Die richtige Mundhygiene ist bei pflegebedürftigen Menschen besonders wichtig, denn sie weisen meist eine deutlich schlechtere Mundgesundheit auf als gleichaltrige Menschen ohne Pflegebedarf. Hinzukommt: Sechs von zehn Menschen mit Pflegebedarf können zahnärztliche Termine nicht selbstständig vereinbaren oder wahrnehmen und benötigen deshalb Unterstützung für die richtige Mundhygiene.
Als pflegende Angehörige sollten Sie sich bewusst sein, wie sehr die Gesundheit im Mundraum die Gesundheit im gesamten Körper beeinflusst. Denn mangelnde Mundhygiene begünstigt unter anderem Lungenentzündungen, Diabetes, Rheuma und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Expertenstandard Mundhygiene
Ein Team aus Fachleuten des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) hat Empfehlungen für die Praxis erarbeitet und diese im Expertenstandard „Förderung der Mundgesundheit in der Pflege“ zusammengefasst. Die Empfehlungen beruhen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und sind mit Expertinnen und Experten abgestimmt. Der Expertenstandard gilt als Leitlinie für Pflegefachpersonen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Aber auch für pflegende Angehörige bietet das Dokument wichtige Hinweise.
Zahnbelag als Hauptrisiko für die Mundgesundheit
Ungesunder Zahnbelag, Plaque genannt, ist die Grundlage für Mundgeruch, Karies, Zahnstein und Zahnfleischentzündungen. Das beste Mittel gegen Plaque ist eine regelmäßige und gründliche Zahnpflege.
Zudem verändert sich der Mundraum mit dem Älterwerden: Die Zähne verfärben sich und sitzen (unter Umständen aufgrund von Parodontitis) oft nicht mehr so fest. Das Zahnfleisch kann sich zurückbilden, was zusätzliche Angriffsfläche für Karies bietet. Außerdem können Medikamente Mundtrockenheit verursachen.
Karies ist eine verbreitete Zahnerkrankung, bei der säurebildende Bakterien die Zähne angreifen. Zu Beginn zeigen sich oberflächliche Verfärbungen, weiße Flecken und kleine Löcher. Später reicht Karies bis zum Zahnnerv. Eine mangelnde Mundhygiene erhöht das Kariesrisiko, die richtige Mundhygiene senkt es.
Hauptursachen für Karies sind Zuckerkonsum, schlechte Mundhygiene und Zahnbelag. Fluoridhaltige Zahnpasta und regelmäßige Kontrolluntersuchungen wirken dem Kariesrisiko entgegen.
Im Fall einer Parodontitis können Bakterien über die Blutbahn zu anderen Körperstellen gelangen. Studien zu den Auswirkungen deuten auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Diabetes und Demenz hin. Wer aufgrund von Schmerzen nicht richtig kaut, riskiert zudem eine Verstopfung, Durchfall oder Blähungen. Bei Appetitverlust droht eine Mangelernährung.
Pflegebedürftige Angehörige bei der Mundhygiene unterstützen
Grundsätzlich sollten Sie, die pflegebedürftige Person zunächst selbst mit der Mundpflege beginnen lassen und erst übernehmen, wenn die Kräfte nachlassen. Das fördert die Selbstständigkeit und erleichtert es Ihnen, Gewohnheiten und Vorlieben ihres oder ihrer Angehörigen für die Mundhygiene zu erkennen und zu berücksichtigen.
Vorbereitung: Was Sie für die richtige Mundhygiene brauchen
Übernehmen Sie als Angehöriger oder Angehörige die Mundpflege einer bettlägerigen pflegebedürftigen Person sollten Sie auf Folgendes achten:
- Legen Sie vorab alle benötigten Utensilien bereit, damit Sie die Prozedur nicht unnötig unterbrechen müssen.
- Positionieren Sie den Oberkörper der pflegebedürftigen Person möglichst aufrecht und fahren Sie das Bett so herauf, dass es sich etwa in Hüfthöhe für Sie befindet.
- Stehen Sie am besten leicht hinter der pflegebedürftigen Person an der Bettkante.
Liegt keine Bettlägerigkeit vor, achten Sie darauf, dass Ihr Angehöriger oder Ihre Angehörige bequem sitzen und den Kopf etwas nach hinten neigen kann. Auch für sich selbst sollten Sie eine einigermaßen bequeme Position finden.
