Hygiene und ihre Bedeutung: Körper, Haushalt und Geschichte

Hygiene und ihre Bedeutung: Körper, Haushalt und Geschichte

Hygiene gehört zu unserem Alltag dazu: Händewaschen, Duschen, Wäschewaschen, Putzen – all das erledigen wir automatisch, doch bei aller Routine steckt der Teufel manchmal auch im Detail. Wir möchten mit Ihnen einen Blick auf die Hygiene und ihre Bedeutung werfen. Denn es ist nicht nur eine gute Körperhygiene, die dazu beiträgt, dass wir gesund bleiben. Auch unser Zuhause müssen wir pflegen, damit das so bleibt.

Ein Herz aus Seife liegt in zwei Händen als Symbol für die Bedeutung der Hygiene.
GettyImages/Helin Loik-Tomson

Der Begriff „Hygiene“ stammt aus dem Altgriechischen und bezeichnet dort schlicht „die Gesundheit“. Heute verstehen wir darunter alle Verhaltensweisen und Maßnahmen, die uns dabei helfen, gesund zu bleiben. Besonders wichtig sind die Körperhygiene sowie die Hygiene im Haushalt und im Zusammenhang mit Lebensmitteln.

Bedeutung: Körperhygiene

Wer einen Angehörigen pflegt, weiß: Sauberkeit bedeutet weit mehr als „frische“ Haut: Körperpflege ist auch Zuwendung, Würde und Wohlbefinden, und sie stärkt das Vertrauen zwischen Pflegenden und Gepflegten. Körperhygiene kann aber durchaus auch herausfordernd und „heikel“ sein, z. B. bei Menschen mit Demenz, Inkontinenz oder chronischen Wunden.

Fest steht: Regelmäßiges Waschen hilft dabei, Krankheiten vorzubeugen, wie Hautreizungen, Pilzinfektionen oder Entzündungen.

Potenziell gefährliche, unsichtbare Mikroorganismen werden aus Haut und Haaren entfernt; auf einer sauberen, gut abgetrockneten Haut können sich Pilze weniger gut ausbreiten und eine regelmäßige, sanfte Pflege kann zudem die Gefahr von Wundliegen Ihres pflegebedürftigen Angehörigen verringern.

Darüber hinaus sollten Sie unbedingt auf eine gute Händehygiene achten. Sie ist eine recht einfache und wirksame Methode, um die Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern und so sich und Ihre Familienmitglieder vor Infektionen zu schützen. Bedenken Sie: Ihre Hände können schnell mit möglicherweise infektiösen Mikroorganismen in Berührung kommen, etwa beim Naseputzen, Streicheln von Haustieren oder bei der Essenszubereitung.

Händehygiene kann neben dem Händewaschen und der Hautpflege in manchen Fällen auch die Desinfektion und das Tragen von Schutzhandschuhen umfassen.

Wann Händewaschen? Wann Hände desinfizieren

In welchen Fällen Sie Ihre Hände waschen sollten, und wann eine Desinfektion notwendig ist, lesen Sie in unserem Artikel „Händehygiene für pflegende Angehörige einfach erklärt“ . Dort finden Sie auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung , wie Sie beim Waschen oder Desinfizieren richtig vorgehen.

Bedeutung: Hygiene im Haushalt

Auch die Hygiene im Haushalt ist kein Luxus, sondern von zentraler Bedeutung für die Vermeidung von Krankheiten, denn gerade in der Küche können sich Keime schnell verbreiten.

Auf was beim Umgang mit Lebensmitteln achten?

Zunächst kommt es auf die richtige Lagerung von Lebensmitteln an. Milchprodukte gehören oben oder in die Tür vom Kühlschrank, Wurst und Käse in die Mitte, rohes Fleisch und Fisch nach unten, Obst und Gemüse gehören getrennt ins Gemüsefach, und nicht vergessen: Der Kühlschrank sollte regelmäßig mit warmem Wasser und etwas Essig gereinigt werden. Trockene Vorräte wie Mehl oder Reis wiederum verwahren Sie idealerweise an einem kühlen, trockenen Ort.

Beim Kochen von Bedeutung: Fleisch, Fisch und Eier immer gut durchgaren, und für rohe und gegarte Lebensmittel am besten unterschiedliche Bretter und Messer verwenden.

