„Armut durch Pflege dürfte es nicht geben“

„Armut durch Pflege dürfte es nicht geben“

Den bundesweiten „Tag der pflegenden Angehörigen“ am 8. September versteht sie als „notwendige Wertschätzung“. Wir sprachen mit Kornelia Schmid als Vorsitzende des Vereins „Pflegende Angehörige e.V.“  über Perspektiven, aber auch Ängste und Nöte, die sie für Betroffene sieht.

Ein Holztisch, um den herum Holzfiguren stehen.
GettyImages/Jerome Maurice
Inhaltsverzeichnis
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    Frau Schmid, Sie haben den Verein 2017 gegründet. Wie hat sich die Situation der pflegenden Angehörigen mittlerweile entwickelt und welche Bedeutung messen Sie dem bundesweiten Tag, der den pflegenden Angehörigen gewidmet ist, zu?

    So ein Tag bringt uns immerhin eine gewisse Aufmerksamkeit und es ist eine Wertschätzung, die wir sonst im Alltag vermissen.

    Wie geht es der Gruppe, deren Interessen Sie vertreten, heute?

    Ich kann sagen, dass ich eine große Verunsicherung wahrnehme. Meine Mitstreiter machen sich Sorgen. Die Politik erarbeitet gerade neue Pflege-Gesetze, dazu trifft sich auch regelmäßig eine Bund-Länder-Gruppe, und wir können aus Erfahrung sagen: Es wird überlegt, wo man bei uns als Interessengruppe ohne Lobby, am besten sparen kann.

    Im Interview

    Kornelia Schmid (65) ist Gründerin und Vorsitzende des Vereins „Pflegende Angehörige e.V.“ mit etwa 600 Mitgliedern. Zudem ist sie Administratorin der Facebook-Gruppe „Pflegende Angehörige“ mit über 30.000 Mitgliedern. Sie ist verheiratet und lebt im bayerischen Amberg.


    Worauf begründet sich Ihre Sorge?

    Da gibt es einige Beispiele. Das Jüngste war die Entwicklung des Pflegeunterstützungs- und Entlastungsgesetzes (PUEG). Der positiv zu wertende Vorstoß, die jährlich zur Verfügung stehende Summe aus Kurzzeit- und Verhinderungspflege in ein Entlastungsbudget zusammenzufassen, wurde relativiert, da die Erhöhung des Pflegegeldes niedriger ausfiel als zunächst zugesagt.

    Gibt es denn auch Hoffnung?

    Ja. Ich finde die neue Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler, sehr engagiert. Ich bin froh, dass wir regelmäßig zu Treffen eingeladen werden, zu denen natürlich auch andere Interessenvertretungen kommen. Es ist schön zu bemerken, dass den Entscheidern daran gelegen ist, dass nicht nur die professionell Pflegenden gefragt sind, wenn es um die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung geht. Da haben wir doch schon ein kleines Stück erreicht, dass wir mit an den Tisch geholt werden.

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    Was ist Ihnen persönlich denn am wichtigsten?

    Wir wünschen uns Prävention im Sinne von „Was braucht der Angehörige?“ Es gibt eine sehr große Vielfalt in den Pflegesituationen. Zum Beispiel eine Community Health Nurse, also das, was früher die Gemeindeschwester war, halte ich für ein passendes Instrument, um die gewünschte Entlastung zu schaffen.

    Apropos Entlastung: Für wie entscheidend halten Sie einen finanziellen Ausgleich für pflegende Angehörige – analog zum Elterngeld?

    Ich bin realistisch und halte es für unwahrscheinlich, dass es einen finanziellen Ausgleich geben wird. Allerdings müsste es möglich sein, Lücken in der Sozialversicherung für pflegende Angehörige zu schließen. Und Armut durch Pflege – das dürfte es einfach nicht geben.

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