Tipps zur Pflege und Wartung von Hilfsmitteln

Hilfsmittel-Wartung

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Technische Hilfsmittel wie beispielsweise Rollatoren oder Rollstühle begleiten pflegebedürftige, kranke oder beeinträchtigte Menschen oftmals ein Leben lang. Tagtäglich in Gebrauch benötigen die technischen Helfer spezielle Aufmerksamkeit in Form von Pflege, Kontrollen und Instandhaltung.

 

Hierzulande erhalten Betroffene eine qualitativ gute Hilfsmittelversorgung. Medizintechnikhersteller und Sanitätshäuser achten darauf, den Empfängerinnen und Empfängern die für sie geeigneten Produkte bereitzustellen und sie entsprechend einzuweisen. So vielfältig wie die Hilfsmittel selbst sind aber auch die Maßnahmen, die erforderlich sind, damit das jeweilige Produkt stets einsatzbereit und voll funktionsfähig bleibt.

Herstellerunterlagen beachten

Erste Hinweise dazu geben die Unterlagen des Herstellers. Sie sind verpflichtet, Hinweise zu den notwendigen Maßnahmen in den Gebrauchsanweisungen aufzuführen. Lesen Sie diese sorgfältig und beachten Sie die jeweiligen Informationen zu Kontrollen, Reinigung etc. Doch bedenken Sie, diese Angaben gelten immer nur für einen durchschnittlichen Gebrauch. Nach einer besonderen Belastung – etwa einem Ausflug mit dem (Schiebe-)Rollstuhl, bei dem die eine oder andere Bordsteinkante überwunden werden musste – sollte man zusätzliche Kontrollen durchführen. Das geht meist sehr schnell und mit ein wenig Routine auch leicht von der Hand: Nehmen Sie das Hilfsmittel in Augenschein. Achten Sie auf Veränderungen und fragen Sie im Zweifelsfall im Sanitätshaus nach. Manche Produkte tragen auch Prüfplaketten, ähnlich wie bei Autos. Achten Sie darauf, dass sie stets aktuell sind. Halten Sie die Produkte auch gemäß den Herstellvorgaben sauber. Nur dann können Sie sicher sein, dass etwa Putzmittel nicht das Material angreifen oder Schäden sofort erkennbar sind.

 

Betreiberverordnung

Gemäß der verbindlichen Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) müssen Medizinprodukte – zu denen auch Hilfsmittel meist gehören – vor Anwendung auf Beschädigungen mittels Inaugenscheinnahme durch die Anwenderinnen und Anwender überprüft werden. Die Produkte dürfen nur von geschulten Personen genutzt werden. Bei Abgabe des Hilfsmittels erhalten die Empfängerinnen und Empfänger eine Einweisung z. B. durch das Sanitätshaus oder den Medizintechnikhersteller. Kranken- und Pflegekassen übernehmen die Kosten für regelmäßige technische Kontrollen gemäß Herstellervorgabe (vgl. § 33 SGB V und § 47 SGB IX). Die Benutzung defekter Medizinprodukte verbietet die MPBetreibV.

Funktionstest

Professionellen Anwenderinnen und Anwendern schreibt der Gesetzgeber regelmäßige Funktionskontrollen vor (siehe Infobox Betreiberverordnung). Doch was für sie verbindlich geregelt ist, sollte auch bei der Versorgung von Angehörigen gelten. So lässt sich z. B. feststellen, ob sich die Arretierung einer Unterarmgehstütze noch fest verriegeln lässt oder ob die Handgriffe am Rollator Risse aufweisen, die dazu führen könnten, dass bei Belastung die Handgriffe abreißen. Greifen die Bremsen am Rollator noch? Rasten die Sitzrohre am Faltrollstuhl noch richtig ein? Auch dazu finden Sie Hinweise in der Gebrauchsanweisung. Mit wenigen Handgriffen ist dies geprüft und Sie können mit gutem Gewissen das Produkt nutzen. Wenn Sie sich dabei noch an die Vorgaben des Herstellers zum sicheren Einsatz halten – meist als Zweckbestimmung oder bestimmungsgemäßer Gebrauch in den Anleitungen beschrieben – wird Ihnen das Hilfsmittel stets gute Dienste leisten.

Die folgende Übersicht gibt Ihnen für einige Produkte beispielhaft die wichtigsten Funktionskontrollen an, doch beachten Sie immer die Herstellerangaben. Denn jedes Produkt ist anders. Sollten Sie Mängel an Ihrem Hilfsmittel feststellen, wenden Sie sich am besten an das ausliefernde Sanitätshaus.

