Sehbeeinträchtigung: So finden Sie die richtige Sehhilfe

Sehhilfe

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Aufsetzlupen, Lupenbrillen oder Bildschirmlesegeräte: Für jede Sehbeeinträchtigung und für jedes Bedürfnis gibt es die passende Sehhilfe. So finden Sie das richtige Hilfsmittel und wenden es am besten an.

 

Sehbeeinträchtigungen können angeboren sein, sich mit dem Alter entwickeln und dabei verschiedene Teile des Auges betreffen: Folglich sind sie individuell sehr verschieden – und trotzdem gibt es die richtigen Hilfsmittel für jeden. Wichtige Sehfunktionen, wie das räumliche und scharfe Sehen, das Erkennen von Kontrasten, Formen und Entfernungen, oder eine erhöhte Lichtempfindlichkeit: Augenerkrankungen, die zu Sehbeeinträchtigungen führen, haben nichts mit Kurz- oder Weitsichtigkeit zu tun, die mithilfe einer Brille oder Kontaktlinsen korrigiert werden können. Je nach Einschränkung verändern sich auch Orientierung und Kommunikation mit den Betroffenen. Dabei ist wichtig zu erkennen, dass Sehbeeinträchtigungen nicht nur körperliche, sondern auch psychische Auswirkungen haben können.

Umso wichtiger ist es, die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern, sodass auch der Alltag gut gemeistert werden kann. Dies kann neben speziellen Sehhilfen auch mit anderen, zusätzlichen Hilfen funktionieren. Uhren oder Kalender mit großen Zahlen werden beispielsweise im regulären Handel angeboten und erleichtern so ganz einfach das Erkennen von wichtigen Informationen. Mithilfe von Schreibpulten können das Lesen und Schreiben angenehmer gestaltet werden. Hefte oder Blöcke im DIN-A4-Format dienen mit groß ausgedruckten oder selbst geschriebenen Adressen oder Telefonnummern als leicht erkennbare Übersicht. An Haushaltsgeräten wie Wasch- oder Spülmaschinen können Sie zur besseren Orientierung erhabene, selbstklebende Punkte anbringen. Diese gibt es in verschiedenen Farben und Größen.

Sie wünschen sich Hilfe bei Lesen und Co.

  • Lupenbrillen
    Eine Lesebrille ist der tägliche Begleiter vieler Menschen. Bei Stärken über 4 Dioptrien wird aus der Lesebrille dann die Lupenbrille: Mit ihr ist eine bis zu 15-fache Vergrößerung möglich. Wenn beide Augen zum Lesen benutzt werden, kann der Optiker eine bis zu 3-fache Vergrößerung auf beiden Gläsern ermöglichen. Reicht dies nicht aus, wird ein Ausgleichs- oder Mattglas auf einer Seite eingesetzt, um die nötige Vergrößerung auf dem anderen Glas zu gewährleisten. Dann wird also nur ein Auge zum Lesen genutzt. Wer auch Unterstützung beim Sehen in die Ferne benötigt, kann im oberen Teil der Gläser die entsprechende Stärke einsetzen lassen. Eine Lupenbrille ist vergleichbar mit anderen Brillen: Sie ist einfach in der Handhabung, unauffällig, leicht – und wird ganz auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt. Trotzdem kann sie sich gerade anfangs ungewöhnlich anfühlen, weil Sie zunächst die richtige Lesedistanz finden müssen.

Tipp: Schieben Sie einfach den Text langsam von der Nase aus weg und überprüfen, welche Entfernung für Sie passend ist.

 

  • Lupen
    Handlupen können flexibel eingesetzt werden: beispielsweise zum Lesen von Telefonnummern und Adressen, Anleitungen oder zum Erkennen von Details. Besonders praktisch sind Lupen mit integrierter Beleuchtung. Diese helfen auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Auch kleine Lupen bieten eine gute Übersicht und können einfach in der Jacken- oder Hosentasche transportiert werden.

Tipp: Halten Sie die Lupe nah an das Auge, so erreichen Sie eine hohe Vergrößerung; erweitern Sie den Abstand, so wird die Vergrößerung verringert.

 

  • Aufsetzlupen
    Während Handlupen eher für kurze Texte geeignet sind, können Aufsetzlupen gerade bei längerem Lesen die perfekte Alternative sein. Sie verfügen meist ebenfalls über eine integrierte Beleuchtung und erleichtern so zusätzlich das Sehen. Diese gibt es in Stärken mit bis zu 56 Dioptrien. Weil dieses Hilfsmittel direkt auf das Buch oder die Zeitschrift gelegt wird, können Sie Ihre Hände entspannen. Das ist vor allem auch für Menschen mit zitternden oder bewegungseingeschränkten Händen erleichternd.

