Schutz vor Hitze: Was Sie tun können

Schutz vor Hitze: Was Sie tun können

Aktuell herrscht große Hitze in Südeuropa mit Temperaturen von bis zu 40 Grad und mehr. Auch in Deutschland liegen die ersten heißen Tage mit über 30 Grad hinter uns. Damit Sie und Ihre pflegebedürftigen Angehörigen gesund durch die nächste Hitzewelle kommen, haben wir für Sie zusammengefasst, mit welchen Maßnahmen Sie sich gut vor Hitze schützen können.

Ein Thermometer in der prallen Sonne, das mehr als 30 Grad anzeigt.
GettyImages/WDnet
Inhaltsverzeichnis
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    Es ist Juli und damit befinden wir uns mitten im Hochsommer. Am vergangenen Samstag zeigte das Thermometer in einigen Regionen Deutschlands weit über 30 Grad an. Solche von Hitze geprägten Tage sind vor allem für ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen, Schwangere und Kinder eine besondere Belastung. Darauf weisen auch Fachgesellschaften sowie Medizinerinnen und Mediziner hin. Ebenso hat die Politik erkannt, dass Hitze zum Problem für die Gesellschaft wird.

    Deutschland auf Hitzewellen besser vorbereiten

    So lud Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Ende Juni Vertreterinnen und Vertreter aus Pflege, Ärzteschaft, Kommunen sowie aus Praxis und Wissenschaft zu einem Auftakttreffen über einen nationalen Hitzeplan ein. Gemeinsam will man künftig vor Hitzewellen besser warnen sowie auf sie reagieren und dazu zum Beispiel Pflegeheimen, Kommunen und Kliniken genaue Konzepte bereitstellen. „Anknüpfend an den französischen Erfahrungen soll im Sinne einer konzertierten Aktion Hitze ein Hitzeschutzplan – unter Beachtung der föderalen Zuständigkeiten und unter Beteiligung aller Verantwortlichen – für Deutschland etabliert werden“, heißt es in einem Impulspapier des Bundesgesundheitsministeriums.

    Dieser Schutzplan gegen Hitze zielt unter anderem darauf ab, konkrete Schutzmaßnahmen auszulösen, Todesfälle zu reduzieren und zu vermeiden sowie die Bevölkerung für das Thema Hitzeschutz zu sensibilisieren.

    Wie Sie sich und pflegebedürftige Angehörige gut vor Hitze schützen können

    Wie wichtig es ist, die Gefahren von Hitze ernst zu nehmen und sich gegen sie zu schützen, betonen auch Medizinerinnen des Krankenhausverbundes München Klinik sowie das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Das gilt vor allem für Ältere, Vorerkrankte, Schwangere und Kinder.

    Ausreichend trinken und sich gesund ernähren

    An Hitzetagen sollten Sie daher ganz genau sowohl auf das Trinkverhalten Ihres pflegebedürftigen Angehörigen als auch auf Ihr eigenes achten: Denn an heißen Tagen seien der Wassergehalt im Körper und das Durstempfinden weniger ausgeprägt und es könne zu einer Dehydrierung (Austrocknung) kommen, warnt Brigitte Buchwald-Lancaster, Chefärztin für Altersmedizin in der München Klinik Neuperlach. Um diesem Zustand vorzubeugen, sei es enorm wichtig, ausreichend zu trinken. Die Altersmedizinerin empfiehlt zwei bis drei Liter am Tag, etwa nicht zu kühles Mineralwasser, leichte Saftschorlen, Kräuter- und Früchtetees. Auf Alkohol und Koffein sollten Sie möglichst verzichten.

    Zudem könne es hilfreich sein, sich an die Flüssigkeitszufuhr zu erinnern, zum Beispiel mit Hilfe eines Weckers oder Strichlisten. Die Expertin erklärt aber auch: „Bei Patienten mit bestimmten Herz- und Nierenerkrankungen kann zu viel Flüssigkeitszufuhr schädlich sein. Sprechen Sie darüber mit ihrem Hausarzt und beachten Sie die empfohlene Trinkmenge.“

    Zudem sollten Sie beim Essen auf ein paar Dinge achten: „Schwere und fettige Kost vermeiden und lieber auf kleinere und leichtere Mahlzeiten setzen, mit viel Obst und Gemüse“, rät Bernd Böttiger, Bundesarzt beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Wichtig ist es auch, bei Hitze daran zu denken, wieder Salz zuzuführen, wenn Sie viel schwitzen. Denn: „Es gibt besonders an heißen Tagen durch starkes Schwitzen und vermindertes Trinken die Gefahr der Veränderung der ‚Blutsalze‘ (sog. Elektrolytstörung)“, erklärt Buchwald-Lancaster von der München Klinik Neuperlach. Folgen sind laut der Medizinerin Müdigkeit und Mattheit. Darüber hinaus könne es zu verzögerten Reaktionszeiten bis hin zu Verwirrtheit kommen.

    Um Salz nachzulegen, seien beispielsweise Gemüsebrühe oder eine leichte Fleischbrühe geeignet. „Beim Mineralwasser sollte zu einer natriumreichen Sorte gegriffen werden“, so die Chefärztin für Altersmedizin.

