Antibiotika: Was Sie bei der Einnahme beachten sollten

Antibiotika: Was Sie bei der Einnahme beachten sollten

Antibiotika sind grundsätzlich sehr effektiv gegen Infektionen, die von Bakterien ausgehen, und werden entsprechend häufig eingesetzt. Leider sind mittlerweile aber immer mehr Bakterien resistent gegen Antibiotika, wozu auch wir Patientinnen und Patienten beitragen. Ein anderes Problem sind die potenziellen Nebenwirkungen vor allem im Magen-Darm-Trakt. Beide Aspekte sollten bei der Einnahme beachtet werden.

Antibiotika-Einnahme: Eine ältere Dame sitzt aufrecht und hält eine Tablette in der einen Hand, ein Glas Wasser in der anderen.
GettyImages/Israel Sebastian
Inhaltsverzeichnis
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    Zwei Dinge sind bei der Einnahme von Antibiotika zu beachten: erstens das Risiko von Resistenzen so gering wie möglich zu halten, damit bakterielle Infektionen auch in Zukunft gut behandelbar sind, und zweitens, den Darm zu unterstützen, da in diesem Bereich Nebenwirkungen auftreten können.

    Was sind Resistenzen?

    Resistenz bezeichnet die Widerstandsfähigkeit eines Lebewesens oder Organismus. Bakterien werden als resistent bezeichnet, wenn sie widerstandsfähig und damit unempfindlich gegen ein Antibiotikum sind. Das Antibiotikum bleibt also bei einer Infektion mit diesem Bakterium wirkungslos. Besonders gefährlich sind Bakterien, die gleich gegen mehrere Antibiotika resistent sind; sie werden als „multiresistente“ Bakterien bezeichnet. In Europa sterben jährlich zigtausende Patientinnen und Patienten an resistenten Bakterien, weil Antibiotika nicht mehr wirken.

    Mehr zu Ursprung, Wirkung und Problemen von Antibiotika lesen Sie in unserem Übersichtsartikel „Antibiotika: Ursprünge, Wirkung, Resistenzen„.

    Resistenzbildung verhindern: Alles nach Vorschrift

    Das Risiko von Resistenzen lässt sich am besten vermindern, indem die Antibiotika streng nach Vorschrift eingenommen werden: also nicht zu kurz (auch wenn sich die Symptome bereits stark verbessert haben oder sogar schon verschwunden sind) und in der richtigen Dosierung. Auch sollten keine Reste aufgehoben und keine „übriggebliebenen“ Antibiotika von Freunden oder Verwandten eingenommen werden.

    Und auch ganz wichtig: Übriggebliebene Antibiotika niemals über die Toilette entsorgen, da die enthaltenen Stoffe im Abwasserkreislauf landen und so Mensch und Umwelt schaden können. Am besten werden Antibiotika über die Schadstoffsammlung entsorgt. Manche Apotheken nehmen nicht verbrauchte oder abgelaufene Antibiotika und Medikamente auch zurück.

    Als weitere Maßnahme, um Resistenzen zu vermindern, gilt auch, Infektionen und damit Antibiotika überhaupt zu vermeiden. Hier sind die seit der Coronapandemie sattsam bekannten Hygieneregeln wirksam: etwa gegen Grippe impfen lassen, häufig Hände waschen, in die Armbeuge husten und Räume mehrmals täglich lüften.

    Was gilt sonst noch bei der Antibiotika-Einnahme?

    Grundsätzlich ist bei der Einnahme von Antibiotika Folgendes zu beachten:

    • Antibiotika immer so einnehmen, wie verschrieben.
    • Antibiotika nicht mit Milch einnehmen, da dadurch die Aufnahme des Antibiotikums beeinträchtigt und die Wirkung vermindert werden kann. Daher sollten zwischen Verspeisen von Milch und Milchprodukten und der Einnahme des Antibiotikums mindestens zwei Stunden liegen.
    • Die Sonne meiden, da die Haut während der Einnahme mancher Antibiotika sehr sensibel reagieren kann.
    • Während der Antibiotika-Therapie keinen Sport treiben und keinen Alkohol zu sich nehmen, um den Körper maximal zu schonen.

    Um die Einnahme speziell für Senioren oder vorbelastete Menschen erträglicher zu gestalten, sind zudem die folgenden Tipps nützlich:

    • Tabletten in aufrechter Position und mit genügend Wasser schlucken.
    • Tabletten möglichst nicht zerkleinern (sie schmecken sehr bitter).
    • Den Kopf beim Schlucken nicht in den Nacken legen, denn das könnte Brechreiz auslösen.

    Antibiotika: Grundsätzliches und Spezielles

    Was Sie bei der Einnahme von und im Umgang mit Antibiotika beachten sollten - das Wesentliche auf einen Blick.

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    Antibiotika-Nebenwirkungen vermeiden: Darm unterstützen

    Im Darm tummeln sich Milliarden nützlicher Bakterien, in ihrer Gesamtheit als „Darmflora“ oder auch „Mikrobiom“ bekannt. Die Bakterien helfen dabei, die Nahrung zu verdauen, sie produzieren Vitamine und trainieren das Immunsystem und können über Nervenbahnen außerdem mit dem Gehirn kommunizieren. Zusätzlich verdrängen sie allein durch ihre Anwesenheit krankheitserregende Artgenossen und helfen daher, Krankheiten zu vermeiden.

