COPD: Mehr als „nur“ eine Raucherlunge

COPD_Raucherlunge

GettyImages/Nikola Ilic

Die Abkürzung COPD steht für „dauerhaft atemwegsverengende Lungenerkrankung“ und führt zu Symptomen wie Husten, Auswurf und Atemnot. Eine Heilung ist zwar nicht möglich, mit den derzeit verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten kann das Fortschreiten aber verlangsamt werden. Die wichtigste Maßnahme ist der Rauchstopp. 

Früher salopp als „Raucherlunge“ bezeichnet, ist die COPD (vom englischen Begriff: „chronic obstructive pulmonary disease“) eine nichtansteckende, fortschreitende Erkrankung der Lunge, die mit schwerwiegenden Folgen verbunden ist. 

Von Weintrauben zu Luftballonen 

Ausgangspunkt einer COPD sind in der Regel eingeatmete Schadstoffe, die vor allem durch aktives oder passives Rauchen in die Lunge geraten. Auch die Feinstaubbelastung in der Luft, schädliche Stäube oder Dämpfe am Arbeitsplatz können eine COPD auslösen.

Die Schadstoffe führen zu einer Entzündung der kleinen Atemwege, wogegen sich die Lunge durch eine vermehrte Schleimproduktion zu schützen versucht. Der Schleim wird normalerweise von den „Flimmerhärchen“ der Atemwege in Richtung Ausgang befördert, damit er abgehustet werden kann. Doch die Schadstoffe zerstören diese zarten Härchen. Die Folge: Der Schleim wird nicht mehr abtransportiert, er sammelt sich an, entzündet die Atemwege und engt sie ein. Das Lungengewebe reagiert auf die anhaltende Entzündung mit Narbenbildung, welche die Atemwege weiter einschnürt. Diese ständige Entzündung und Einengung („Obstruktion“) der Atemwege werden als „chronische Bronchitis“ bezeichnet, sie ist eines von zwei wesentlichen Merkmalen der COPD.

Die Einengung der Atemwege hat noch weitere Folgen. Sie behindert zwar nicht wesentlich das Einatmen, sehr wohl aber das vollständige Ausatmen der Atemluft. Deswegen verbleibt nach jedem Atemzug ein bisschen Restluft in den Lungenbläschen. Diese Luftmenge wird immer größer und größer, dadurch steigt der Druck in der Lunge langsam, aber unaufhaltsam an – und das wiederum führt zur „Überblähung der Lungenbläschen“, dem zweiten wesentlichen Merkmal der COPD.

Die Lungenbläschen sind kleinste, weintraubenförmige Verästelungen am Ende der Atemwege, die für den „Gasaustausch“ in der Lunge zuständig sind: Dabei wird der eingeatmete Sauerstoff über die Lungenbläschen ins Blut geleitet und kann dann die Gewebe im ganzen Körper versorgen, gleichzeitig wird schädliches Kohlendioxid ausgeatmet. Bei COPD sehen die Bläschen aber aufgrund der Überblähung mit Luft nicht mehr wie kleine Weintrauben aus, sondern eher wie Luftballone, was medizinisch „Emphysem“ genannt wird. Die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid sind dann gestört. 

 

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„Rosa Keucher“ und „blauer Aufgedunsener“

Der Körper reagiert auf die Verengung, die Veränderung der Lungenbläschen und die ständige Entzündung mit den drei typischen Symptomen:

  • Atemnot: zunächst bei Belastung, später auch in Ruhe
  • Husten, der im Zeitverlauf immer stärker wird
  • Auswurf, der im Verlauf der Erkrankung zäher wird und schwieriger abzuhusten.

Ärzte fassen diese Merkmale übrigens gerne als „AHA-Symptomatik“ zusammen.

Außerdem können sich aufgrund der verschlechterten Sauerstoffversorgung die Lippen oder Finger blau verfärben (der medizinische Fachausdruck dafür ist „Zyanose“), und es kommt häufig zu chronischer Müdigkeit.

Klassischerweise werden Betroffene je nach hauptsächlicher Symptomatik in zwei Erscheinungstypen unterteilt: Beim „rosa Keucher“ (Englisch: „pink puffer“) steht die Überblähung der Lunge im Vordergrund; für das Atmen muss daher sehr viel Energie aufgewandt werden, was zu Untergewichtigkeit führt. Die „blauen Aufgedunsenen“ („blue bloater“) hingegen haben als Hauptmerkmale Husten und Auswurf; Lippen und Nägel sind bläulich verfärbt und Übergewicht liegt häufig vor. Die meisten von COPD Betroffenen sind allerdings “Mischtypen“, bei denen eine genaue Unterteilung nicht möglich ist.

