E-Bike: Neu gewonnene Mobilität birgt Gefahren

E-Bike

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E-Bikes, Pedelecs, E-Roller, E-Scooter – Elektromobilität im Bereich der Leicht-Elektrofahrzeuge erlebt seit einigen Jahren einen rasanten Aufschwung. Gerade zu Beginn gab es viel Skepsis und Kritik an den E-Bike-Nutzern: zu schnell, zu wild, eine Gefahr für Fußgänger, traditionelle Radfahrer und für die Nutzer der E-Bikes selbst. Inzwischen sind E-Bikes nicht mehr von den Straßen und Fahrradwegen wegzudenken. Doch es gibt einiges zu beachten.

 

Laut dem Statistischen Bundesamt gab es Anfang 2020 etwa in jedem neunten Haushalt mindestens ein E-Bike, die Zahl der Elektrofahrräder in deutschen Privathaushalten hatte sich damit innerhalb von fünf Jahren fast verdreifacht. In der Corona-Zeit explodierten die Zahlen regelrecht. Viele Menschen stiegen von öffentlichen Verkehrsmitteln auf E-Bikes um, um sich auf dem Weg zur Arbeit noch besser vor Ansteckung mit dem Virus schützen zu können. Aber auch Postboten und Kurierdienste nutzen sie, und in jeder Großstadt gibt es E-Bikes auch als Leihräder, als Teil eines klimafreundlicheren Verkehrskonzepts und als Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln.

E-Bikes ermöglichen Mobilität

Auch wenn sich zunehmend jüngere Menschen für Elektrofahrräder interessieren und sich damit auch das Design der E-Bikes vom „Rentner-Raser“ zu stylischen Modellen weiterentwickelt hat: Die meisten privat angeschafften Elektrofahrräder waren in Haushalten zu finden, deren „Haupteinkommenspersonen“ zwischen 65 und 69 Jahren lagen. Auch hier ist die Tendenz steigend.

Warum gerade ältere Menschen sich so für E-Bikes begeistern, liegt auf der Hand: E-Bikes ermöglichen eine größere oder gar ganz neue individuelle Mobilität, indem auch weitere oder schwierigere Strecken mithilfe des unterstützenden Elektromotors bewältigt werden können. Selbst mangelnde Kondition kann bis zu einem bestimmten Punkt ausgeglichen werden. Körperliche Betätigung wird leichter, die Radler erleben sich sportlicher und sind eleganter unterwegs, selbst auf steileren Streckenabschnitten.

Insgesamt mehr Radfahrer

Doch was ist dran an den höheren Unfallzahlen? Verleitet die ungewohnte Leichtigkeit der Fortbewegung und die höhere Geschwindigkeit, mit der E-Bike-Fahrer häufig unterwegs sind, zu Überschätzung der eigenen Fähigkeiten oder gar zu Leichtsinn? Mit einer steigenden Anzahl von Elektrofahrrädern auf den Straßen und insgesamt mehr Radfahrern, die laut unterschiedlichen Studien mit E-Bikes häufiger längere Strecken fahren, steigt entsprechend auch die Zahl der Unfälle mit E-Bikes. Hier sind sich Statistiker und Vertreter von Fahrradverbänden einig. Selbstverständlich gibt es bei einer steigenden Zahl von untrainierten Fahrradfahrern auch Menschen, die unvernünftig fahren, die die Technik unter-, sich selbst dagegen überschätzen. Als Folge können sie Unfälle verursachen oder sich bei Stürzen selbst verletzen, zum Teil auch schwer.

Neben Gefahren auch Vorteile

Das ist nicht von der Hand zu weisen, eine verstärkte Mobilität bringt auch neue Gefahren mit sich. Dagegen steht die für viele ältere Menschen kostbare persönliche Freiheit, die durch die Nutzung eines Elektrofahrrads entsteht. Außerdem die Möglichkeit, wieder Ausflüge mit Freunden in einer Gruppe zu unternehmen und nebenbei die Muskeln und eigene Kondition zu trainieren – was für ein gesundes Altern extrem wichtig ist.