Häufige Verwirrung stiften zwei verschiedenen Daten, die auf ein Produkt gedruckt sein können: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bedeutet, dass das Produkt mindestens bis zu diesem Tag seine Qualität behält. Es darf daher auch danach noch gegessen werden, wenn es gut aussieht, riecht und schmeckt.

Das Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis“) steht dagegen auf leicht verderblichen Lebensmitteln wie Hackfleisch, Geflügel oder Fisch. Ist dieses Datum abgelaufen, sollten Sie das Produkt nicht mehr essen, sondern entsorgen.

Was ist bei Oberflächen und der Wäsche wichtig?

Nach dem Essen heißt es: sauber machen. Arbeitsflächen und Spüle sollten Sie täglich wischen, Lappen und Handtücher sind häufig zu wechseln und heiß zu waschen (60 °C). Pflegebedürftige Menschen sollten immer separate Utensilien für die Körperhygiene benutzen, also eigene Handtücher und Waschlappen.

Putzlappen und Handtücher dürfen übrigens zusammen gewaschen werden, solange die Temperatur stimmt: bei Verwendung von Colorwaschmitteln muss die Temperatur mindestens 60 °C betragen, damit die Keime zuverlässig abgetötet werden. Wird ein Universal- oder Vollwaschmittel in Pulver-, Granulat- oder Tablettenform eingesetzt, reichen 40 °C aus (feste Vollwaschmittel enthalten Bleichmittel, die über eine höhere Waschkraft verfügen).

Gegenstände, die ständig berührt werden – wie Lichtschalter, Fernbedienungen oder Türklinken – sollten mindestens einmal pro Woche mit einem leicht feuchten Tuch und normalem Haushaltsreiniger abgewischt werden. Die Bettwäsche sollten Sie mindestens einmal pro Woche wechseln und bei 60 °C waschen (bei Verschmutzungen gern öfter). Bitte auch an die regelmäßige Leerung des Mülls denken. Denn niemand fühlt sich wirklich wohl in einer ungepflegten Umgebung, und für kranke Menschen gilt dies genauso: Frische Luft und ein aufgeräumtes Umfeld haben eine besondere Bedeutung. Sie wirken beruhigend und fördern das Wohlbefinden. Damit dies gelingt, lohnt es sich, die Räume mehrmals am Tag kurz kräftig zu lüften.

Und schließlich: Eine saubere Kleidung hilft dabei, sich einfach frischer und damit wohler zu fühlen.

Mit all diesen relativ einfachen Maßnahmen schaffen Sie ein sauberes, angenehmes Umfeld, in dem sich alle wohler fühlen. Wichtig zu wissen ist aber auch: Hygiene (sei sie noch so penibel) ist kein absolutes Schutzschild, sondern ein Werkzeug: Sie verringert das Risiko zu erkranken, kann Sie aber nicht vollständig vor Krankheiten schützen.

Kennen Sie schon unsere kostenlosen Online-Pflegekurse?
Illustration_Hygiene_zuhause
Module: 3
Dauer: 90 Minuten
Hygiene zu Hause
Hygiene spielt eine bedeutsame Rolle in der häuslichen Pflege: Sie schützt vor Krankheiten und schafft ein Umfeld, in dem sich alle Beteiligten wohlfühlen. Dazu gehört mehr als Körperpflege. Auch Sauberkeit im Wohnbereich und ein sorgfältiger Umgang mit Lebensmitteln sind essenziell. Ein gepflegtes Zuhause trägt zur Lebensqualität bei – für pflegende Angehörige wie für pflegebedürftige Menschen.

Badehäuser, Pest und Puderquasten: Eine kurze Geschichte zur Hygiene in Europa

Die Antike hat vor allem dank der Römer einen guten Ruf, was Hygiene angeht. So sorgte eine durchdachte Infrastruktur beispielsweise für Frischwasserzufuhr in Badehäusern, und sogar Abwassersysteme waren vorhanden. Doch das galt eben nicht für alle: Viele konnten sich Badehäuser nicht leisten, Trinkwasser war häufig stark verschmutzt, und auf der Toilette teilten sich die Bewohner eines Wohnhauses oft einen „Schwamm für alle“.
Nach dem Untergang Roms verschwand auch die Badekultur. Exkremente flogen auf die Straße, und wer sich wusch, wurde von der Kirche gerne als Sünder verdächtigt. Kein Wunder, dass Krankheiten leichtes Spiel hatten – etwa die Pest, die im 14. Jahrhundert ein Drittel der Bevölkerung Europas auslöschte.