Zu den benötigten und bereitzulegenden Utensilien zählen insbesondere folgende Materialien und Hilfsmittel:
- Persönliche (Schutz-)Ausrüstung (etwa Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz, Visier, Taschenlampe, Mundspiegel)
- Hilfsmittel für die Mund- und Lippenpflege ( Lippenbalsam, pflanzliche Öle, Zungenschaber und ähnliches)
- Utensilien zum Zähneputzen (zum Beispiel Zahnbürsten mit unterschiedlichen Köpfen, Zahnzwischenraumbürsten, Kompressen, Zahncreme)
- Materialien für die Prothesenreinigung (wie Prothesenabzieher, Reinigungstabletten, Prothesenhaftcreme, Kompressen)
- Ein kleines Handtuch, ein Becher mit Wasser und ein Gefäß zum Ausspucken
In einer konkreten Pflegesituation können weitere Hilfsmittel die Mundpflege erleichtern. Spezielle Griffaufsätze für die Zahnbürste oder abgeknickte Zahnbürstengriffe zum Beispiel können für ein besseres Greifen und Halten sorgen. Bei Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen erzielen Bürsten mit mehreren Köpfen eine bessere Reinigungsleistung als normale Zahnbürsten.

11 Tipps für die richtige Mundhygiene
Die Mundgesundheit beeinflusst die Gesundheit im gesamten Körper und ist deshalb gerade bei pflegebedürftigen Menschen besonders wichtig. Mit diesen Tipps unterstützen Sie Ihre Angehörige oder Ihren Angehörigen.
Basismaßnahmen für die richtige Mundhygiene
Insbesondere bei trockenen oder rissigen Lippen empfiehlt es sich, diese vor Beginn der Mundpflege mit einer fetthaltigen Salbe einzucremen, um ein Einreißen und damit Schmerzen zu verhindern.
Schmerzhafte Zahnhälse können Sie vor dem Zähneputzen mit einer schmerzlindernden Zahnpasta einreiben, indem Sie etwas Zahnpasta auf einen Finger geben und vorsichtig auftragen.
Reinigen Sie die Zähne dann mit einer Zahnbürste und einer fluoridhaltigen Zahnpasta. Für die Pflege von Zahn und Zahnfleisch stehen unterschiedliche Zahnbürsten zur Verfügung – richten Sie sich bei der Auswahl nach den gesundheitlichen Problemen und persönlichen Vorlieben Ihres Angehörigen.
Orientierung für die richtige Zahnreinigung bietet das sogenannte KAI-Prinzip: Putzen Sie nacheinander erst die Kauflächen, dann die Außen- und schließlich die Innenflächen. Putzen Sie außerdem immer von rot nach weiß, also vom Zahnfleisch beginnend hin zum Zahn. Die Zähne werden dabei in kleinen kreisenden Bewegungen – immer über ein bis zwei Zähne, nicht über die gesamte Zahnreihe – und mit einem geringen Anpressdruck gereinigt.
Putzen Sie die Zähne mindestens zwei Minuten und am besten zwei- bis dreimal täglich, soweit die individuelle Situation Ihres Angehörigen dies ermöglicht.
Für die Reinigung der Zahnzwischenräume können Sie Interdentalbürsten verwenden.
Mit einem Zungenschaber können Sie außerdem die Zunge von Belägen befreien. Aber Vorsicht: Setzen Sie den Schaber nicht zu weit hinten an, um Würgereize zu vermeiden.
Auf das zum Abschluss der Mundhygiene häufig gewohnte Ausspülen des Munds mit Wasser sollten Sie möglichst verzichten, denn es mindert die kariesprotektive Wirkung der Zahnpasta deutlich.
Die richtige Reinigung von Zahnprothesen
Die Prothesenreinigung ist genauso wichtig, wie die Reinigung echter Zähne. Waschen Sie herausnehmbaren Zahnersatz deshalb nach den Mahlzeiten unter fließendem Wasser ab und entfernen Sie Speisereste gegebenenfalls mit einer Bürste. Um die Prothese aus dem Mundraum Ihres Angehörigen zu entnehmen, greifen Sie diese vorsichtig mit Daumen und Zeigefinger oder verwenden Sie einen Prothesenabzieher.
Unabhängig von den Mahlzeiten sollte der herausnehmbare Zahnersatz einmal täglich gründlich mit einer Prothesenbürste und dreimal in der Woche für zehn bis 15 Minuten in einer verschlossenen Prothesendose mit einer Reinigungstablette und lauwarmem Wasser gereinigt werden.
Achten Sie vor dem Wiedereinsetzen darauf, den Zahnersatz anzufeuchten. Das erleichtert das Einsetzen. Falls Sie eine Haftcreme verwenden, muss die Unterseite der Prothese hingegen trocken sein, damit die Creme optimal wirken kann, und tragen Sie grundsätzlich so wenig Haftcreme wie möglich auf (circa drei bis vier erbsengroße Portionen). Drücken Sie den Zehnersatz zudem nach dem Einsetzen circa zehn Sekunden an und achten Sie darauf, dass Ihr Angehöriger etwa zehn Minuten lang nichts isst oder trinkt, um die Haftwirkung weiter zu steigern.
Zur Nacht sollte der Zahnersatz nach der Reinigung am besten nicht wiedereingesetzt werden, sondern in einer offenen Prothesendose trocken aufbewahrt werden – sofern Ihr Angehöriger oder Ihre Angehörige dies toleriert.
