Atemprobleme sind bei Pflegebedürftigen nicht unüblich. Im Alter ist das Immunsystem oft nicht mehr so schlagkräftig, und es kommt leichter zu Atemwegsinfektionen. Außerdem verliert die Lunge an Elastizität – das macht das Ausatmen schwerer. Doch nicht nur Alterungsprozesse begünstigen das „schwere“ Atmen. Atemprobleme entstehen oft durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Was passiert bei Atemproblemen im Körper?
Bei Atemproblemen versucht der Organismus, den Sauerstoffmangel auszugleichen: Die Atemfrequenz und -tiefe steigen und das Herz schlägt schneller, um den Sauerstoff zu den Organen zu transportieren. Länger anhaltender Stress löst die Freisetzung von Botenstoffen aus, die das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten und zu Engegefühl, Schwindel oder Unruhe führen können. Wenn Ihr Angehöriger bereits chronische Erkrankungen hat oder die Muskeln geschwächt sind, fallen diese Reaktionen stärker aus – selbst kleine Anstrengungen können Atemnot auslösen.
Was sind Ursachen für Atemprobleme?
Atemprobleme haben immer eine Ursache. Häufig hängen die Beschwerden mit chronischen Erkrankungen zusammen, doch manchmal tritt Atemnot auch ganz plötzlich auf. Wenn Sie die möglichen Auslöser kennen, fällt es Ihnen leichter, einzuschätzen, wann Hausmittel ausreichen und wann ein Arztbesuch oder sogar ein Klinikaufenthalt notwendig ist.
- Erkrankungen: Atemprobleme sind Begleiterscheinungen zahlreicher Erkrankungen. Sie können sich bei Infektionsgeschehen, etwa im Rahmen einer Bronchitis oder Lungenentzündung, zeigen. Dabei handelt es sich meist um akute Ereignisse. Manchmal sind Atemprobleme aber auch ständige oder wiederkehrende Beschwerden einer chronischen Erkrankung wie COPD, Asthma oder einer Herzschwäche. Ihr Angehöriger kann dabei leicht aus der Puste sein oder eine Atemnot entwickeln – das hängt von der Krankheitsschwere ab.
- Medikamente: Einige Medikamente, die Ihr Angehöriger einnimmt, können die Atmung direkt oder indirekt beeinträchtigen. Betablocker können die Atemwege verengen. ACE-Hemmer verursachen häufig Reizhusten. Antibiotika mit dem Wirkstoff Nitrofurantoin können ebenfalls zu Atembeschwerden führen. Wenn Ihr Angehöriger mehrere Medikamente gleichzeitig einnimmt, steigt das Risiko von Nebenwirkungen.
- Allergien: Allergische Reaktionen können die Atemwege anschwellen lassen. Wenn Ihr Familienmitglied plötzlich Atemnot, ein Engegefühl im Hals oder Heiserkeit entwickelt, kann dies ein Anzeichen für eine schwere allergische Reaktion sein – dann ist schnelles Handeln wichtig.
- Bewegungsmangel: Wenn Ihr Angehöriger sich wenig bewegt, baut die Atemmuskulatur ab und der Schleimtransport wird schlechter. Dadurch ist die Lunge wiederum anfälliger für Infekte. Ärzte raten zu einer regelmäßigen, altersgerechten Bewegung, um die Atemleistung zu stabilisieren.
- Schluckstörungen: Nach einem Schlaganfall oder wegen einer Demenz kann Ihr Angehöriger womöglich nicht mehr richtig schlucken. Dadurch kann bei einigen Pflegebedürftigen manchmal Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangen, was wiederum Husten, akute Atemnot oder eine Lungenentzündung auslösen kann.
Pflegebedürftige Menschen werden oft schon bei geringer Belastung schnell kurzatmig, das ist im Alter nicht ungewöhnlich. Echte Atemnot hingegen tritt auch in Ruhe auf, verschlimmert sich beim Sprechen oder Liegen und geht oft mit Angst und Beklemmungsgefühlen einher.
Wie äußern sich Atemprobleme bei Pflegebedürftigen?
Atemprobleme zeigen sich auf vielfältige Weise – selbst wenn die Ursache gleich ist, reagiert jeder Mensch unterschiedlich. Ihr Angehöriger kann über Kurzatmigkeit bei Ruhe oder Belastung klagen, stark husten oder ein Engegefühl in der Brust verspüren. Manchmal treten auch pfeifende Atemgeräusche (Giemen), ungewöhnlich schnelle Atmung oder rasselnde Geräusche beim Ein- oder Ausatmen auf.
Besonders bei Schwerst pflegebedürftigen Menschen bemerken Sie die Atemnot möglicherweise nicht sofort, weil sie sich nicht äußern können oder die Symptome schleichend auftreten. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Atmung Ihres Familienmitglieds regelmäßig beobachten – achten Sie auf Veränderungen bei Atemfrequenz, Atemtiefe oder -geräuschen.
