Aromatherapie: Die Heilkraft ätherischer Öle

Aromatherapie

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Ätherische Öle können Stress lindern, die Stimmung aufhellen und den Geist beleben. Wir geben Ihnen einen Einblick in die Welt der wohltuenden Öle und Düfte und erklären Ihnen, wie Sie diese im Pflegealltag einsetzen können.

Wer kennt das nicht: Wir gehen gedankenversunken einen Weg entlang und in die Nase steigt der zarte Duft eines Fliederbusches, den wir gerade passiert haben. Und sofort ändert sich unsere Stimmung. Wie herrlich das riecht! Düfte machen also etwas mit uns: Wir fühlen uns wohl, wenn wir etwas Angenehmes riechen, und unwohl, wenn wir etwas Unangenehmes mit der Nase wahrnehmen.

Die Geschichte der Heilkunst mit aromatischen Heilpflanzen

Sie ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon vor 10.000 Jahren, im alten Ägypten, spielten duftende Essenzen – nicht zuletzt bei der Einbalsamierung der Toten – eine bedeutende Rolle. Das hohe Ansehen der duftenden Essenzen sowie das Wissen um ihre vielfältigen Heilwirkungen wurden in den Kulturen der Perser, Griechen und Römer übernommen und weitergegeben. Noch heute nehmen sie auf dem asiatischen Kontinent einen festen Platz im alltäglichen Leben ein. Auch in Europa hat die sogenannte „Aromatherapie“ als alternative Heilkunst mittlerweile großen Zuspruch gefunden. Sie wird z. B. in Hospizen und Pflegeheimen erfolgreich eingesetzt, aber auch bei der Pflege zu Hause.

Wie wirken Düfte auf uns?

Jahrhundertelang galt der Geruchssinn als geheimnisvollster aller Sinne. Wie das Erkennen von 10.000 Düften funktioniert, war lange ein Rätsel. Heute weiß man: Die beim Riechen entstehenden Signale werden über Nervenbahnen direkt an unser Gehirn weitergeleitet, wodurch Erinnerungen und Gefühle sowie Reaktionen auf den gesamten Organismus ausgelöst werden.

Dies steuert unser Verhalten schon seit Urzeiten – sowohl in lebensrettendem Flucht- oder Angriffsverhalten als auch im Hinblick auf soziales Verhalten: Entweder können wir unser Gegenüber „gar nicht riechen“ und gehen ihm aus dem Weg oder wir fühlen uns wohl im „Dunstkreis“ unseres Gegenübers bzw. fühlen uns sogar davon angezogen, unsere Herzfrequenz steigt. Dies alles geschieht ohne unser Zutun und wird von unserem Gehirn unbewusst gesteuert. Genau dieses Phänomen wird in der Aromatherapie genutzt.

Die Gewinnung und Wirkung ätherischer Öle

Die Gewinnung ätherischer Öle erfolgt zum großen Teil aus Pflanzen, die schon seit Jahrhunderten als Heilpflanzen eingesetzt werden. Es handelt sich sowohl um Blüten als auch das Kraut einer Pflanze, Samen, Rinden, Nadeln, Harze oder Früchte, die zur Extraktion des jeweiligen Öls herangezogen werden.

Merke

Beispiele von Mischungen und ihre Wirkung

  • erfrischend, anregend: Bergamotte + Orange + Grapefruit oder Zitrone + Grapefruit + Litsea
  • inspirierend, anregend, Konzentration: Grapefruit + Patchouli + Sandelholz oder Zitrone + Lavendel
  • entspannend, abschalten, Ruhe finden: Mandarine + Lavendel + Sandelholz oder Blutorange + Weihrauch + Vanille
  • Schlaf finden bei Unruhe oder Angst: Neroli + Lavendel
  • harmonisierend, stärkend, Kraft schöpfen: Benzoe + Sandelholz + Tonka oder Zirbelkiefer + Zypresse

Im Folgenden zeigen wir Ihnen, welche Pflanzen bzw. welche Öle welchen Wirkungen oder therapeutischen Anwendungen zugeordnet werden können:

Es fällt auf, dass ein Öl nicht nur einer Wirkung zugeordnet werden kann. Damit bestimmte Wirkungen erzielt werden, werden Kompositionen aus mehreren Essenzen hergestellt, um die vielfältigen Nuancen zu nutzen. Duft- bzw. Ölmischungen werden jeweils aus einer sogenannten Kopf-, einer Herz- und einer Basisnote zusammengestellt.

Kopfnoten sind flüchtige Düfte, wie z. B. die Zitrusdüfte, die schnell wahrgenommen werden, aber auch schnell wieder verfliegen. Trotzdem aber erzielen sie im Gehirn ihre Wirkung, auch dann noch, wenn wir sie nicht mehr wahrnehmen!

Die Herznote verleiht der Duftmischung eine gewisse Tiefe und Wärme. Blütenöle wie Jasmin, Rose oder Ylang-Ylang gehören in diese Gruppe ebenso wie Lavendel, Römische Kamille und Muskatellersalbei.

Basisnoten sind schließlich Öle, die schwer flüchtig sind, dafür in der Raumluft das Aroma aber eine Weile erhalten – bspw. Sandelholz, Benzoe, Rosenholz, Weihrauch, Zeder und Zimt.

Tipps für die praktische Anwendung zu Hause

1. Das Ankommen erleichtern

Möchten Sie Ihrer zu pflegenden Person z. B. die Umstellung auf eine neue Umgebung erleichtern, erreichen Sie dies auf sanfte Weise unter Verwendung einer ihr angenehmen Duftmischung, die im Zimmer vernebelt wird und ihr so das „Heimkommen“ angenehm werden lässt.

Hier können Sie beruhigende, Ruhe findende Mischungen anwenden.

2. Zugang finden

Sind Ihre Angehörigen unruhig und mit Worten nur schwer erreichbar, so können sie mittels geeigneter Ölmischungen besänftigt und zugänglicher werden: Die Anregung der geistigen Aktivität und die Förderung der Konzentration helfen, sich wieder an einem Gespräch zu beteiligen.

In diesem Fall, also wenn Unruhe bei den Betroffenen vorliegt, können Sie gut Zitrone und Lavendel einsetzen.

3. Inspirieren und anregen

Ist Ihre pflegebedürftige Person sehr ruhig und in sich gekehrt, können Sie eine inspirierend anregende Mischung nutzen.

4. Akzeptanz testen

Oft ist es hilfreich, die Akzeptanz des Öls zunächst zu testen. Tragen Sie die Mischung etwa auf der Haut des Unterarms oder ein mit dem Öl betupftes Tuch in der Brusttasche, kann das Öl von Ihrer pflegebedürftigen Person wahrgenommen werden.

5. Ultraschallvernebler nutzen

Mittels eines Ultraschallverneblers können ätherische Öle über die Atemluft angewendet werden. Dies ist eine sichere und einfache Methode: Das Öl oder die Mischung wird dabei tropfenweise über einen Ultraschallvernebler in die Raumluft verbracht.
Selbst wenn nach gewisser Zeit der Duft nicht mehr bewusst wahrgenommen wird, so wirken seine Inhaltsstoffe nach wie vor auf unser Gehirn.

 

 

Über die Autorin

Eva Seitz ist Apothekerin und leitet eine Apotheke.