COPD ist zudem mit einer ganzen Reihe von Begleiterkrankungen verbunden: So treten häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf, ebenso wie Infekte der Atemwege oder Störungen des Stoffwechsels einschließlich Diabetes und Knochenschwund (Osteoporose). COPD-Patientinnen und -Patienten leiden zudem häufiger an psychischen Problemen wie etwa Depressionen oder Angstzuständen.

Ein wichtiger Grund für diese Krankheiten ist die Tatsache, dass COPD-Patienten in überwiegender Mehrheit Raucher sind und sich das Rauchen natürlich auch negativ auf andere Organe im Körper auswirken kann. Zudem ist aus der Forschung bekannt, dass die Entzündung bei COPD nicht nur auf die Atemwege beschränkt ist, sondern sich im ganzen Körper ausbreiten kann. Und schließlich führt die Atemnot bei COPD dazu, dass sich Betroffene immer weniger bewegen können, grundsätzlich schlecht für Körper und Seele ist.

Stärkere Symptome in Herbst und Winter

Wenn sich die Symptome bei COPD sehr plötzlich verschlechtern, spricht man von „Exazerbationen“, die entweder leicht, mittelschwer oder schwer ausgeprägt sein können. Dies ist meist mit einem Gefühl des allgemeinen Unwohlseins, Müdigkeit, Brustenge oder eventuell Fieber verbunden. Bei einer schweren Exazerbation wird der Patient bewusstlos oder fällt schlimmstenfalls sogar ins Koma. Zu den wichtigsten Auslösern von Exazerbationen zählen:

  • Infekte mit Viren oder Bakterien,
  • Medikamente, die die Atmung beeinflussen,
  • Unfälle mit Verletzungen im Bereich des Brustkorbs.

Exazerbationen sind übrigens im Herbst und Winter häufiger, einerseits weil die Atemwege auf Kälte empfindlich reagieren können, andererseits weil Erkältungen oder Grippe in dieser Jahreszeit einfach öfter sind. Doch wann auch immer sie auftreten: Exazerbationen können gefährlich sein. Es ist daher ratsam, sofort den Arzt oder die Ärztin aufzusuchen, damit eine Behandlung eingeleitet werden kann und eine Vermeidung von Verschlechterungen und Komplikationen möglich ist.

 

COPD durch Erbkrankheit

Manche Menschen haben aufgrund einer erblichen Lungenerkrankung ein erhöhtes Risiko, an COPD zu erkranken. Der Mangel an einem Protein namens „Alpha-1-Antitrypsin“ führt dazu, dass bestimmte Enzyme ungebremst das Lungengewebe schädigen können, da ihr Gegenspieler fehlt. Diese Krankheit ist sehr selten, sie betrifft rund 0,01 bis 0,02 Prozent der Gesamtbevölkerung, und nicht bei allen Betroffenen zeigen sich Symptome, die eine Behandlung erforderlich machen.

Rauchstopp ist das Wichtigste

Zur Behandlung der COPD sind Medikamente verfügbar. Dazu zählen Sprays, deren Wirkstoffe die Atemwege erweitern; diese können bei Atemnot eingesetzt werden, manchmal wird auch empfohlen, sie unabhängig von den Beschwerden jeden Tag einzusetzen. Wenn eine Patientin oder ein Patient (im Folgenden: Patient) bereits zwei dieser Medikamente zur Erweiterung der Atemwege einnimmt und es kommt trotzdem zu Exazerbationen, kann auch ein Spray mit Kortison helfen. Sind die überwiegenden Symptome Schleim und Husten, kann ein schleimlösendes Medikament zum Einsatz kommen. Bei sehr schwerer COPD kann eine langfristige Sauerstofftherapie erforderlich sein, für sehr wenige Patienten kann auch eine Lungentransplantation infrage kommen.

Eine Reihe von Maßnahmen können Betroffene selbst in die Hand nehmen. An erster Stelle steht hier der Rauchstopp, der als die wichtigste Maßnahme überhaupt bei COPD gilt. Zusätzlich können und sollen Betroffene sportlich aktiv werden (das genaue Programm sollte unter ärztlicher Aufsicht besprochen und eingeleitet werden) oder zumindest ein Training zu Hause durchführen. Auch das Erlernen bestimmter Atemtechniken und Körperstellungen, die das Atmen erleichtern, sowie das Erlernen des richtigen Inhalierens der Medikamente können dazu beitragen, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Beschwerden deutlich zu lindern.

Über die Autorin

Dr. Lydia Unger-Hunt ist Medizinerin und Medizinjournalistin.