Gelenkerkrankung: Fünf Fragen zur Arthrose

Arthrose

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Arthrose ist die häufigste aller Gelenkerkrankungen. In Deutschland sind rund fünf Millionen Menschen davon betroffen. Wir erklären Ihnen, was hinter der Erkrankung steckt, wie sie sich äußert und behandeln lässt und was Betroffene selbst gegen die Beschwerden unternehmen können.

Was bedeutet Arthrose?

Fachleute bezeichnen die Erkrankung als „Arthrosis deformans“, abgeleitet vom altgriechischen Wort „arthron“ (Gelenk) und vom lateinischen Wort „deformare“ (verstümmeln). Der gebräuchliche Begriff lautet „Gelenkverschleiß“. Bemerkbar macht sich dieser Verschleiß durch Schmerzen. Grundsätzlich können alle Gelenke von Arthrose betroffen sein. Am häufigsten sind es Knie, Hüfte und Schulter, gefolgt von der Wirbelsäule, den Sprunggelenken und den Zehengrundgelenken.

Wie äußert sich eine Arthrose?

Häufig treten die ersten Gelenkschmerzen bei ungewohnten, seltenen Belastungen das erste Mal auf – etwa wenn man nach einigen Jahren wieder einmal wandern geht. Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, kommt es bereits bei normalen Alltagsaktivitäten zu Schmerzen. Ebenfalls typisch sind Schmerzen beim Aufstehen nach längerem Sitzen oder Liegen. Dies wird auch als „Anlaufschmerz“ bezeichnet. Zu den weiteren möglichen Symptomen zählen das Gefühl, die Sehnen der Gelenke wären „zu kurz“, oder steife bzw. angeschwollene Gelenke. Bei manchen Patientinnen und Patienten spielt offenbar auch das Wetter eine Rolle. Hier kommt es vor allem bei Kälte oder Nässe zu einer Verschlechterung der Symptome. Erst im späten Stadium kann außerdem der „Ruheschmerz“ auftreten – leider besonders in der Nacht, was den Schlaf und damit auch die Lebensqualität beeinträchtigen kann.

Welche Ursachen hat die Arthrose?

Normalerweise sind alle Gelenkflächen von einem elastischen Knorpel überzogen, der für das reibungslose, ungestörte Arbeiten des Gelenks sorgt: Füße, Schulter oder Knie werden reibungslos bewegt, ohne dass die Gelenke schmerzen oder knirschen. Bei Arthrose aber wird der Knorpel zu stark abgebaut und nicht ausreichend neu gebildet. Er verliert an Festigkeit und Elastizität, wird immer dünner und kann leicht einreißen. Früher wurde angenommen, dass Arthrose nur durch die Abnutzung der Gelenke entsteht. Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass es vor allem die Zellen des Knorpels selbst sind, die bei Arthrose beginnen, die Knorpelsubstanz zu zerstören. Warum sie das tun, ist noch nicht wirklich klar. Geklärt sind aber einige Risikofaktoren für Arthrose: so z. B. die mechanische Belastung in Form von vielen Schlägen und Stößen gegen das Gelenk. Übergewicht ist ebenfalls ein Risikofaktor, denn übermäßiges Bauchfett fördert Entzündungsvorgänge im ganzen Körper, was auch den Knorpel schädigt. Außerdem belastet jedes zusätzliche Kilo Körpergewicht besonders die Kniegelenke: Beim normalen Gehen federn die Knie das 2,5-Fache des Körpergewichts ab, beim Hinabsteigen einer Treppe sogar das 3,5-Fache.

Wie wird eine Arthrose diagnostiziert? 

Ärztlichen Rat können sich Betroffene bei einer Orthopädin oder einem Orthopäden einholen. Ein ausführliches Gespräch ist Basis der Untersuchung, um etwa herauszufinden, ob die Gelenke aufgrund einer Verletzung oder einer anderen Erkrankung bereits vorbelastet sind. Danach werden die betroffenen Gelenke körperlich untersucht: Wie sieht der Bewegungsumfang aus, welche Symptome (wie etwa ein Reiben oder Knirschen) treten bei Bewegung auf? Und schließlich spielt die Bildgebung eine große Rolle. Denn bereits in frühen Krankheitsstadien sind die Verschmälerung des Gelenkspalts (durch den Knorpelabbau) sowie die Verdichtungen des Knochens unter dem erkrankten Knorpel im Röntgenbild zu erkennen. Die Arthrose selbst ist definiert als Knorpelschaden plus Knochenveränderungen.

Wie wird die Arthrose behandelt?

Leider gibt es bislang keine ursächliche Therapie zur Wiederherstellung des Knorpels. Die Behandlung fokussiert sich daher auf die Linderung der Symptome. Dabei unterscheidet man zwei Methoden – konservativ und operativ.

Bei den konservativen Methoden stehen die Bekämpfung der Entzündung und die Stärkung der Muskulatur zum besseren Gelenkschutz im Vordergrund, durch regelmäßige Bewegung, Krankengymnastik, Gehstützen oder Lagerungsschienen (diese sollen nur kurzfristig getragen werden, damit das Gelenk nicht versteift). Wärmekissen oder Moorbäder helfen bei chronischen Schmerzen, kühle Moorpackungen bei akuten Schmerzen. Außerdem kommen Medikamente oder Injektionen gegen Schmerzen und Entzündung zum
Einsatz.

Zu den operativen Methoden gehören verschiedene chirurgische Verfahren, wobei im Einzelfall die Ärztin oder der Arzt zusammen mit der Patientin oder dem Patienten entscheidet, welches Verfahren für die individuelle Situation geeignet ist.

Nicht zu vergessen ist, dass Betroffene selbst einiges tun können, wie regelmäßiges Gehen oder Schwimmen und das Körpergewicht normal halten. Noch ein Wort zur Ernährung: Obwohl der Zusammenhang zwischen Arthrose und Ernährung immer wieder diskutiert wird, scheint derzeit klar, dass ein einzelnes Nahrungsmittel weder Arthrose hervorrufen noch die Krankheit heilen kann. Empfohlen wird allerdings, den Genuss von Fleisch und Fleischwaren zu reduzieren – da die Stoffwechselprodukte dieser Nahrungsmittel Entzündungsreaktionen vermitteln können – und stattdessen zu Produkten zu greifen, die reich an entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren sind, z. B. Hering, Makrele, Lachs, Raps- oder Leinöl. Diese sind nicht nur gut für die Gelenke, sondern unterstützen auch generell die Gesundheit von Herz und Kreislauf.

 

 

Über die Autorin

Dr. Lydia Unger-Hunt ist Medizinerin und Medizinjournalistin.