Leben mit der Dialyse

Dialyse

Baxter Deutschland GmbH

Die Diagnose einer Nierenerkrankung ist eine große Herausforderung, sowohl für die Patienten als auch für ihr Umfeld. Die ambulante Versorgung hat große Fortschritte gemacht, so gibt es fast flächendeckend Dialysezentren. In manchen Fällen ist eine Heimhämodialyse geeignet. Wir erklären die Voraussetzungen und Unterschiede.

Die Nieren sind lebenswichtig! Unsere Nieren übernehmen zentrale und vielfältige Aufgaben in unserem Organismus. Sie sorgen für einen ausgewogenen Flüssigkeitshaushalt, halten Elektrolyte und Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht, entsorgen Stoffwechselabbauprodukte und Medikamente. Sie regulieren den Blutdruck und sind maßgeblich am Knochenstoffwechsel und der Produktion der roten Blutkörperchen beteiligt. Wenn die Niere nicht mehr richtig funktioniert und dieser Zustand lebensbedrohlich wird, ist eine Dialyse notwendig.

Umso erstaunlicher ist es, dass eine nachlassende Nierenfunktion häufig keine auffälligen Beschwerden verursacht. Nicht selten erfährt man nach einer Routineuntersuchung von Blut oder Urin, dass die Nierenfunktion beeinträchtigt ist. Im Fachjargon sprechen wir von einer Niereninsuffizienz. Ziel der nephrologischen Behandlung ist es, die Nierenfunktion aufrecht zu erhalten (Nephrologie, dt.: Nierenheilkunde ist die medizinische Fachrichtung, die sich mit Erkrankungen und Funktionsstörungen der Niere beschäftigt). Ist die Niereninsuffizienz jedoch so weit fortgeschritten, dass sie lebensbedrohliche Auswirkungen hat, ist eine Dialyse erforderlich. Die Dialysebehandlung ersetzt einen großen Teil der Nierenfunktionen und ermöglicht dadurch ein Leben mit lebensbedrohlicher terminaler Niereninsuffizienz.

Auswahl der Dialyseart

Grundsätzlich wird zwischen Hämodialyse und Peritonealdialyse unterschieden. Beide Verfahren können in einem Zentrum oder zu Hause durchgeführt werden.

Die Hämodialyse (HD)

Das Verfahren der Hämodialyse wird umgangssprachlich als Blutwäsche bezeichnet. Während einer mehrstündigen Sitzung fließt das Blut fortlaufend durch ein Hämodialysegerät. Dabei wird es gereinigt, Elektrolyte und Säure- Basen-Haushalt ausgeglichen und überschüssige Flüssigkeit entzogen. Das Blut wird kontinuierlich über einen Gefäßzugang entzogen und wieder zurückgegeben. Dieser Gefäßzugang wird bei einer Operation speziell angelegt und heißt „Shunt“.

Die Peritonealdialyse (PD)

Bei der Peritoneal- oder auch Bauchfelldialyse übernimmt das Bauchfell die Filterfunktion. Es kleidet den ganzen inneren Bauchraum aus und verfügt über eine große Oberfläche. Für die Bauchfelldialyse wird ein Katheter in den Bauchraum implantiert. Über diesen lässt man eine spezielle Dialyselösung in den Bauchraum einlaufen. Diese verweilt dort mehrere Stunden. In dieser Zeit findet ebenfalls eine Reinigung statt, Elektrolyte und Säure-Basen-Haushalt werden ausgeglichen und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut in den Bauchraum geleitet. Nach einigen Stunden Verweilzeit lässt man die verbrauchte Lösung ablaufen und neue einlaufen.

Die Lösung befindet sich in einem fertigen Beutelsystem, das aus Lösungsbeutel und leerem Ablaufbeutel besteht. Deshalb spricht man auch von „Beutelwechsel“. Bei der PD gibt es die Möglichkeit, den Flüssigkeitsaustausch mehrmals täglich händisch durchzuführen. Alternativ übernimmt ein Dialysegerät den regelmäßigen Austausch (zum Beispiel über Nacht). Welches Verfahren individuell am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Die Entscheidung für Verfahren und Behandlungsort

Wenn eine Dialysebehandlung begonnen werden muss, ist das eine einschneidende Veränderung des Alltags. Umso wichtiger ist, dass das „Wie“ und das „Wo“ zu den jeweiligen Lebensumständen passen. Grundsätzlich sind alle Formen möglich und beide Verfahren können sowohl in einem Dialysezentrum als auch zu Hause stattfinden.

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz finden im fortgeschrittenen Stadium Informationsgespräche zu den Behandlungsverfahren statt. Neben Gesprächen mit Nephrologin oder Nephrologe (im Folgenden: Nephrologe) und dem medizinisch-pflegerischen Team werden ein Austausch mit Patientinnen oder Patienten (im Folgenden: Patienten) und Informationsmaterial angeboten. Selbsthilfegruppen unterstützen ebenfalls. Angehörige werden nach Wunsch und Bedarf in den Entscheidungsprozess eingebunden.

