Mangelernährung: Tipps gegen Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust

Mangelernährung

Getty Images/Luis Alvarez

27.10.2020 Hochaltrige Menschen haben ein generell erhöhtes Risiko, eine Mangelernährung zu entwickeln. Um dem entgegenzuwirken, brauche es eine wesentlich bessere Aufklärung zu Ursachen und Folgen einer Mangelernährung, fordert die Leiterin der Arbeitsgruppe „Ernährung und Stoffwechsel“ der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und Mitarbeiterin am Institut für Biomedizin des Alterns an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Dorothee Volkert.

„Gerade bei Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust muss sofort gehandelt werden“, sagt sie.

Appetitlosigkeit führt zu erhöhtem Krankheitsrisiko und verzögerter Genesung

Mit einer neuen Broschüre will Volkert gemeinsam mit der Arbeitsgruppe erreichen, das betroffene ein Bewusstsein für eine mögliche Mangelernährung entwickeln. Denn viele wüssten gar nicht, dass z. B. kognitive Einschränkungen oder eine körperliche Schwäche direkt damit zusammenhängen.

Im Alltag seien bei älteren Menschen häufig Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust zu beobachten. Diese Probleme müssten ernst genommen werden.

So regen Sie Ihren Appetit wieder an

  • eine angenehme Atmosphäre bei den Mahlzeiten
  • Essen in Gesellschaft, z. B. „offener Mittagstisch“
  • körperliche Aktivität und Bewegung
  • frische Luft
  • verschiedene Gewürze und Kräuter
  • farbliche Kontraste auf dem Teller
  • verschiedene Obst- und Gemüsesorten

Mögliche Folgen von Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust seien ein erhöhtes Krankheitsrisiko, eine verzögerte Genesung, die Muskelkraft nehme ab und letztendlich würden Selbstständigkeit und Lebensqualität eingeschränkt.

 

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Anregungen für eine bessere Ernährung im hohen Alter

„Deswegen sollten Betroffene sofort reagieren und die eigene Ernährung optimieren“, sagt Volkert. Auch sei oft zu beobachten, dass Hunger und Durst nicht wahrgenommen würden – obwohl tatsächlich zu wenig Nährstoffe und Flüssigkeit aufgenommen werden. „Wenn ärztlich nicht anders verordnet, sind eineinhalb Liter Wasser am Tag in Form von verschiedenen Getränken sinnvoll. Hinzu kommen jeden Tag eiweißreiche Produkte wie Milchprodukte, Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchte, auch Zwischenmahlzeiten mit Nüssen, Obst oder Käsewürfeln bereichern die tägliche Ernährung“, rät Volkert.

So optimieren Sie Ihre Ernährung

  • regelmäßige Haupt- und Zwischenmahlzeiten, darunter eine warme Mahlzeit
  • täglich eiweißreiche Produkte, wie Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Ei und Hülsenfrüchte
  • Zwischenmahlzeiten, z. B. Obstkuchen, Trockenobst mit Nüssen, Joghurt mit Obst, Müsli oder Käsewürfel
  • angepasste Konsistenz bei Kau- und Schluckschwierigkeiten, z. B. Brot ohne Rinde, kleingeschnittenes oder püriertes Fleisch, Gemüse und Obst

Viele ältere Menschen litten zudem unter Kau- und Schluckproblemen, hätten Schwierigkeiten bei Einkauf und Zubereitung von Mahlzeiten, müssten alleine essen oder hätten grundsätzliche Sorgen und Ängste, die zu einer mangelnden Ernährung führen könnten.

„Hier sollte niemand die falsche Scheu haben, nach passender Unterstützung zu fragen. Hilfe beim Einkaufen oder der Essenszubereitung gehören einfach dazu. Bei Bedarf gibt es auch spezielles Besteck, Teller oder Tassen, die das Essen erleichtern“, beschreibt Volkert.

Ihr Tipp: „Nehmen Sie sich Zeit für alle Mahlzeiten, achten Sie auf eine gute Mundhygiene und wiegen Sie sich regelmäßig.“

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.