    Ganz neu ist die Erkenntnis, dass das Mikrobiom mit der Leber in Verbindung steht und dort beim Abbau von Schadstoffen hilft.

    Antibiotika unterscheiden allerdings bedauerlicherweise nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien. Eine Behandlung mit Antibiotika zerstört daher leider auch einen Großteil der nützlichen Bakterien im Darm. Die Folgen: Bis zu 50 Prozent der unerwünschten Wirkungen von Antibiotika machen sich im Magen-Darm-Trakt bemerkbar.

    Senioren und Pflegebedürftige stärker von Antibiotika-Nebenwirkungen betroffen

    Nachdem Senioren und vorbelastete oder pflegebedürftige Menschen aufgrund der Alterung beziehungsweise Schwächung des Immunsystems häufiger und schwerer an Infektionen erkranken als jüngere Menschen, erhalten sie auch relativ häufig Antibiotika. Diese haben zwar bei Senioren normalerweise keine anderen Nebenwirkungen als bei Jüngeren, die Beschwerden können aber öfter und stärker auftreten. Besonders häufig sind Übelkeit und Erbrechen, Blähungen und Diarrhö, sowie Bauchschmerzen und Geschmacksstörungen.

    Diese Nebenwirkungen sind übrigens ist nicht nur auf die Schädigung der normalen Mikrobioms zurückzuführen, sondern auch auf die Wirkstoffe selbst: Bestimmte Antibiotika können beispielsweise die Bewegungen des Darms steigern und so Bauchschmerzen auslösen.

    Treten diese Beschwerden auf, ist es sehr wichtig, die Therapie nicht nach eigenen Vorstellungen abzuändern oder gar abzubrechen, sondern mit Arzt oder Ärztin das weitere Vorgehen abzuklären.

    Probiotika: Gut für Darmschleimhaut und Immunzellen

    Bereits während der Antibiotika-Einnahme lässt sich der Darm tatkräftig unterstützen: Sogenannte Probiotika wie Naturjoghurt, Kefir oder Buttermilch, aber auch (frisches) Sauerkraut aus dem Kühlregal und anderes fermentiertes Gemüse oder ein Schluck Apfelessig sollten nun täglich auf dem Speiseplan stehen. Probiotika enthalten lebensfähige Mikroorganismen wie etwa Milchsäurebakterien und Hefen, die den krankmachenden Bakterien im Darm entgegenwirken, bei der Regeneration der Darmschleimhaut helfen und die Immunzellen stimulieren.

    Probiotika sind übrigens auch in Pulver- oder Kapselform in der Apotheke, im Drogeriemarkt oder als probiotische Produkte (Joghurts, Drinks) im Supermarkt erhältlich. Empfohlen wird, Probiotika-Präparate mit vielen verschiedenen Keimen in hoher Dosierung einzunehmen, und einfach auszuprobieren, welches am besten wirkt.

    Probiotische Präparate sind am besten zeitgleich mit dem Start der Antibiotika-Behandlung einzunehmen, spätestens nach zwei Tagen. Außerdem sollten zwischen Probiotika und Einnahme der Antibiotika mindestens zwei Stunden liegen, sonst hebt das Antibiotikum die Wirkung des Probiotikums wieder auf, weil die probiotischen Bakterien ebenfalls abgetötet werden.

    Nach der Antibiotika-Kur ist es übrigens zu spät für probiotische Präparate: In diesem Fall wird die Regeneration des Mikrobioms nicht beschleunigt, sondern möglicherweise sogar verzögert.

    Präbiotika: Nahrung für die Probiotika

    Die gute Nachricht bei der Antibiotika-Einnahme ist, dass sich der Darm – nach einigen Wochen bis Monaten – auch wieder erholen kann. Dafür sind Präbiotika hilfreich, die als Nahrung für die Probiotika fungieren, allen voran unlösliche Ballaststoffe, die als wichtigste Lebensgrundlage für ein gesundes Mikrobiom gelten.

    Zu den Lebensmitteln, die Präbiotika enthalten, zählen Vollkornprodukte, Haferflocken, Äpfel, Gemüse (vor allem Wurzelgemüse wie Zwiebeln und Karotten, aber auch Chicorée und Schwarzwurzel), Linsen und Bananen. Kartoffeln und Reis wiederum sollte man nach dem Kochen zuerst erkalten lassen und dann erst wieder erhitzen, denn erst bei der Abkühlung entsteht die von Darmbakterien äußerst geschätzte sogenannte „resistente Stärke“.

    Ernährung: Je bunter, desto besser

    Grundsätzlich gilt: Je vielfältiger die Ernährung mit Gemüse- und Obstsorten, desto vielfältiger und daher auch widerstandsfähiger ist das Mikrobiom.

    Die Expertenempfehlung lautet, sich nach einer Antibiotikakur mindestens vier Wochen lang bewusst darmfreundlich zu ernähren. Aber nachdem das Mikrobiom mittlerweile als dermaßen wichtig für die Gesundheit des Menschen insgesamt gilt, wäre es vielleicht sogar eine gute Idee, diese Ernährungsform grundsätzlich einzuführen – auch, um der nächsten erforderlichen Antibiotikagabe so gut wie möglich gewappnet zu sein.

    Grundsätzliches zu den Ursprüngen und der Wirkung von Antibiotika lesen Sie in unserem Übersichtsartikel „Antibiotika: Ursprünge, Wirkung, Resistenzen„.

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