Auch im 18. Jahrhundert galt Wasser immer noch als gefährlich (diesmal aus medizinischen Gründen: „Das Baden erschöpft den Körper“, schrieb der Arzt Théophraste Renaudot, „und schwemmt ihn auf, was ihn empfindlich macht für die Einwirkungen der schlechten Luft“). Daher wurde die Idee geboren, die vor Schmutz starrende Haut lieber mit Puder und Parfum zu versiegeln.

Die ersten positiven Entwicklungen hinsichtlich einer allgemeinen Hygiene waren erst ab dem 19. Jahrhundert zu beobachten. So fiel Ignaz Semmelweis in Wien auf, dass Mütter starben, wenn Ärzte ohne Händewaschen von der Pathologie (wo die Leichen untersucht wurden) auf die Geburtsstation wechselten. Seine Idee: Chlorkalk (eine aggressive Lösung, die Keime entfernt) für alle! Die Sterblichkeit sank dramatisch (binnen zwei Monaten von 17 auf 1,2 Prozent), doch seine Kollegen erklärten ihn für verrückt. Erst nach seinem Tod wurde nachgewiesen, wie recht er hatte: Denn erst dann wurden – unter anderem von Louis Pasteur – die Bakterien nachgewiesen, die er als „unsichtbare Substanz“ bezeichnet hatte.

Der Mediziner und Apotheker Max von Pettenkofer wiederum machte Hygiene erstmals zur wissenschaftlichen Disziplin und sorgte dafür, dass bis zum Jahr 1900 fast 80 Prozent der Münchner Bevölkerung an die Kanalisation angeschlossen war. Zeitgleich fanden Robert Koch, Louis Pasteur und Joseph Lister heraus, dass winzige Erreger (heute überall als Bakterien und Viren bekannt) die eigentlichen Verursacher von Krankheiten waren – und wie man sie bekämpft.

Eine große Waffe in diesem Kampf wurde 1939 von Alexander Fleming entdeckt: Schimmelpilz tötet Bakterien! So entstand Penicillin, das erste Antibiotikum.

Exkurs Japan: Reinheit ist Respekt

Während Europa im Mittelalter also eher müffelte als badete, war Sauberkeit in Japan schon seit Jahrtausenden Teil des Alltags und auch der Spiritualität. Bereits im 6. Jahrhundert galten rituelle Waschungen (Misogi) im Shintō-Glauben als Weg zur inneren und äußeren Reinheit. Wasser war dort also nicht nur nützlich, sondern sogar heilig.

Später entstanden die ersten öffentlichen Badehäuser, und auch heute gehört das tägliche Bad (meist am Abend) fest zur japanischen Routine: erst gründlich waschen und dann entspannen im heißen Wasser. Hygiene war und ist in Japan Teil einer Kultur, die Reinheit mit Respekt verbindet.

Seife aus Syrien

Ein wichtiger Bestandteil der Hygiene kommt übrigens aus dem arabischen Raum: Schon im 7. Jahrhundert kombinierten dortige Alchimisten tierische Fette oder Olivenöl mit Lauge und Duftstoffen und entwickelten so die Vorläufer der festen Seife, wie wir sie heute kennen. Von Syrien aus (besonders aus Aleppo) trat die duftende Substanz ihren Siegeszug an: erst über Spanien nach Europa, dann in die ganze Welt.

Heute erscheint uns Hygiene selbstverständlich, und Händewaschen gehört zum täglichen Leben. Aber dahinter steckt eine Jahrtausende währende Geschichte aus Gestank, Gefahren – und genialen Geistesblitzen, die bis heute von enormer Bedeutung sind.

E-Paper: Hygiene zu Hause

In diesem kostenfreien E-Paper erhalten Sie neben Grundlagenwissen zu Bedeutung und Bereichen der Hygiene insbesondere praktische Tipps für Ihren Pflegealltag.

„Mit Auswahl von ‚Download anfordern‘ erhalten Sie die Übersicht als Download an die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.
Hat Ihnen der Beitrag weitergeholfen?
Warum ist dieser Artikel nicht hilfreich?(erforderlich)
Je konkreter Ihre Kritik, desto besser können wir unsere Inhalte für Sie aufbereiten.