insulinpflichtig ist,
  • die eine intensivierte Insulintherapie benötigen (intensivierte Insulintherapie heißt: Nicht zu festen Zeitpunkten wird Insulin verabreicht, sondern eher nach Bedarf, zum Beispiel. zu den Mahlzeiten),
  • bei denen sich der Wert der Glukose trotz intensiver Mühen durch die Patientin oder den Patienten selbst (im Folgenden: Patient) und Behandelnden nicht ausreichend gut einstellen lässt.

Der G-BA ist ein Gremium, das festlegt, welche Leistungen der medizinischen Versorgung die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen.

Um die zuverlässige Versorgung mit einem CGM-System sicherzustellen, sind folgende ärztliche Berufsgruppen für die Therapie zugelassen:

  • Fachärztinnen und Fachärzte (im Folgenden: Fachärzte) für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie
  • Fachärzte für Innere Medizin, für Allgemeinmedizin oder für Kinder- und Jugendmedizin mit der Anerkennung „Diabetologie“ oder „Diabetologe Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)“ bzw. mit vergleichbarer Qualifikation
  • Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin mit der Anerkennung „Kinder-Endokrinologie und -Diabetologie“

Und noch zwei weitere Punkte macht der G-BA geltend, damit die Kosten für ein Gerät von den Krankenkassen übernommen werden können:

  • Wer ein CGM-Gerät tragen möchte oder muss, muss sich gründlich schulen (lassen) – das übernimmt oft die behandelnde Praxis.
  • Die Geräte müssen bestimmte technische Voraussetzungen haben und vor allem über eine Alarmfunktion verfügen – also zum Beispiel eine akustischen Ton von sich geben, wenn der Zuckergehalt im Blut zu stark sinkt oder steigt.

Vor- und Nachteile

Viele Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes fühlen sich sicherer mit einem CGM-System und haben weniger Angst zu über- oder unterzuckern – vor allem auch nachts. Auch lässt sich das Leben leichter gestalten wegen der selteneren blutigen Messungen. Schwimmen oder andere Aktivitäten sind ebenfalls besser möglich. Die Empfangsgeräte werden zum Beispiel abgekoppelt oder mit einem wasserfesten und -undurchlässigen Pflaster überklebt.

Andererseits können die Sensoren Haut und Gewebe irritieren oder den Schlaf stören. Zudem können die vielen Zahlen, Messungen und Alarme manchmal eher Angst und Bange machen als Zuversicht und Sicherheit verbreiten. Daher ist ein zentrale Punkt: Information!

CGM ist kein selbstlaufendes System

Wer ein CGM-System durch das behandelnde Team vorgeschlagen bekommt, der sollte sich gut informieren bzw. informieren lassen. Und sich fragen: Was brauche ich? Womit komme ich zurecht? Wie viele Zahlen über meinen Körper kann ich vertragen? Oder bin ich mit meinem System mit Pen und blutiger Glukosemessung eigentlich ganz zufrieden?

CGM-System plus Insulinpumpe

CGM-System können (nach Verordnung) Menschen nutzen, die sich das Insulin selbst mit einer Spritze zuführen oder solchen, die eine Insulinpumpe tragen. Möglich ist teils auch, ein CGM-System mit einer Insulinpumpe zu kombinieren (die sogenannte sensorgestützte Insulinpumpentherapie).

Z. B. gibt es laut IQWiG Geräte, die Menschen mit Diabetes vor einer Unterzuckerung schützen, also einem zu niedrigen Zuckerspiegel. Und zwar, indem sie die Insulinpumpe stoppen, wenn der Glukosegehalt im Blut unter einen bestimmten Wert fällt (das ist die sogenannte Low-glucose-suspend-[LGS-]Funktion).

Solche Systeme erfordern allerdings ein hohes Maß an Disziplin und eignen sich nicht für viele Patienten. Weitere Überlegungen in der Behandlung des Diabetes gehen in die Richtung, Systeme zu entwickeln, die den Blutzucker automatisiert steuern – das Stichwort „künstliche Bauchspeicheldrüse“ ist in dem Zusammenhang zu finden.