Tipp: Tragen Sie Ihre passende Lesebrille auch, wenn Sie eine Aufsetzlupe nutzen. So bekommen Sie ein angenehmes, natürliches Sehgefühl.

 

  • Bildschirmlesegeräte
    Wenn Sie gerne an einem Monitor arbeiten und Einstellungen und Ansichten flexibel verändern möchten, ist ein Bildschirmlesegerät das richtige für Sie. Mithilfe einer Kamera werden Texte und Bilder aufgenommen und unmittelbar vergrößert auf dem Monitor wiedergegeben. Wie stark die Vergrößerung, der Kontrast und die Helligkeit sein sollen, können Sie ganz einfach bestimmen. Die Bildgröße ist von 2-fach bis 40-fach stufenlos verstellbar. Bildschirme gibt es in verschiedenen Größen. Auch hier gilt: je größer, desto besser der Überblick. Es gibt außerdem Monitore, deren Position einfach verändert werden kann. So können Sie die Bildschirmhöhe an Ihre gewünschte Sitzposition anpassen.

Tipp: Achten Sie bei der Auswahl des Geräts auf die für Sie optimale Bedienbarkeit und Ergonomie. Es gibt viele unterschiedliche Angebote, weshalb es sich lohnt, eine ausführliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

 

 

 

Sie wünschen sich Hilfe beim Ferne-Sehen

  • Fernrohre und Ferngläser
    Mit der Hand gehaltene Fernrohre können hilfreich sein, wenn Sie Details auch bei weiter Entfernung erkennen möchten. Während bei Ferngläsern beide Augen genutzt werden, werden Fernrohre nur vor ein Auge gehalten. Die gibt es auch in kompakter Ausführung: Sogenannte Monokulare sind unauffällig, oft fokussierbar und praktisch zum Mitnehmen. Wenn Sie sich jedoch einen größeren Bildausschnitt wünschen, sind Ferngläser an dieser Stelle die bessere Wahl. Lassen Sie sich hierzu am besten ausführlich in einem Fachgeschäft beraten und testen Sie, welche Wahl für Sie die beste ist. Bei vielen Optikern gibt es außerdem Übungsmaterialien, mit denen die Handhabung erleichtert wird.

Tipp: Je geringer die Vergrößerung, desto größer ist ihr Überblick.

Sie wünschen sich akustische Hilfe

  • Farberkennungsgeräte
    Wenn Sie Farben nicht oder nur schwierig erkennen können, kann ein Farberkennungsgerät mit Sprachausgabe hilfreich sein. Möchten Sie zum Beispiel Ihre Kleidung auswählen, halten Sie das Gerät einfach an das Kleidungsstück. Auf Tastendruck wird Ihnen die jeweilige Farbe angesagt.

Tipp: Am besten funktionieren Farberkennungsgeräte, wenn Sie auf glatten Oberflächen angewendet werden.

 

  • Produkterkennungsgeräte
    Ähnlich wie das Farberkennungsgerät funktionieren auch Produkterkennungsgeräte: Diese erkennen grafische Codes wie den Strichcode. Dieser wird mit einer internen Datenbank verglichen. Dann wird Ihnen die entsprechende Information zum Produkt vorgelesen.

Tipp: Die Informationen können Sie individuell ergänzen.

 

  • Markierungs- und Erkennungsgeräte
    Mit Markierungs- und Erkennungsgeräten können Sie Gegenstände aller Art kennzeichnen. Dazu wird eine Markierung (z. B. ein Chip) mit dem Namen des zu kennzeichnenden Gegenstands über ein integriertes Mikrofon besprochen und dann aufgeklebt. Über einen Lautsprecher gibt das Gerät den zugeordneten Begriff wieder. Dies kann beispielsweise für Medikamente, Schriftstücke, Daten oder Ähnliches verwendet werden.

Tipp: Die Etiketten sind kälte- und hitzebeständig und waschmaschinenfest. Somit können Sie quasi alle Gegenstände, unabhängig von der Nutzung, kennzeichnen.

Sie wünschen sich Mehr-in-Eins

  • Digitale Helfer wie Smartphones und Tablets bieten viele hilfreiche Möglichkeiten für Ihren Alltag. Mithilfe von Apps können Sie beispielsweise Barcodes scannen, Texte und Farben oder Helligkeit vorlesen lassen. Außerdem können die Geräte so auch in digitale Lupen verwandelt werden. Der Handhabung bedarf es zunächst möglicherweise etwas Übung – dafür werden Sie jedoch mit einem vielfältigen Angebot im praktischen Format belohnt. Smartphones mit Kamera können so zum Beispiel auch zur Vergrößerung von Details dienen oder anhand von Gesichtserkennung das Erkennen von Personen erleichtern.

Tipp: Von Selbsthilfeverbänden werden spezielle Schulungen für sehbeeinträchtigte und blinde Nutzer angeboten.

 

Über die Autorin

Patricia Schaller