Wundversorgung: Wenn die Wunde nicht heilt

 

Wund heilt nicht

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Eine Wunde ist ein komplexes Krankheitsbild, bei dem es bei einer unsachgemäßen Versorgung zu Komplikationen in Form einer chronischen Wunde kommen kann. Mit der Behandlung der Ursachen, dem richtigen Material, einer angepassten Hautpflege und einer ausgewogenen Ernährung kann man dem jedoch vorbeugen.

Eine Wunde entsteht durch eine Schädigung der Haut. Häufige Auslöser sind Abschürfungen, Schnittverletzungen oder Verbrennungen. Aber auch Erkrankungen wie Durchblutungs- oder Stoffwechselstörungen, zum Beispiel Diabetes mellitus, sowie ein lang anhaltender Druck auf eine bestimmte Körperregion können ein Druckgeschwür, einen sogenannten Dekubitus, hervorrufen. Auch ein schlechter Ernährungszustand kann Wunden verursachen oder deren Abheilung erschweren. Meist heilen Wunden von allein ab. Wenn eine Wunde in einem Zeitraum von bis zu zwölf Wochen keinen deutlichen Heilungsfortschritt zeigt, spricht man von einer chronischen Wunde.

Prinzipien der Wundversorgung

Traditionell werden Wunden mit Kompressen oder entsprechenden Pflastern versorgt, die vorrangig Feuchtigkeit aufnehmen. Diese Materialien haben jedoch Nachteile:

  • Austrocknen der Wunde mit daraus folgender Verzögerung der Wundheilung
  • anklebende Verbandstoffe verursachen Schmerzen beim Verbandwechsel
  • Schorfbildung, die das Abheilen der Wunde behindert
  • Infektion durch Eindringen von Keimen in die Wunde

Verbandstoffe sind dazu bestimmt, Wunden oder kleine Hautverletzungen schützend oder polsternd abzudecken und austretende Körperflüssigkeit aufzusaugen. Zudem dienen sie manchmal als Trägermaterial für Wirkstoffe, wie Schmerz- oder Wunddesinfektionsmittel.

Die Zellen, die für die Abheilung einer Wunde sorgen, benötigen ausreichend Feuchtigkeit, um mobil zu sein und so in jede Ecke der Wunde gelangen zu können. Dieses Prinzip bezeichnet man als moderne, feucht-warme Wundversorgung. Moderne Verbandstoffe gewährleisten neben der Aufnahme von Feuchtigkeit sowie einer Polster- und Schutzfunktion ein optimal feucht-warmes Wundklima.

Traditionelle Verbandstoffe

Hierzu gehören Produkte wie

  • Kompressen
  • Binden
  • Klebevliese
  • Pflaster
  • Heft- oder Rollenpflaster zum Befestigen von nicht haftenden Verbandmaterialien

Moderne Verbandstoffe

Diese Produkte halten die Wunde warm und feucht, um so ein optimales Milieu für die Wundheilung zu gewährleisten. Hierzu zählen beispielsweise

  • Hydrokolloidverbände
  • Alginate
  • Hydrogele
  • Schaumverbände
  • Folienverbände

Gegen Vorlage des Rezeptes sind die verordneten Produkte in Apotheken, bei Homecare-Unternehmen oder in Sanitätshäusern erhältlich. Jede Wunde ist steril (keimfrei) zu behandeln, da Keime die Heilung behindern und in einigen Fällen unmöglich machen oder Infektionen auslösen können. Die Wunde ist zwar auch nicht steril, doch dürfen keinesfalls zusätzlich körperfremde Keime eingeschleppt werden.

Umgang mit den Materialien

  • Vor Anwendung ist immer das Verfallsdatum zu überprüfen.
  • Abgelaufene Produkte sind zu entsorgen und nicht weiterzuverwenden.
  • Verbandmaterial muss vor Hitze geschützt und trocken sowie staubfrei gelagert werden.
  • Viele Wundauflagen dürfen nicht zurechtgeschnitten werden, da dann zum Beispiel die Saugstruktur zerstört wird.
  • Die Packungsbeilage gibt vor, mit welcher Seite die Wundauflage auf die Wunde gelegt werden muss.
  • Materialien, die direkten Wundkontakt haben, müssen steril sein.
  • Dieses Zeichen auf der Verpackung bedeutet Einmalprodukt: Nach Anbruch darf es nicht weiterverwendet werden.

Tipp: Um Keimübertragungen zu vermeiden, sollten sich Haustiere während des Verbandwechsels nicht im Zimmer aufhalten.

Spüllösungen und Wunddesinfektionsmittel

Das regelmäßige Reinigen der Wunde beschleunigt die Heilung. Zum Einsatz kommen sterile Spüllösungen oder Wunddesinfektionsmittel. Leitungswasser ist hierfür nur geeignet, wenn spezielle Duschwasserfilter verwendet werden.

Ringer- und physiologische Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) sind nicht konserviert und deshalb direkt nach Anbruch zu verwerfen. Es gibt aber auch andere, konservierte Spüllösungen, die nach Anbruch weiterverwendet werden dürfen. Die Packungsbeilage informiert über die Verbrauchsfrist, die meist zwischen vier bis acht Wochen nach Anbruch liegt. Das Datum des Anbruchs kann mit einem wasserfesten Stift direkt auf der Flasche vermerkt werden.

Die Kosten für Wundspüllösungen und Wunddesinfektionsmittel werden generell nicht von der Krankenkasse übernommen. Das bedeutet, dass der Arzt diese Produkte nicht auf einem Kassenrezept verordnen kann und darf.