Rollstühle

Bei fahrbaren Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder E-Mobilen müssen sowohl Lenk- als auch Laufräder stets mit dem richtigen Luftdruck befüllt sein. Die Räder müssen fest am Rollstuhl montiert sein. Um dies zu überprüfen, ziehen Sie die Räder seitlich vom Rollstuhl weg. Die Räder dürfen dabei nicht wackeln. Prüfen Sie die Funktion der Bremsen, Schiebgriffe dürfen sich bei Zug nicht lösen. Die Bespannung der Sitz- und Rückenfläche darf nicht eingerissen oder beschädigt sein. Heben Sie zur Kontrolle das Sitzkissen an! Alle Bauteile wie Antikippstützen, Seitenteile, Kopf- und Beinstützen müssen fest mit dem Rahmen verbunden sein.
Bei elektrischen Rollstühlen sollte zudem darauf geachtet werden, dass keine Kabel beschädigt sind, die Beleuchtungsanlage funktioniert und die Batterie immer korrekt geladen wird. Achten Sie auch auf Korrosion (Rost), insbesondere bei Rollstühlen, die im Freien bei Wind und Wetter oder in Feuchträumen (Bad) genutzt werden.

 

Vor der Gerätenutzung

Um mögliche Risiken zu vermeiden, stellen Sie sich vor dem Gebrauch Ihres Hilfsmittels die folgenden Fragen:

Sichtprüfung

  • Schäden?
  • Fehlermeldungen?
  • Prüfetiketten vorhanden und aktuell?

Prüfung der Produktunterlagen

  • Aktuelle Gebrauchsanweisung vorhanden?
  • Funktionsstörungen bekannt?
  • Vorkommnisse bekannt?

Persönliche Voraussetzungen

  • Bin ich eingewiesen?
  • Darf ich das Medizinprodukt für diesen Zweck anwenden?
  • Bin ich in der Lage, das Medizinprodukt sachgerecht anzuwenden?

Quelle: Björn Möller, Norbert Kamps, Medizinprodukte in der Pflege – Recht und Praxis. Rechtssichere Umsetzung von Anwender- und Betreiberpflichten, 1. Auflage, 2016, Mensch und Medien, Landsberg a. Lech

 

Rollatoren

Ganz ähnlich erfolgt die Prüfung für Rollatoren. Auch hier sind alle Funktionen der Bremsen und Rollen zu testen. Besonders wichtig ist darüber hinaus, dass die Griffhöhen richtig auf die Nutzerin oder den Nutzer eingestellt sind. Der Rollator wird stets in aufrecht stehender Position und nicht vorgebeugt genutzt. Mit locker hängenden Armen müssen sich die Griffe auf Handgelenkshöhe befinden, sonst droht schon bei leichten Bodenunebenheiten ein Sturz. Sind Sitzfläche und der Einkaufskorb fest angebracht? Bremskabel sollten nicht über den Rahmen hinausstehen, zu leicht könnte man etwa an Türgriffen hängen bleiben.

Pflegebetten

Ein Pflegebett muss regelmäßig in allen Funktionen getestet werden. Dazu muss das Bett leer sein. Es darf sich keine Person darin befinden. Achten Sie auch auf Geräusche der Motoren: Ungewöhnlich lautes Brummen oder auch ein Klappern deuten auf Fehler hin. Das Bett darf dann nicht mehr genutzt werden. Sofern Sie Seitensicherungen verwenden, müssen diese voll funk-tionsfähig sein. Rütteln Sie kräftig an den angestellten Seitensicherungen. Lösen sie sich, besteht eine sehr hohe Einklemmungs- und Sturzgefahr.

Elektrische Hilfsmittel

Elektrische Hilfsmittel bedürfen besonderer Kontrolle. Sind Kabel locker oder gibt es gequetschte oder beschädigte Stellen? Wenn ja, ist das Produkt sofort von der Energieversorgung – auch bei Batterien – zu trennen. Das Hilfsmittel darf auf keinen Fall weiter- genutzt werden. Stromschläge oder Brandgefahr könnten die Folge sein. Achten Sie auch auf Ladegeräte. Wie sieht der Akku aus? Übermäßige Hitzeentwicklung beim Laden, sichtbare Schmorstellen oder Verfärbungen sind Warnhinweise. Versuchen Sie nicht, mit haushaltsüblichen Mitteln die Produkte selbst zu reparieren, überlassen Sie dies den Profis im Sanitätshaus.

 

 

 

Über den Autor

Norbert Kamps ist Diplom-Ingenieur, unabhängiger Fachexperte und Sachverständiger für Hilfsmittelversorgung.