Klaus Regitz, Leiter der Fahrradgruppe des Mündener Kneipp-Vereins, ist wöchentlich mit einer etwa zehnköpfigen Gruppe im Weserbergland unterwegs. Die Mitglieder sind zwischen 65 und über 80 Jahren alt und zum Teil schon seit 15 Jahren gemeinsam auf Tour. Bis auf eine Person haben inzwischen alle ein Pedelec, sie machen Tagesausflüge, die zwischen 40 und 70 Kilometer lang sind, je nach Schwierigkeit der gewählten Strecke. Und es gibt einen privaten Rückholservice für Pannen oder Notfälle. Einmal gab es tatsächlich einen Sturz, der durch die Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrradfahrer zustande kam. Doch Regitz bricht eine Lanze für seine Mitstreiter und wendet sich gegen das Klischee, dass „die Alten“ auf ihren flotten E-Bikes „Gefährder schlechthin sind“.

 

Tipp

Was Sie beim Kauf eines E-Bikes beachten sollten

  • Experten empfehlen, kein allzu billiges Modell zu kaufen. Hierbei gilt: Wer billig kauft, kauft zweimal. Es lohnt sich, etwas mehr Geld in ein gutes E-Bike zu investieren. Auch dabei können Sie ein Schnäppchen machen, wenn Sie nach Angeboten und Rabattaktionen Ausschau halten. Einsteiger-E-Bikes kosten in der Regel 1.500 bis 2.000 Euro.
  • Überlegen Sie vor dem Kauf ganz genau, wie oft Sie ein E-Bike nutzen würden. Der Kauf ergibt nur bei regelmäßiger Nutzung Sinn.
  • Machen Sie sich vor dem Kauf klar, was Ihnen wichtig ist und für was Sie oder Ihre Angehörigen das E-Bike nutzen möchten. Anhand dessen können Sie am ehesten ein passendes Modell finden. Mittlerweile gibt es passende E-Bikes für alle Bedürfnisse.
  • Machen Sie unbedingt eine Probefahrt, um zu testen, wie Sie oder Ihre Angehörigen mit dem E-Bike klarkommen.
  • Legen Sie sich eine gute Schutzausrüstung zu, mindestens einen Helm sollten Sie auf dem E-Bike unbedingt tragen.
  • Zu Beginn sollten Sie mit dem E-Bike eher auf Straßen mit wenig Verkehr fahren, um sich daran zu gewöhnen.
  • Informieren Sie sich vorher über Kosten für Ersatzteile und Reparaturen. Dabei lohnt sich unter Umständen auch eine E-Bike-Versicherung.

 

Es gibt die unterschiedlichsten Elektroräder und ebenso unterschiedliche Fahrer. In Regitz´ Truppe sind ausschließlich Pedelecs im Einsatz. Auch diese werden häufig mit dem Überbegriff E-Bike bezeichnet, die Begriffe verschwimmen, doch Pedelecs sind weder selbstfahrend noch versicherungspflichtig, der Motor schaltet sich erst zu, wenn in die Pedale getreten wird (daher: Pedelec) und unterstützt die Fahrbewegung je nach persönlicher und streckenbedingter Einstellung mal stärker, mal weniger stark. Bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h wird diese gedrosselt und ist nur mit großem körperlichen Zusatzaufwand noch etwas zu steigern. Es kann also mit wenig Kraftaufwand gemütlich geradelt werden, dies macht die Pedelecs und E-Bikes generell für ältere Radler so attraktiv.

Voraussetzungen

Als Voraussetzung für ein sicheres Fahrradfahren mit Elektrounterstützung nennt Regitz: ausreichende körperliche Leistungsfähigkeit sowie gutes Seh- und Hörvermögen, das Beherrschen des Pedelecs nach ausreichenden Trainingsfahrten auf verkehrsarmem Gelände, ein individuell angepasstes und technisch einwandfreies Fahrzeug, persönliche Schutzausrüstung, also mindestens ein Helm und festes Schuhwerk, mehr als rudimentäre Kenntnisse der Straßenverkehrsordnung, Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer und regelmäßige Pausen. Wer diese Regeln beherzigt, ist laut Regitz nicht unsicherer oder gefährdeter unterwegs als andere schwache Verkehrsteilnehmer wie traditionelle Fahrradfahrer oder Mofafahrer. Sind diese Kriterien allerdings nicht erfüllt, wird es kritisch. Dann sollte man von E-Bikes Abstand nehmen oder eigene Angehörige auffordern, auf diese Fahrzeuge zu verzichten.

 

 

 

 

Über die Autorin

Esther Niederhammer ist freie Journalistin.