Hintergrund

Das 2002 gegründete Wundzentrum Hamburg e. V. ist ein überregionales Netzwerk und widmet sich der Zusammenarbeit von Ärzten, Pflegefachkräften und Therapeuten (z. B. Podologen und Lymphtherapeuten) in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Pflege von Menschen mit chronischen Wunden. Die Mitglieder organisieren sich in Arbeitsgruppen. Diese erstellen unter anderem interdisziplinäre und interprofessionelle Versorgungsstandards sowie Patienten- und Angehörigen-Broschüren, so auch die Broschüre „Wundwissen einfach – praktisch. Informationen für Betroffene und Angehörige“. Die Broschüre ist kostenfrei als PDF-Dokument über die Homepage des Wundzentrum Hamburg e. V., www.wundzentrum-hamburg.de (unter der Rubrik „Patientenbroschüren“), herunterzuladen.

Tipp: Unter Umständen können Ringerlösung und physiologische Kochsalzlösungen (NaCl 0,9%-Lösung) im Rahmen der Wundversorgung durch den behandelnden Arzt verordnet werden.

Schutz und Pflege der Haut

Wundrand und -umgebung sind durch Wundfeuchtigkeit, aber auch Körperausscheidungen wie Schweiß, Urin und Stuhl gefährdet. Die Klebeflächen von Wundauflagen können die Haut zusätzlich reizen. Eine angepasste Hautpflege ergänzt die Wundversorgung. Dadurch werden die Erhaltung oder Wiederherstellung der Hautschutzbarriere unterstützt und Komplikationen gemindert.

Empfehlenswerte Hautschutzmaßnahmen

  • Wasser-in-Öl-Emulsionen mit Feuchthaltefaktoren, wie Harnstoff (Urea), Kollagen oder Elastin, zum Beispiel bei trockener Haut und dünner Pergamenthaut
  • Schutz des Wundrandes vor Aufweichung (Mazeration) durch spezielle transparente Hautschutzfilmpräparate

Hinweis: Hautpflegeprodukte sind nicht verordnungs- und erstattungsfähig, das heißt, diese sind grundsätzlich selber zu erwerben.

Empfehlenswerte Hautpflegemittel

  • Harnstoff-Präparate: bei trockener, schuppiger und/oder juckender Haut (5%) sowie dicker Hornhaut (bis 10%)
  • Dexpanthenolpräparate: zum Beispiel zur Narbenpflege
  • Pflasterspray: zum Schutz frisch genähter Wunden, insbesondere in unmittelbarer Nähe einer Stomaanlage (Anus praeter)

Für die Hautpflege ungeeignet

  • Alkoholische Lösungen, zum Beispiel Franzbranntwein, reizen die Haut und trocknen sie aus.
  • Zu viel Seife und zu heißes Wasser (über 37 °C) entfetten die Haut und schädigen deren Säureschutzmantel.
  • Abdichtende Pasten führen zu einem Wärmestau und lassen keine Hautbeobachtung zu.
  • Fette und Öle, zum Beispiel Babyöl, Melkfett, verstopfen die Hautporen und behindern die Hautatmung.
  • Salben, Cremes, Zinkpasten nicht in offene Wunden reiben.
  • Zusatzstoffe, zum Beispiel Wollwachs, Parfum, ätherische Öle, Parabene, haben oft allergisches Potenzial.
  • Puder erzeugt Hautreizungen und trocknet die Haut aus.

Die Rolle der Ernährung

Die Ernährung unterstützt die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen und ist somit ein wichtiger Faktor für die Wundheilung. Fehlen dem Körper aufgrund einseitiger und unausgewogener Nahrung wichtige Nährstoffe, spricht man von Fehl- oder Mangelernährung. Diese entsteht beispielsweise durch eine fehlende oder geringe Aufnahme von Vitaminen, Eiweiß und Spurenelementen.

Die Nahrung sollte sich ausgewogen aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß sowie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zusammensetzen. Zusätzlich benötigt der Körper Wasser. Daher ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ausgewogene Ernährung zu achten, da diese den Stoffwechsel, die Durchblutung und somit die Wundheilung unterstützten. Regelmäßige körperliche Aktivität wie Spazierengehen oder Radfahren sind eine zusätzliche Unterstützung.

So können Sie den Heilungsprozess der Wunde unterstützen
  • Bei Diabetes ist der Blutzuckerspiegel regelmäßig zu überprüfen, um diese Krankheit optimal einzustellen und Wundheilungsstörungen vorzubeugen.
  • Tragen Sie atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle, Wolle oder Mikrofaser, die nicht einschnürt. Zu vermeiden sind Socken oder Strümpfe mit engen Bündchen sowie Miederhosen und Korsetts, da diese die Durchblutung stören beziehungsweise verringern.
  • Das Rauchen möglichst einschränken, da es Durchblutungsstörungen fördert.
  • Reduzieren Sie bestehendes Übergewicht.
  • Zur optimalen Schuhauswahl und -anpassung ist ein Besuch bei einem orthopädischen Schuhmacher angeraten.
  • Verzichten Sie auf hohe Absätze.
  • Achten Sie darauf, sich bewusst und ausreichend zu bewegen, zum Beispiel Treppen zu steigen, statt den Lift zu benutzen.
  • Auch kleine Übungen, wie mit dem Fuß kreisen oder auf- und abwippen, unterstützen die Durchblutung.

Der Artikel entstand auf Grundlage der Broschüre
„Wundwissen einfach – praktisch“ des Wundzentrum Hamburg e. V.

Weitere Informationen

Initiative Chronische Wunde e.V., www.icwunden.de
Wundzentrum Hamburg e.V., www.wundzentrum-hamburg.de

Über den Autor

Kerstin Protz ist gelernte Krankenschwester mit 25-jähriger Berufserfahrung, Referentin für Wundversorgungskonzepte und studierte Managerin im Sozial- und Gesundheitswesen.