    Die richtige Menge Sonnencreme auftragen

    An Hitzetagen ist es außerdem ratsam, sich gut vor der Sonne zu schützen und einen Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor zu verwenden. „An Sonnencreme sollte man beim Auftragen nicht sparen, um wirklich gut geschützt zu sein“, betont Daniela Hartmann, Leitende Oberärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie (Derma 1) der München Klinik Thalkirchner Straße. Sie weist auch darauf hin, dass die meisten Menschen nur ein Viertel bis die Hälfte der Menge an Sonnencreme auftrügen, die eigentlich nötig wäre. „Die Richtlinien empfehlen zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Hautoberfläche. Je nach Körpergröße sind das 30 bis 40 Milliliter für den gesamten Körper. Das ist fast eine halbe Flasche“, erklärt die Expertin.

    Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden

    Trotz ausreichend Sonnencreme sollten Sie aber darauf achten, sich bei Hitze oder Hitzewellen nicht zu lange in der Sonne aufzuhalten. „Vor allem Kleinkinder und Senioren dürfen keinesfalls längere Zeit der direkten Sonne ausgesetzt werden“, warnt DRK-Bundesarzt Böttiger. Für ihn ist ein Sonnenhut, gegebenenfalls mit Nackenschutz, „ein Muss“. Weiterhin empfiehlt er, lichtdichte Kleidung zu tragen.

    Die Wohnung kühl halten und drinnen Pausen einlegen

    Damit die Temperaturen zu Hause auch im Fall von Hitzewellen erträglich bleiben, sollten Sie Ihre Wohnung möglichst kühl halten. Schon mit ein paar einfachen Maßnahmen, können Sie die Hitze fernhalten: „Abends oder früh am Morgen sollte gut durchgelüftet werden. Tagsüber schützen zugezogene Vorhänge und geschlossene Fenster vor der Wärme“, sagt Böttiger vom DRK. Auch Ventilatoren, die die Luft zirkulieren lassen, können helfen, die Temperaturen angenehm zu halten. Setzen Sie Klimageräte ein, so stellen Sie sicher, „dass die Temperaturunterschiede nicht allzu groß sind und sie nicht direkt im Luftzug sitzen, sonst drohen Erkältungen“, verdeutlicht die Altersmedizinerin Buchwald-Lancaster.

    Sie rät zudem dazu, den Tagesablauf an die Hitze anzupassen: „Verlängern Sie lieber Ihre Mittagspause. Sie müssen nicht auf leichte Spaziergänge, den Einkauf, Ihre regelmäßigen sportlichen Aktivitäten oder die Gartenarbeit verzichten. Aber verlagern Sie diese Tätigkeiten in die Abend- oder Morgenstunden. Meiden Sie längere und direkte Sonneneinstrahlung und Anstrengungen bei höheren Temperaturen.“

    5 Tipps für Hitzetage
    Damit Sie gesund durch die nächste Hitzewelle kommen, haben wir für Sie kurz zusammengefasst, auf was Sie achten sollten und was Sie tun können.

    Hitze und Vorerkrankungen: Vorsicht bei Diabetes

    Neben älteren Menschen ist die Hitze auch für Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes eine Belastung. Darauf macht auch das Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt aufmerksam. Danach können die zunehmenden Hitzeperioden für Diabetikerinnen und Diabetiker kritischer sein als für stoffwechselgesunde Menschen. „Eines der Hauptprobleme in Bezug auf Diabetes und Hitze ist das Risiko, dass der Blutzuckerspiegel steigt oder fällt und Hyperglykämien oder Hypoglykämien verursacht. Menschen mit Diabetes haben zudem ein höheres Risiko für Hitzeerschöpfung“, erklärt Alexandra Schneider, Leiterin der Forschergruppe Umweltrisiken am Institut für Epidemiologie bei Helmholtz Munich. Zu dieser könne es kommen, wenn der Körper bei hohen Temperaturen, oft gepaart mit körperlicher Anstrengung, nicht über genug Flüssigkeit und Salze verfüge und so mit der Kühlung überfordert sei. „Er kann folglich nicht genug schwitzen und versucht, sich auf andere Weise zu kühlen“, sagt Schneider. Daher sollten Diabetiker berücksichtigen, an Hitzetagen ihre Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen und über den Tag verteilt regelmäßig Wasser zu trinken, um den Verlust auszugleichen.

    Hitze-Tipps für Menschen mit Diabetes

    Weitere Hitze-Tipps für Menschen mit Diabetes finden Sie auf der Website diabinfo.de, ein gemeinsames Angebot von Helmholtz Munich, dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) und dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD). Hier finden Sie zum Beispiel ein Video „Hitze bei Diabetes: So reagiert der Körper“ oder einen „Diabetes-Spickzettel“ für die Sommerzeit.

    Wie Sie im Hitze-Notfall richtig reagieren

    Wie bereits erwähnt, sollten Sie an Hitzetagen besonders vorsichtig sein und auch immer auf erste Anzeichen eines Hitze-Notfalls achten. Symptome können Kopfschmerzen und Schwindel sein. „Bei einer Kreislaufschwäche können elektrolythaltige Getränke, wie eine Apfelsaftschorle, Betroffenen helfen“, weiß DRK-Bundesarzt Böttiger. Um einem Wärmestau entgegenzuwirken, sollten Sie beengende und überflüssige Kleidung ablegen und Luft zufächeln. Dies sorge für Kühlung. „Wenn sich der Zustand durch die Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht bessert, rufen Sie unbedingt den Rettungsdienst (Tel. 112)“, resümiert Böttiger.

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