Akute Wunden entstehen plötzlich durch äußere Einwirkung. Sie heilen bei richtiger Behandlung in der Regel innerhalb weniger Tage bis Wochen wieder ab. Dazu gehören:
- Schnittwunden, etwa durch Messer, Scheren oder Rasierer
- Schürfwunden, die durch Stürze oder Reibung entstehen
- Riss- oder Platzwunden, häufig bei Stößen gegen harte Gegenstände
- Verbrennungen und Verbrühungen, z. B. durch heiße Flüssigkeiten, Berühren heißer Gegenstände oder Dampf
- Verätzungen, verursacht durch chemische Substanzen wie Reinigungsmittel
Im Gegensatz dazu stehen chronische Wunden wie Dekubitus oder das diabetische Fußsyndrom. Sie benötigen meistens eine dauerhafte Behandlung, da sie immer wieder aufbrechen und selten vollständig abheilen.
Wie kommt es zu akuten Wunden?
In der häuslichen Pflege entstehen Wunden oft in ganz alltäglichen Situationen:
- Ein Sturz beim Aufstehen, auf dem Weg zur Toilette oder im Bad
- Eine kleine Unachtsamkeit beim Schneiden von Lebensmitteln
- Heißes Wasser oder Tee, der verschüttet wird
- Der Kontakt mit aggressiven Putzmitteln beim Reinigen
Die Haut älterer oder kranker Menschen ist oft dünner, trockener und empfindlicher. Schon leichte Verletzungen können daher stärker bluten oder schlechter heilen. Auch bestimmte Vorerkrankungen wie Leukämie oder spezielle Medikamente wie Aspirin oder Heparin können zu einer stärkeren Blutung führen.
Ist Ihr Angehöriger an Demenz erkrankt, sollten Sie täglich prüfen, ob es während Ihrer Abwesenheit zu Verletzungen gekommen ist. Menschen mit dieser Erkrankung haben häufig ein vermindertes Schmerzempfinden und vergessen Vorfälle, die zu Verletzungen geführt haben. Eine zeitnahe Versorgung eventuell bestehender Wunden ist dennoch wichtig, um Infektionen zu vermeiden.
Wie sehen akute Wunden aus?
Je nach Art der Verletzung kann eine Wunde sehr unterschiedlich aussehen. Typische Anzeichen sind:
- Rötung, Blutung, Schmerz
- Bei Schürfwunden: großflächige Hautabschürfungen mit nässender Oberfläche
- Bei Schnittwunden: glatte Wundränder, bei größeren Wunden auseinanderklaffend
- Bei Verbrennungen: Rötung, Blasenbildung, starke Schmerzen
- Bei Verätzungen: weiße oder gelbliche Hautstellen, die bluten oder nässen können oder Bläschen bilden
So leisten Sie Erste Hilfe bei akuten Wunden zu Hause
Der Schreck ist oft groß, wenn es zu einer Wunde mit Blut und Schmerzen kommt. Auch wenn es schwerfällt – versuchen Sie, den Überblick zu behalten und Ihren verletzten Angehörigen zu beruhigen. Gehen Sie Schritt für Schritt vor:
1. Sicherheit herstellen
Sorgen Sie zuerst dafür, dass keine weitere Gefahr besteht, etwa durch scharfe Gegenstände, heißes Wasser oder Chemikalien. Helfen Sie Ihrem Familienmitglied, sich hinzusetzen oder hinzulegen.
2. Blutstillung und Reinigung
- Kleine Wunden, die leicht bluten: Üben Sie mit einem sauberen, am besten sterilen Tuch oder einer Kompresse leichten Druck aus, bis die Blutung nachlässt. Dies sollte nach spätestens 10 Minuten der Fall sein.
- Danach spülen Sie die Wunde mit lauwarmem, sauberem Leitungswasser vorsichtig ab, um Schmutz und Bakterien zu entfernen.
o Geben Sie keine alkoholhaltigen oder stark desinfizierenden Mittel direkt auf die Wunde. Sie brennen unangenehm, reizen die Haut und verzögern die Heilung.
o Ist die Wunde stark verunreinigt, beispielsweise durch Erde oder Splitter, sollten Sie sie nur oberflächlich reinigen und zur weiteren Behandlung eine Arztpraxis aufsuchen.
3. Desinfektion
Nutzen Sie ein farbloses, hautfreundliches Wunddesinfektionsmittel aus der Apotheke. Es brennt und verklebt die Wunde nicht, aber tötet Bakterien ab.
4. Abdeckung der Wunde
- Kleine Wunden: Nach der Desinfektion können Sie ein atmungsaktives Pflaster aufkleben. Achten Sie darauf, dass es deutlich größer ist als die Wunde, damit es nicht zu Verklebungen kommt.
- Größere oder nässende Wunden: Decken Sie diese mit einer sterilen Kompresse und einer Mullbinde ab. Wickeln Sie den Verband nicht zu eng.
- Wechseln Sie den Verband anfangs mindestens täglich. Achten Sie darauf, dass er nicht mit der Wunde verklebt.
5. In den Folgetagen
Wechseln Sie weiterhin regelmäßig das Pflaster oder den Verband und beobachten Sie die Wunde. Alarmzeichen für eine Verschlechterung sind:
- Zunehmende Rötung oder Schwellung
- Auftreten von Eiter, Wärme oder einem unangenehmen Geruch
- Wiederauftretende oder zunehmende Schmerzen
- Erhöhte Temperatur oder Fieber
Das sind Warnzeichen für eine Infektion. In diesem Fall sollten Sie – je nach Ausprägung der Symptome – eine Hausarztpraxis oder Notaufnahme aufsuchen oder einen Rettungswagen anfordern.