Achtung: Begleiterscheinungen wie bläuliche Lippen oder Fingernägel (Zyanose), Unruhe, Schwindel, Schwitzen oder plötzliche Erschöpfung sind grundsätzlich Warnsignale, die Sie nicht aussitzen sollten.
Was hilft bei Atemproblemen?
Wenn Ihr Angehöriger kurzatmig ist, können Sie ihm mit einfachen Mitteln oft Erleichterung verschaffen. Diese Tipps ersetzen aber keine ärztliche Untersuchung, besonders bei chronischen Erkrankungen oder akuten Beschwerden.
- Sorgen Sie für frische, befeuchtete Luft: Öffnen Sie ein Fenster. So kommt frische Luft ins Zimmer. Ein Luftbefeuchter oder eine Schale mit Wasser kann die Atemwege zusätzlich etwas beruhigen. Beobachten Sie dabei, wie Ihr Familienmitglied reagiert – oft ist schon ein leichter Luftwechsel wohltuend.
- Machen Sie gemeinsam die Lippenbremse: Bitten Sie Ihren Angehörigen, langsam durch die Nase ein- und durch fast geschlossene Lippen auszuatmen. Das verlangsamt die Atmung, erleichtert das Ausatmen und reduziert das Engegefühl in der Brust.
- Setzen Sie Ihren Angehörigen aufrecht hin: Motivieren Sie Ihr Familienmitglied, sich aufrecht hinzusetzen oder lagern Sie Ihren Angehörigen mit leicht nach vorne geneigtem Oberkörper. Die Arme können auf Kissen abgestützt werden. Diese Position hilft der Lunge, sich besser zu entfalten und erleichtert das Atmen spürbar.
- Atmen Sie zusammen bewusst: Helfen Sie Ihrem Angehörigen, ruhig ein- und auszuatmen – nicht zu tief, lieber langsam und regelmäßig. Diese kleinen Atemübungen können die Lungenarbeit unterstützen und das Gefühl von Atemnot etwas lindern.
- Vermitteln Sie Ihrem Familienmitglied Ruhe und Sicherheit: Atemnot kann Angst machen, und Panik verschlimmert die Beschwerden. Sprechen Sie ruhig mit Ihrem Angehörigen, halten Sie seine Hand oder legen Sie eine beruhigende Hand auf die Schulter. Schon kleine Zeichen von Nähe und Sicherheit helfen, dass sich die Atmung stabilisiert.

Die Atem-Ampel
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Hausmittel, Arzt oder Krankenhaus – so verhalten Sie sich bei Atemproblemen richtig
Nicht immer ist sofort klar, was die Beschwerden auslöst – manchmal handelt es sich um harmlose Reizungen, manchmal um ernsthafte Erkrankungen. Wichtig ist, dass Sie die Atmung Ihres Angehörigen genau beobachten. Je nach Intensität der Atemprobleme und dem allgemeinen Wohlbefinden können Sie zunächst Hausmittel einsetzen, ärztlichen Rat einholen oder im Notfall direkt ins Krankenhaus gehen.
- Hausmittel: Wenn Ihr Familienmitglied nur leicht kurzatmig ist, ein bisschen hustet oder bei Belastung schneller außer Atem gerät, verschaffen die zuvor beschriebenen Hausmittel wie Lippenbremse, aufrechte Lagerung, frische Luft und sanfte Atemübungen oft Linderung. Beobachten Sie Ihren Angehörigen genau: Fühlt er sich wohler, beruhigt sich die Atmung und treten keine weiteren Symptome auf, können Sie diese Maßnahmen zunächst beibehalten.
- Arztpraxis: Wenn die Atembeschwerden plötzlich stärker werden, anhaltend sind oder zusätzlich Symptome wie pfeifende Atemgeräusche, starker Husten, Engegefühl in der Brust, ungewöhnliche Erschöpfung oder leichtes Fieber auftreten, sollten Sie umgehend ärztlichen Rat einholen. Auch bei bekannten chronischen Erkrankungen ist eine schnelle Abklärung wichtig, um Infekte, Verschlechterungen von COPD, Asthma oder Herzproblemen rechtzeitig zu behandeln – rufen Sie in der Arztpraxis an, um kurzfristig vorbeizukommen.
- Krankenhaus: Der Gang in die Notaufnahme ist unbedingt ratsam, wenn Ihr Angehöriger unter starker Atemnot leidet. Das erkennen Sie daran, dass er beim Sprechen nur noch wenige Worte schafft oder sich angsterfüllt die Brust hält. Auch bläulich verfärbte Lippen oder Fingernägel, ein getrübtes Bewusstsein und unaufhörlicher Husten sind ein dringlicher Warnhinweis. Zudem sprechen ein schlechtes Allgemeinbefinden und geschwollene Atemwege für die Vorstellung in der Notaufnahme. In diesen Situationen rufen Sie bitte umgehend den Rettungsdienst.