Schauen Sie immer mal genauer hin, denn eine schlechtsitzende Zahnprothese, Schmerzen im Mundraum oder schmerzhafte Entzündungen am Gaumen beeinträchtigen das Kauen und können zum Verweigern von Mahlzeiten führen.
Auch Selbstschutz gehört zur richtigen Mundhygiene
Wenn Sie die Mundpflege für einen pflegebedürftigen Angehörigen übernehmen, ist es wichtig, dass Sie auch auf den Selbstschutz achten. Dazu zählt:
- Vor und nach der Mundhygiene die Hände hygienisch desinfizieren.
- Während der Mundpflege medizinische Einmalhandschuhe, einen Mund-Nasen-Schutz und gegebenenfalls einen Augenschutz gegen Tröpfchen und Speichel tragen.
- Während der Mundhygiene möglichst hinter oder seitlich versetzt vor die pflegebedürftige Person stellen, falls diese unbeabsichtigt hustet oder spukt.
Mundpflege bei einem anderen Menschen ist immer auch ein Eingriff in seine oder ihre Intimsphäre. Manche Pflegebedürftige finden das so unangenehm, dass sie auch schon mal zubeißen. Wichtig ist dann, eine desinfizierende Wundreinigung vorzunehmen, denn der Speichel im Mundraum enthält zahlreiche Keime.
Um Bisswunden von vorneherein zu vermeiden, sollten Sie Ihrem oder Ihrer Angehörigen zunächst die Entscheidung für oder gegen eine Mundpflege lassen. Kündigen Sie dann jeden der anstehenden Schritte gut an, gehen Sie möglichst behutsam vor und fassen Sie so häufig wie nötig, aber so wenig wie möglich in den Mundraum.
Grundsätzlich kommt es bei der Mundpflege darauf an:
- Selbstständigkeit zu erhalten,
- Selbstbestimmung zuzulassen,
- Gewohnheiten zu berücksichtigen,
- sorgfältig zu arbeiten.
Was Sie noch für die richtige Mundhygiene tun können
Problemen mit Zähnen und Zahnfleisch gegenwirken
Um Zahnfleischentzündungen zu vermeiden, ist die gründliche Entfernung von Zahnbelag inklusive Reinigung der Zahnzwischenräume wichtig. Dazu können Sie etwa eine geeignete, desinfizierende Mundspülung verwenden. Auch entzündungshemmende Teesorten wie Kamille oder Pfefferminze eigenen sich dafür. Auf stark gewürzte Speisen, Alkohol und Zigaretten sollte hingegen möglichst verzichten werden.
Maßnahmen gegen Herpes
Herpes ist eine hochansteckende Virusinfektion, die aber in der Regel nach ein bis drei Wochen von allein abheilt. Wird Herpes rechtzeitig erkannt, können antivirale Salben hilfreich sein. Zur Symptomlinderung kommen Salben (Vaseline, zinkhaltige Zahnpasta) und Öle infrage (Teebaumöl, Arganöl).
Aufgrund der Ansteckungsgefahr sollten betroffene Personen nur aus eigenen Gläsern und Tassen trinken.
Kräutertee als Alleskönner im Mundraum
Teekräuter haben sich bewährt zum Spülen, Trinken, Anfeuchten der Schleimhäute in der Mundpflege. Folgende Tees empfehlen sich dabei besonders:
- Salbei – wirkt entzündungshemmend, antibakteriell, austrocknend
- Pfefferminze – wirkt entzündungshemmend, antibakteriell, schmerzlindernd
- Kamille – wirkt entzündungshemmend, antibakteriell, geruchsüberdeckend
- Malve – wirkt entzündungshemmend, schmerzlindern, austrocknend, reizlindernd
Vorsicht: Personen mit einer Pollenallergie können unter Umständen allergisch auf manche Teesorten reagieren. Allergene finden sich auch in aromatisierten Tees.
Wann ist zahnärztlicher Rat gefragt?
In den folgenden Fällen sollten Sie als pflegende Angehörige oder pflegender Angehöriger unbedingt eine zahnärztliche Praxis konsultieren:
- Akute Zahnschmerzen (vor allem in Kombination mit Fieber)
- Schwellungen in Mundraum oder Gesicht
- Nach Zahnunfällen
- Unbeweglicher Kiefer
- Anhaltende Kauprobleme
Falls die pflegebedürftige Person nicht in der Lage ist, eine Praxis aufzusuchen, erkundigen Sie sich am besten nach einem mobilen Einsatzteam, das mit der nötigen Ausrüstung in eine Pflegeeinrichtung oder auch zu Ihnen nach Hause kommt.
Übrigens: Pflegebedürftigen Menschen mit Pflegerad steht eine zahnärztliche Versorgung zu. Auf welche Leistungen Betroffene Anspruch haben, lesen Sie in unserem Servicebeitrag „Zahnärztliche Leistungen: Was steht Pflegebedürftigen zu“.