Wenn Kerstin ihrem pflegebedürftigen Vater bei der Morgenroutine hilft, ist eines ganz wichtig: Bevor Thomas aufsteht, braucht er einen Kaffee und eine Zigarette. Widerwillig reicht Kerstin ihm die Zigarettenschachtel. Sie mag es nicht, wenn ihr Vater raucht – erst kürzlich wurde bei ihm eine chronische Lungenerkrankung diagnostiziert. Heute sucht sie das Gespräch: „Wie wäre es, wenn wir gemeinsam aufhören zu rauchen, Papa?“ Die Worte zeigen Wirkung. In der nächsten Zeit stellen beide ihren Alltag um und sind erfolgreich. Doch warum ist der Verzicht auf das Rauchen ein Weg zu mehr Lebensqualität? Und wie gelingt das Aufhören?
Rauchen – ein vermeidbares Gesundheitsrisiko
Wer mit dem Rauchen beginnt, trifft eine Entscheidung – eine verheerende, denn der Tabakkonsum ist ein großes Gesundheitsrisiko. Das liegt an der großen Menge giftiger und krebserzeugender Substanzen im Tabakrauch: Neben Nikotin sind darin zahlreiche Zusatzstoffe enthalten. Dadurch ergibt sich ein bedenkliches Gemisch aus abhängigkeitsmachenden und gesundheitsgefährdenden Stoffen. So führt Rauchen bei vielen Erkrankungen die Liste der Risikofaktoren an.
Der Tabakkonsum ist für bis zu 90 Prozent der Krebsfälle in Organen verantwortlich, die unmittelbar mit dem Qualm in Berührung kommen. Dazu zählen Mund, Kehlkopf, Speiseröhre und Lunge. Alleine 85 Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs sind auf das Rauchen zurückzuführen. Doch damit nicht genug: Rauchen schädigt weitere Organe und das Herz-Kreislauf-System – hier verengt das Laster die Blutgefäße, treibt den Blutdruck nach oben und verändert die Blutfettwerte negativ. Die Folgen können Arteriosklerose, Herzinfarkte und Schlaganfälle sein. Wussten Sie, dass der direkte und indirekte Tabakkonsum ungefähr 90 Prozent der Fälle von chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) auslöst?
Das begünstigt Rauchen:
- Krebs
- Lungenerkrankungen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Geschädigte Augen und Zähne
- Beeinträchtigungen am Verdauungstrakt oder dem Skelett
- Unfruchtbarkeit
- Vorzeitige Hautalterung
Kommt es durch den Tabakkonsum zu einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Lungenerkrankung, spüren Betroffene die Folgen oft ein Leben lang. Eine beeinträchtigte Mobilität oder Atmung sind nur wenige Beispiele. Rauchen raubt neben der Lebensqualität auch Lebensjahre: Durchschnittlich büßen Menschen durch ihr Rauchverhalten etwa 10 Jahre ein. Aufhören zahlt sich also aus.
Auch Passiv- und Gelegenheitsrauchen sind schädlich
Wenn eine Zigarette abbrennt, gibt sie kleine Teilchen mit vielen Schadstoffen in die Luft ab – selbst dann, wenn sie im Aschenbecher vor sich hin glimmt. Auch der inhalierte und wieder ausgeatmete Tabakrauch ist problematisch. Die Lunge reinigt den Rauch nicht etwa, er enthält ebenso giftige Stoffe.
Ein weiteres Risiko ist der „kalte Rauch“. Dabei haften feine Rauchpartikel unter anderem an Wänden, Vorhängen oder den Bettbezügen. Passivrauchen schädigt den Körper ähnlich wie aktives Rauchen – deshalb sollten weder Sie noch Ihr Familienmitglied im Beisein anderer Menschen zur Zigarette greifen.
Auch Gelegenheitsrauchende können nicht aufatmen. Schließlich gibt es nicht so etwas wie eine sichere Konsummenge. Schon wenige Zigaretten in der Woche sind bedenklich und erhöhen das Krebsrisiko. Mit jedem Zug an der Zigarette gelangen etwa 250 giftige und 90 potenziell oder nachgewiesen krebserregende Stoffe in Ihren Körper.
Mit dem Rauchen aufhören: So motivieren Sie sich selbst oder Ihren Angehörigen
Sie wünschen sich, dass Sie selbst mit dem Rauchen aufhören oder dass Ihr Angehöriger dies tut? Wollen Sie selbst aufhören, dann konzentrieren Sie sich auf Ihr Ziel und gehen Sie Verlockungen, wie Kneipenbesuchen, vorerst aus dem Weg.
