„Es gilt, nicht in der Krise steckenzubleiben“

„Es gilt, nicht in der Krise steckenzubleiben“

Krisen gehören zum Leben dazu. Die Herausforderung liegt darin, sie anzunehmen und im besten Fall gestärkt daraus hervorzugehen. Als Heilpraktiker für Psychotherapie, Coach und Fachbuchautor gibt Abbas Schirmohammadi im Interview Hinweise, auf was besonders pflegende Angehörige achten können, um nicht in eine Krise zu geraten oder sie zumindest gut zu meistern.

Abbas Schirmohammadi
Fotoladen Freising, Michael Ecker
Inhaltsverzeichnis
    Add a header to begin generating the table of contents

    Herr Schirmohammadi, würden Sie unseren Lesern kurz erläutern, was Sie unter einer Krise verstehen?

    Krisen kennen wir alle. Wir geraten in Krisen, wenn uns Dinge ereilen, auf die wir nicht vorbereitet sind. Aber die Frage ist, wie wir damit umgehen und natürlich auch, welche Auswirkungen die Ereignisse auf unser weiteres Leben haben.

    Können Sie das an Beispielen deutlich machen?

    Wenn ich mich aussperre, dann hole ich den Schlüsseldienst. Das kostet mich Zeit, Nerven und Geld, aber ich löse das Problem meist umgehend. Für Krisen taugen Ereignisse, die mir den Boden unter den Füßen wegreißen. Das kann ein Unfall oder eine fristlose Kündigung meines Arbeitsverhältnisses sein. Auch große Schulden können mich in eine Krise bringen.

     

    Zur Person

    Abbas Schirmohammadi (47) lebt im oberbayerischen Erding. Er ist Heilpraktiker für Psychotherapie, Coach, Mediator sowie als Chefredakteur für mehrere Gesundheitsmagazine tätig.

    www.abbas-schirmohammadi.de

     

    Menschen reagieren unterschiedlich auf ähnliche Ereignisse. Für den einen bedeutet es das Ende, der andere scheint relativ unberührt davon zu bleiben. Woran liegt das? Ist hier das Schlüsselwort die vielbeschriebene Resilienz, also die Kraft der Psyche, Belastungen auszuhalten?

    Zum Teil. Es kommt auch auf den Moment an, in dem mir das widerfährt. Bekomme ich eine fristlose Kündigung und eventuell ist ein mir nahestehender Mensch gerade gestorben, bin ich in einer anderen Verfassung als vielleicht meine Arbeitskollegin, der auch gekündigt wurde, die aber gerade geheiratet hat und sich auf ihr erstes Kind freut. Und es ist ja an diesem Beispiel zu beachten, wie sehr ich mich mit meiner Arbeit identifiziere.

    Unabhängig davon, was sagen Sie Menschen, die eine Krise durchleben?

    Wir müssen schauen, dass uns die Krise nicht zerstört. Jeder ist gefordert, nicht daran zu zerbrechen. Es gilt, das Geschehene zu akzeptieren, anzunehmen, einen Plan für das weitere Vorgehen zu entwerfen und eine Lösung zu finden.

    Welche Perspektive habe ich als jemand, der gerade in einer Krise steckt?

    Im besten Fall gehe ich gestärkt daraus hervor. Klar ist aber auch: Ich lasse Federn.

    Kennen Sie schon unsere kostenlosen Online-Pflegekurse?
    ap--grundlagen-kurs
    Module: 7
    Dauer: 180 Minuten
    Grundlagen der häuslichen Pflege
    Unser digitaler Grundlagen-Pflegekurs vermittelt Ihnen verständlich und übersichtlich Informationen und Fertigkeiten, die Sie bei der Pflege Ihres Angehörigen direkt anwenden können.

     

    Was kann mir in einer Krise helfen?

    Das Alter. Je älter ich bin, desto mehr Erfahrungen habe ich gesammelt. Ich bin den Ereignissen oft nicht mehr ganz hilflos ausgeliefert.

    Krisen bewältigen

    Wir haben für Sie 5 Schritte als Selbsthilfe aus einer Krise zusammengefasst.

    „Mit Auswahl von ‚Download anfordern‘ erhalten Sie die Übersicht als Download an die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

     

    Zudem gibt es ein Audio-Format, eine CD, die heilsame Meditationen enthält. Ich persönlich arbeite gerne mit Entspannungstechniken, Suggestionen und Affirmationen. Ich kann dies vorschlagen, aber muss ehrlicherweise sagen, wer noch keine Entspannungstechnik für sich gefunden hat oder sich noch nie mit Krisenmanagement auseinandergesetzt hat, der hat nicht die Werkzeuge, um sich in einer Akutsituation selbst zu helfen. Und Emotionen werden dabei häufig unterschätzt.

    Wie meinen Sie das?

    Starke Emotionen helfen uns an dieser Stelle nicht weiter. Wir müssen es im Sinne einer Lösung schaffen, Gefühle wie Wut oder Frust zur Seite zu schieben. Es gilt, eine Analyse zu machen, was ich brauche, um nicht in der Krise steckenzubleiben.

    Bezogen auf die Lebensumstände unserer Leser: Wo sehen Sie in Pflegesituationen die größte Gefahr, aber auch das größte Potenzial, denn nicht jeder pflegende Angehörige erlebt die Situation ausschließlich als Belastung?

    Eine Gefahr, in eine Krise zu geraten, sehe ich, wenn ich als pflegender Angehöriger über einen längeren Zeitraum immer 100 Prozent meiner Kraft und Energie in die Betreuung meines Angehörigen gebe und meine eigenen Bedürfnisse vernachlässige. Ich brauche zum Beispiel ausreichend Schlaf, geistige Freude, eine möglichst ausgewogene und gesunde Ernährung und auch immer mal wieder Auszeiten.

    Aber es ist richtig: Die Betreuung eines hilfebedürftigen Angehörigen kann mir viel geben und muss nicht zwingend als ausschließlich belastend empfunden werden. Auch wenn ich beispielsweise zu meinem Vater kein gutes Verhältnis habe, kann ich ihm am Ende seines Lebens noch zu einer bestmöglichen Zeit verhelfen. Das hat etwas Versöhnliches. Viele pflegende Angehörige profitieren von ihrem Engagement, denn sie spüren: Ich tue etwas Sinnvolles.

    Details zum Buch und zur CD

    Das Buch:
    Hilfe in miesen Zeiten. In fünf Schritten persönliche Krisen meistern: Mit Meditationen, Übungen, Check-ups und Selbsttests von Abbas Schirmohammadi, Taschenbuch, Mankau Verlag 2024, 175 Seiten, 12,90 Euro

    Die CD:
    Hilfe in miesen Zeiten: Heilsame Meditationen: In fünf Schritten persönliche Krisen meistern von Susanne Hühn und Abbas Schirmohammadi, Audio-CD: 14,95 Euro, Download: 9,99 Euro

    Hat Ihnen der Beitrag weitergeholfen?
    Warum ist dieser Artikel nicht hilfreich?(erforderlich)
    Je konkreter Ihre Kritik, desto besser können wir unsere Inhalte für Sie aufbereiten.