Rezeptfreie Schlafmittel: Wirkung und Risiken

Rezeptfreie Schlafmittel: Wirkung und Risiken

Viele Menschen haben hierzulande Probleme mit dem Schlaf. Halten diese an, kann die Leistungsfähigkeit abnehmen und sogar das Risiko für chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck steigen. Zwar sollten Sie nicht sofort zu schlaffördernden Substanzen greifen (und zunächst Ihr Schlafverhalten untersuchen), bei dauerhaften oder intensiven Beschwerden können rezeptfreie Schlafmittel aber hilfreich sein. Welche es gibt und auf was Sie achten sollten, erklärt Apotheker Thomas Preis vom Apothekerverband Nordrhein in unserer neuen „Frage an den Apotheker“.

Ein Mann hat rezeptfreie Schlafmittel eingenommen und schläft nun gut in seinem Bett.
GettyImages/Halfpoint Images

Schon seit einiger Zeit komme ich abends nicht zur Ruhe. Auch das Durchschlafen bereitet mir mehr und mehr Probleme. Ich werde nachts immer wieder wach und tagsüber bin ich dann müde und erschöpft. Viele meiner Bekannten nehmen rezeptfreie Schlafmittel ein. Doch sind diese für jeden geeignet? Und vertragen sich die Schlafmittel auch mit meinen anderen Medikamenten?

 

Schlafstörungen sind keine Seltenheit, im Gegenteil: Die Zahl der Menschen, die an einer Schlafstörung in Deutschland leiden, steigt. Laut einer aktuellen Studie sind es bundesweit etwa sechs Millionen Menschen. Schlafprobleme können viele Ursachen haben: von ungünstigen Schlafbedingungen, der Einnahme von bestimmten Medikamenten, bis hin zu körperlichen oder auch psychischen Krankheiten.

Bevor Sie jedoch zu schlaffördernden Medikamenten greifen, ist es ratsam, die Ursachen der Schlafstörung zu analysieren. Oft verhilft auch das Einhalten einer guten Schlafhygiene zum erholsamen Schlaf. Und ganz wichtig: die fachlich gute Beratung in der Arztpraxis oder in Ihrer Apotheke.

Wann kann es sinnvoll sein, auf schlaffördernde Mittel zurückzugreifen?

Bei anhaltenden und starken Beschwerden ist die Einnahme von schlaffördernden Substanzen oft positiver zu bewerten als die Risiken durch langandauernde Schlaflosigkeit. Schlafen Sie längere Zeit schlecht oder zu wenig, kann sich das auf die allgemeine Leistungsfähigkeit, die Gehirnfunktion mit Aufmerksamkeits- und Gedächtnisproblemen und sogar das Risiko für chronische Erkrankungen wie Hypertonie, Herzerkrankungen und Diabetes auswirken, genauso wie auf Depressionen und Angststörungen.

Ihr Experte

Thomas Preis ist Vorsitzender des Vorstandes Apothekerverband Nordrhein e.V. Er ist am 22. Januar 1959 geboren und studierte Pharmazie in Düsseldorf. Seit 1990 leitet er die Alpha-Apotheke OHG in Köln. Berufsständisch ist er seit 1995 engagiert, und dabei seit 1999 Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. Er ist auch Mitglied im Gesamtvorstand der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) und des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), darüber hinaus stv. Vorsitzender des Verbandes Freie Berufe im Lande Nordrhein-Westfalen (VFB NW) und Aufsichtsratsvorsitzender des standeseigenen Rechenzentrums, der ARZ Haan AG.

Welche rezeptfreien Schlafmittel gibt es?

Gegen Schlafstörungen helfen auch rezeptfreie Arzneimittel aus der Apotheke. Dabei sollten Sie zunächst mit milden pflanzlichen Schlafmitteln beginnen.

Pflanzliche Mittel

Zu den pflanzlichen rezeptfreien Präparaten zählen zum Beispiel Baldrianwurzel, Passionsblume, Hopfenzapfen, Melissenblätter, Johanniskraut oder Lavendelblüten. Es gibt sie als Tabletten oder Kapseln, Tees oder ätherische Öle. Die Wirkung pflanzlicher Beruhigungsmittel setzt manchmal erst nach einigen Tagen oder Wochen ein.

Körpereigene Hormone

Eine weitere milde rezeptfreie Alternative ist Melatonin: Bei Melatonin handelt es sich um ein körpereigenes Hormon, das ein zentraler Taktgeber für den Wach-Schlaf-Rhythmus ist. Entsprechende Präparate gibt es als Kapseln, Tabletten oder Spray. Melatonin sollte rund zwei Stunden vor dem Schlafengehen und nach der letzten Mahlzeit eingenommen werden.

Antihistaminika

Antihistaminika wurden früher zur Behandlung von Allergien eingesetzt. Eine ihrer Nebenwirkung, die Auslösung von Müdigkeit, wird jetzt bei rezeptfreien Schlafmitteln als Hauptwirkung genutzt. Gerade bei älteren Patienten ist aber eine erhöhte Sturzgefahr zu beachten. Antihistaminika sollten Sie nicht länger als zwei Wochen anwenden.

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Rezeptfreie Schlafmittel – Risiken, Neben- und Wechselwirkungen

Ob pflanzlich oder nicht: Alle Schlafmittel können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Zudem können Medikamente Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit haben und sogar oft auch noch am nächsten Tag wirksam sein. Auf Alkohol sollten Sie während der Einnahme von Schlafmitteln generell verzichten. Denn dadurch kann sich die betäubende Wirkung noch verstärken.

Schlafmittel sollte man nur kurzzeitig anwenden, um einer Gewöhnung und Abhängigkeit vorzubeugen. Bei Fragen zu Arzneimitteln und deren Wirkung sind die Apothekenteams vor Ort die richtigen Ansprechpartner. Diese beraten Sie kompetent und individuell zu Ihrer Medikamenteneinnahme.

8 Tipps zur Schlafhygiene

Abschließend möchte ich Ihnen noch einige ausgewählte Tipps zur Schlafhygiene mit auf den Weg geben. Auch hierzu können Sie sich in Ihrer Apotheke beraten lassen. Wie eingangs erwähnt, kann eine gute Schlafhygiene in vielen Fällen helfen, den Einsatz von Schlafmitteln zu reduzieren oder zu vermeiden:

  • Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
  • Halten Sie Mittagsschlaf vor 14 Uhr und nicht länger als 30 Minuten.
  • Seien Sie tagsüber körperlich aktiv.
  • Verzehren Sie keine koffeinhaltigen Getränke wie Kaffee oder Tee zu spät am Tag.
  • Nehmen Sie keine schweren Mahlzeiten am Abend zu sich.
  • Konsumieren Sie möglichst keinen Alkohol am Abend und nutzen Sie Alkohol keinesfalls als (Ein-)Schlafmittel.
  • Schaffen Sie ein angenehmes, kühles, belüftetes und gut abgedunkeltes Raumklima.
  • Achten Sie auf ein entspannendes Einschlafritual.

Mit besten Wünschen für Ihre Gesundheit und einen erholsamen Schlaf

Ihr
Apotheker
Thomas Preis

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