Harnwegskatheter-assoziierte Infektionen vermeiden: Hygiene, Trinken und Bewegung sind das A und O

Trinken-Infektionen

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Harnwegskatheter werden eingesetzt, wenn Patientinnen oder Patienten ihren Harnabgang nicht mehr kontrollieren können oder wenn sich wegen einer Gehirn- oder Rückenmarksschädigung die Blasenmuskulatur zur Entleerung nicht mehr eigenständig zusammenziehen kann. Doch wie bei jedem medizinischen Eingriff gibt es auch hier Risiken wie eine Infektion. Auf welche Symptome ist zu achten und wie lässt sich dieses Risiko senken?

 

Gelangen Keime wie bspw. Bakterien über den Schlauch des Katheters in die Harnwege und breiten sich dort aus, kann dies zu einer Infektion führen. Diese sollte niemals auf die leichte Schulter genommen werden, denn im schlimmsten Fall kann eine Blutvergiftung drohen.

Welche Symptome können auftreten?

Wichtig ist es also, die häufigsten Symptome zu kennen: vermehrtes Wasserlassen, Harnverlust zwischen den normalen Katheterisierungen sowie ein verändertes Aussehen des Harns (dunkler, trüb, milchig; in manchen Fällen kann auch Blut im Harn sichtbar sein). Außerdem können sich diese Infektionen durch Fieber und/oder Schwitzen sowie Blasenkrämpfe bemerkbar machen. Wer diese Symptome bei sich beobachtet, sollte zeitnah seine Ärztin oder seinen Arzt aufsuchen.

 

Von der Harnproduktion zur Harnausscheidung: Wie funktioniert das?

Die Nieren „waschen“ das Blut: Stoffwechselprodukte, die der Körper nicht mehr braucht, wandern in den Harn. Die Nieren produzieren davon täglich rund 1,5 Liter. Die beiden Harnleiter transportieren dann den Harn von den Nieren in die Harnblase. Die Harnblase ist ein sogenanntes „muskuläres Hohlorgan“ mit einem durchschnittlichen Fassungsvermögen von 400 bis 600 ml Harn. Ab einer gewissen Füllmenge gibt die Blase dem Gehirn die Rückmeldung, dass ein Toilettengang jetzt ansteht – der allseits bekannte „Harndrang“. Die Harnröhre verläuft von der Harnblase zur Harnröhrenöffnung. Über sie wird der Harn schlussendlich ausgeschieden.

Wer ist besonders gefährdet?

Zunächst spielt die Dauer der Katheterisierung eine Rolle: Je länger ein Katheter liegt, desto höher ist das Risiko, dass Keime einwandern. Besonders betroffen vom Infektionsrisiko sind daher querschnittgelähmte Personen, die einen Dauerkatheter haben. Andere Risikogruppen sind Personen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Personen oder solche mit Zuckerkrankheit (Diabetes) oder mit geschädigten Nieren, denn diese Menschen können sich grundsätzlich nicht mehr so gut gegen Keime wehren wie Gesunde oder Jüngere.

Übrigens: Treten symptomatische Infektionen häufiger auf – das bedeutet mehr als zweimal innerhalb von sechs Monaten oder mehr als dreimal innerhalb von neun Monaten – handelt es sich um sogenannte „rezidivierende“, also immer wieder auftretende Infektionen der Harnwege. Hier kann es sinnvoll sein, eine „Infektionsprophylaxe“ durchzuführen. Empfohlen werden bspw. Präparate, die den Harn ansäuern, darunter Cranberry- oder Preiselbeerextrakte. Preiselbeersaft soll zudem ein Anheften der Bakterien an der Blasenwand verhindern und die Kolonisation von Bakterien im Darm hemmen, von wo die meisten Keime stammen.

 

Schon gewusst?

Ein Harnwegskatheter wird heutzutage aus PVC, Latex oder Silikon hergestellt. Doch bereits vor 2.000 Jahren gab es Katheter aus Bronze. Später verwendete man Kupfer oder Silber, aufgerollte Blätter oder Gänsekiele.  

Auf Hygiene achten und ausreichend trinken

Es gibt einige Maßnahmen, die dabei helfen, das Infektionsrisiko zu senken. Von großer Bedeutung ist die Körperhygiene. Gleichzeitig sollte sie nicht übertrieben werden, damit die natürliche „gute“ Bakterienflora des Körpers, die auch vor Infektionen schützt, erhalten bleibt. Es ist ausreichend, den Unterleib ein- bis maximal zweimal am Tag mit milder Seife oder reinem Wasser zu waschen. Außerdem gilt:

  • Bei der Reinigung des Genitalbereichs stets „von der Harnröhre wegwischen“, um keine Bakterien in die Eintrittsstelle zu reiben. Bei unbeschnittenen Männern muss nach der Reinigung die Vorhaut wieder nach vorne gestreift werden.
  • Wenn Sie eine Selbstkatheterisierung durchführen, sollten Sie sich vor jedem Katheterisieren gründlich die Hände waschen und desinfizieren sowie danach keine unsterilen Objekte mehr anfassen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Flüssigkeitszufuhr. Das Problem: Menschen mit Harninkontinenz reduzieren häufig ihre Flüssigkeitszufuhr, um das Risiko eines unwillkürlichen Harnabgangs zu verringern. Bei älteren Menschen kommt zusätzlich oft erschwerend hinzu, dass ihr Durstgefühl weniger ausgeprägt ist. Gerade bei Harninkontinenz wird jedoch empfohlen, täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit zu trinken, damit Blase und Niere gut durchgespült und eventuelle Bakterien im Harntrakt möglichst rasch wieder ausgeschieden werden. Geeignet sind dazu vor allem Mineralwasser, Kräutertees oder mit Wasser verdünnte Fruchtsäfte.

Bewegung, Gewicht und Nichtrauchen

Daneben gibt es eine Reihe allgemeiner Empfehlungen zur Unterstützung des Immunsystems. Ganz oben steht Bewegung, soweit diese möglich ist: Harninkontinenz und Harnkatheter sind kein Grund, nur noch zu Hause zu sitzen. Moderne Katheter geben auch bei körperlicher Aktivität über mehrere Stunden Sicherheit, und schon gemütliche Spaziergänge an der frischen Luft oder leichte Gymnastik regen den Kreislauf an und können so dabei helfen, Infektionen abzuwehren.

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt ist (starkes) Übergewicht. Denn das ist nicht nur generell ungesund, sondern kann – wie Studien gezeigt haben – auch die Fähigkeit des Immunsystems reduzieren, rasch und effektiv gegen Keime vorzugehen.

Und schlussendlich muss auch das Rauchen erwähnt werden. Denn wer raucht, steigert den Gehalt des schädlichen Kohlenstoffmonoxids im Blut, während gleichzeitig der Sauerstoffanteil sinkt. Das schädigt die Blutgefäße, die bei der Abwehr von Infektionen eine wichtige Rolle spielen – sie transportieren die Immunzellen im Blut. Zudem finden sich im Blut von Raucherinnen und Rauchern weniger „Immunglobuline“ (für die Abwehr fremder Substanzen zuständige Eiweißstoffe).

Fazit

Es gibt einiges, was man beim Tragen von Harnwegskathetern tun kann, um das Infektionsrisiko zu senken, die Gesundheit zu unterstützen und das Immunsystem zu fördern. So bleibt die Lebensqualität trotz Inkontinenz und Harnwegskatheter so gut wie möglich erhalten.

 

 

Über die Autorin

Dr. Lydia Unger-Hunt ist Medizinerin und Medizinjournalistin.