Dialyse in einem Dialysezentrum

Alle Dialysezentren bieten die Hämodialyse an. In der Regel ist dreimal in der Woche eine Behandlung von mindestens vier Stunden notwendig. Man erhält einen festen regelmäßigen Termin im Rhythmus Montag-Mittwoch-Freitag oder Dienstag-Donnerstag-Samstag, am Vormittag, Nachmittag, späten Abend und in manchen Zentren auch über Nacht. Bei besonderen Anlässen kann auch mal eine Schicht getauscht werden. Und für den Urlaub meldet man sich am Urlaubsort in einem Dialysezentrum an. Die Peritonealdialyse wird häufig als Heimdialyse durchgeführt. Jedoch bieten viele Dialysezentren diese auch im Zentrum an. Eine Behandlung kann dabei drei- bis fünfmal wöchentlich erforderlich sein und dauert sechs bis acht Stunden. Auch diese Behandlungsform wird manchmal als nächtliche Dialyse angeboten.

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Dass die Dialyse über den Bauchkatheter erfolgt, bietet den Vorteil von mehr Bewegungsfreiheit und Beschäftigungsmöglichkeiten. So kann die Zeit gut genutzt werden. Der Transport zum Dialysezentrum erfolgt mit dem eigenen Fahrzeug oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn dies nicht möglich ist, mit dem Taxi oder wenn medizinisch erforderlich als Krankentransport. Vor Ort wird der Behandlungsplatz durch das Fachpersonal vorbereitet. Dieses führt die Dialyse durch und überwacht die Therapie. Ärztliche Visiten finden ebenfalls während der Behandlungszeit statt.

Wie bei jeder chronischen Erkrankung ist es auch bei der chronischen Niereninsuffizienz wichtig, dass die Betroffenen sich mit ihrer Erkrankung auskennen. Es gilt, Besonderheiten bei der Ernährung und der Trinkmenge zu beachten, sich mit Gewichts- und Blutdruckveränderungen auszukennen und insgesamt einen gesundheitsfördernden Lebensstil umzusetzen. Dabei unterstützt das Fachpersonal durch individuelle Begleitung und Beratung.

Bei der Zentrumsdialyse entstehen nette Gemeinschaften und oft auch Freundschaften unter den Patienten. Erfahrungen und Kochrezepte werden ausgetauscht, Schönes und Schweres geteilt und Geburtstage begangen.

Dialyse zu Hause

Grundsätzlich kann jede Dialyseform auch zu Hause selbstständig durchgeführt werden. Dafür werden ein geeigneter Platz für die Dialysebehandlung sowie Lagermöglichkeiten für das Material benötigt.
Beide Therapieformen werden in intensiven Schulungs- und Trainingsprogrammen erlernt. Dieses Training findet im Dialysezentrum statt und dauert so lange, bis die Therapie sicher durchgeführt werden kann.

In dieser Zeit können zu Hause die entsprechenden organisatorischen und räumlichen Vorbereitungen getroffen werden. Eine Rufbereitschaft stellt 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche sicher, dass das Fachpersonal bei Bedarf erreichbar ist. Und regelmäßig (meist einmal im Monat) finden Kontrollen im Dialysezentrum statt. Die Zeiten für die Behandlung können selbstständig eingeteilt und passend im Tagesablauf untergebracht werden.

Die Peritonealdialyse wird in der Regel täglich durchgeführt. Werden die Beutelwechsel (ca. viermal am Tag) von Hand durchgeführt, ist der Materialumfang gering und gut transportierbar. Somit ist man bei der PD örtlich sehr flexibel.

Übernimmt ein Dialysegerät den Flüssigkeitsaustausch, erfolgt dies meist über Nacht. Es ist lediglich eine Stromversorgung notwendig. Damit ist das Dialysegerät mobil und kann u. a. auch mit in den Urlaub genommen werden. Das Material wird direkt an den Urlaubsort geliefert und muss nicht transportiert werden. Zunehmend gibt es in Deutschland auch Pflegedienste, die eine PD-Behandlung durchführen können. Dies ist allerdings noch keine Regelleistung, sodass immer erst ein Antrag bei der jeweiligen Krankenkasse gestellt werden muss.
Auch die Hämodialyse wird in den letzten Jahren wieder vermehrt als Heimdialyse durchgeführt.

Der Geräteaufwand ist hier umfangreicher und das Dialysegerät benötigt neben dem Strom- auch einen Wasseranschluss. Die Installation wird vom Zentrum oder vom Heimdialyseteam organisiert und gehört mit zur Vorbereitung. Das Training findet im Zentrum und darüber hinaus in der ersten Zeit zu Hause statt. Dauer und Häufigkeit der Behandlung können relativ frei geplant werden. Auch zu Hause benötigt die HD weniger Therapiezeit als die PD. Während des Urlaubs wechselt man zur Zentrumsdialyse und meldet sich in einem Dialysezentrum am Urlaubsort an.

Seit ein paar Jahren sind mobile Hämodialysegeräte für zu Hause auf dem Markt und bieten für die Heim-HD mehr örtliche Flexibilität.

Es ist ein willkommener Fortschritt, dass die Dialyse heute so vielfältig ist. Umso wichtiger, dass man sich rechtzeitig informiert und mit Nephrologen, dem medizinisch-pflegerischen Team und der Familie die beste Möglichkeit findet, die Dialyse in den eigenen Alltag zu integrieren.

Über die Autorin

Sabine Nipshagen ist Fachkrankenschwester für Nephrologie.