Ob eine Salbe aufgetragen werden sollte, hängt von der Art und dem Zustand der Wunde ab. Frische, offene Wunden, etwa nach einem Schnitt oder einer Schürfung, sollten zunächst nicht mit Fett- oder Heilsalben behandelt werden. Sie könnten die Wunde verschließen und Keime einschließen.
Erst wenn sich neues Gewebe bildet und die Wunde zu heilen beginnt, kann eine spezielle Wund- oder Heilungssalbe, z. B. mit Dexpanthenol oder Zink, helfen, die Haut geschmeidig zu halten und den Heilungsprozess zu unterstützen.
Vermeiden Sie Hausmittel wie Ringelblumensalbe, Jod oder alkoholhaltige Tinkturen, sie können die empfindliche Haut reizen oder die Heilung sogar verzögern. Im Zweifel fragen Sie lieber in der Apotheke oder bei der Hausarztpraxis nach, welches Präparat für die jeweilige Wunde geeignet ist.
Verbrennungen und Verätzungen
Verbrennungen und Verätzungen sind oft besonders schmerzhaft und benötigen lange, bis sie heilen. Umso wichtiger ist die richtige Wunderversorgung, die sich etwas von anderen Wunden unterscheidet.
Verbrennungen
- Halten Sie die betroffene Stelle 10 bis 15 Minuten unter kühles bis lauwarmes Wasser. Vermeiden Sie eiskaltes Wasser oder aufgelegte Kühlpacks direkt auf der Wunde, um Unterkühlungen und Verklebungen zu vermeiden.
- Entfernen Sie vorsichtig Kleidung, sofern sie nicht festklebt.
- Keine Cremes, Öle oder Hausmittel, wie z. B. Mehl oder Zahnpasta auftragen. Diese können infektiös wirken.
- Bilden sich Blasen, öffnen Sie diese nicht. Sie schützen die darunterliegende Haut.
- Bei großflächigen oder tieferen Verbrennungen sollten Sie immer einen Rettungswagen unter der 112 anfordern.
Verätzungen
- Spülen Sie die betroffene Stelle mindestens 10 Minuten unter handwarmem Wasser.
- Wenn Sie wissen, welche Substanz die Verätzung verursacht hat, notieren Sie diese oder machen Sie ein Foto von der Verpackung und den Inhaltsstoffen, um sie später den Ärzten mitteilen zu können.
- Versuchen Sie nicht, mit Hausmitteln wie Lauge die Substanz zu neutralisieren. Das kann zu einer Verschlechterung führen.
- Bei großflächigen Verätzungen rufen Sie am besten den Notruf unter der 112.

Die Wund-Ampel
Was Sie im Fall einer akuten Wunde zu Hause tun können und wann Sie zum Arzt gehen oder sogar den Notruf wählen sollten.
Wann den Notarzt rufen?
Fordern Sie einen Rettungswagen immer dann an, wenn bei Ihrem Angehörigen
- die Blutung stark oder anhaltend ist.
- die Wunde sehr tief und/oder stark klaffend ist.
- eine Verbrennung oder Verätzung großflächig oder im Gesicht auftritt.
- Ihr Angehöriger Kreislaufprobleme bekommt.
Gerade bei älteren und vorerkrankten Menschen kann schon eine kleine Wunde schnell größere Probleme bereiten. Auch Rettungsteams wissen das und kommen lieber einmal zu oft als einmal zu wenig vorbei.
Wann genügt der Besuch beim Hausarzt?
Nicht immer ist es nötig, einen Rettungswagen zu rufen. Manchmal genügt auch der zeitnahe Besuch in der Hausarztpraxis, z. B. wenn
- die Wunde stark verschmutzt ist.
- Ihr Angehöriger unter Diabetes leidet, Blutgerinnungsstörungen oder eine Immunschwäche hat.
- der Tetanusschutz unklar oder älter als 10 Jahre ist.
- die Wunde Anzeichen einer Entzündung zeigt.
Auch kleine Wunden können gefährlich werden, wenn sich Bakterien im Körper ausbreiten. Eine Sepsis (Blutvergiftung) ist eine schwere Infektion, die lebensbedrohlich sein kann, besonders für ältere oder geschwächte Menschen. Warnzeichen sind u. a. Fieber, Verwirrtheit und eine flache Atmung. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Angehöriger eine Sepsis entwickelt, rufen Sie sofort den Notarzt. Mehr zur Sepsis lesen Sie in unserem Artikel „Sepsis – wie Sie sie frühzeitig erkennen“.
Sicherheit durch Vorbereitung
Legen Sie sich eine kleine Erste-Hilfe-Box für zu Hause an. Sie können sie entweder selbst zusammenstellen oder als fertiges Set kaufen. Enthalten sein sollten:
- Sterile Kompressen, Pflaster in verschiedenen Größen
- Verbände und Tapes
- Elastische Binden, Wunddesinfektionsspray
- Einweghandschuhe
- Schere, Pinzette
Ihr letzter Erste-Hilfe-Kurs liegt schon länger zurück? Wie wäre es mit einer Auffrischung? Hier lernen Sie, wie Sie die verschiedenen Wunden fachgerecht versorgen und was im Notfall zu tun ist. Das gibt nicht nur Sicherheit bei der Pflege Ihres Angehörigen, sondern kann auch bei Unfällen im Haushalt oder im Straßenverkehr nützlich sein.