Ist Ihr Familienmitglied betroffen, unterstützen Sie es beim Aufhören. Zeigen Sie Verständnis und machen Sie keinen Druck. Schuldzuweisungen wie: „Du machst dich mit dem Qualmen kaputt“ führen weniger zum Erfolg. Wählen Sie einen positiven Ansatz. Zeigen Sie Mitgefühl und appellieren Sie an die Verantwortung gegenüber dem eigenen Körper: „Ich weiß, wie schwer das ist, aber ich mache mir Sorgen um dich, und so kannst du dein Wohlbefinden steigern“. Schaffen Sie Ablenkung.
Erscheint Ihr Familienmitglied nervös, bieten Sie eine Händemassage oder eine geführte Meditation an. Besprechen Sie Ihren Plan mit dem Hausarzt oder der Hausärztin: Er oder sie kann je nach gesundheitlicher Verfassung über Rauchrisiken aufklären, Nikotin-Ersatzprodukte empfehlen oder eine Verhaltenstherapie vorschlagen.

Rauchstopp?! So klappt es
Sie wollen mit dem Rauchen aufhören? Dann können Ihnen unsere 5 Tipps vielleicht dabei helfen.
Aufhören: 5 Tipps für den Start und zum Durchhalten
Es ist nicht leicht, Gewohnheiten aufzugeben, aber es kann gelingen. Wir möchten Ihnen dabei helfen und haben Ihnen 5 Tipps zusammengestellt, die Sie unterstützen sollen, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören möchten.
- Bestimmen Sie einen Starttermin: Sie haben ein klares Ziel vor Augen, nun sollten Sie Ihren Vorsatz in die Tat umsetzen. Wählen Sie einen passenden Zeitpunkt, aber zögern Sie den Rauchstopp nicht unnötig heraus. Am besten eignen sich Zeiträume, in denen die Belastung nicht so stark ist oder das körperliche Wohlbefinden im Mittelpunkt steht, etwa nach einem Gesundheits-Check-up in einer Arztpraxis.
- Hören Sie vollständig auf: Die Anzahl der Zigaretten langsam zu reduzieren, das klappt bei den meisten Menschen nicht. Schnell schleichen sich wieder mehr Raucherpausen in den stressigen Alltag ein. Daher gilt: Wenn Schluss, dann Schluss. Verbannen Sie dafür alle Rauchutensilien aus dem häuslichen Umfeld.
- Sorgen Sie für einen Ersatz: Rauchende berichten anfangs oft davon, dass sie nicht wissen, wie sie ihre Finger beschäftigen sollen. Typische Entzugserscheinungen wie Unruhe, Reizbarkeit oder Unwohlsein nagen am Wohlbefinden. Ersatzbefriedigungen, zum Beispiel zuckerfreie Kaugummi kauen, Gemüsesticks knabbern oder einen Anti-Stress-Ball kneten, können helfen.
- Verplanen Sie Gespartes: Rauchen ist teuer. Mit dem, was Sie einsparen, können Sie sich einen lang gehegten Wunsch erfüllen. Wie wäre es mit einem Kurztrip ans Meer oder mit einem neuen technischen Gerät oder einem besonderen Kleidungsstück? Sprechen Sie mit Ihrem Familienmitglied über die Investitionen – das motiviert.
- Nehmen Sie Unterstützung in Anspruch: Es gibt viele hilfreiche Tools, beispielsweise in Form von Apps oder Rauchfrei-Programmen. Besuchen Sie auch das unabhängige Informationsportal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit rauchfrei-info.de – hier erhalten Sie Informationen und ein Ausstiegsprogramm.
Mit dem Rauchen aufhören, das verlangt viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, doch es lohnt sich: Bereits nach 20 Minuten normalisieren sich die Herzfrequenz und Körpertemperatur, nach 24 Stunden sinkt das Herzinfarktrisiko und nach 48 Stunden können Sie meist besser riechen und schmecken. Das Atmen wird nach 72 Stunden einfacher und die rauchbedingte Kurzatmigkeit lässt nach 1 Monat nach. Halten Sie 10 Jahre durch, hat sich das Lungenkrebsrisiko normalisiert, nochmal 5 Jahre später gleicht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dem eines Nichtrauchenden – also, bleiben Sie dran!
