Menschen mit Demenz nehmen die Welt um sich herum anders wahr als nicht betroffene Personen. Der einst vertraute Alltag und das persönliche Umfeld werden fremd, wodurch sich auch Angst und Unruhe einstellen können. Umso wichtiger ist es dann, das von Unsicherheit geprägte Gefühl umzukehren und dem Alltag eine Struktur zu geben.
Für an Demenz erkrankte Menschen sind klare Strukturen, feste Rituale und einfache Regeln wie ein Sicherheitsnetz. Strukturieren Sie deshalb gemeinsam mit Ihrer Angehörigen oder Ihrem Angehörigen den Tagesablauf und nutzen Sie dazu etwa To-do-Listen oder einen Terminplan. So geben Sie eine zeitliche Orientierung im Alltag und veranschaulichen Aufgaben und Beschäftigungen. Hängen Sie Listen oder Pläne an zentralen Stellen wie etwa dem Kühlschrank auf.

Checkliste "Wie Sie ein sicheres Wohnumfeld schaffen"
Zu einer festen Struktur zählt auch ein vertrautes und sicheres Wohnumfeld. Was Sie tun können und worauf Sie achten sollten, haben wir Ihnen in einer übersichtlichen Checkliste zusammengestellt.
Bereiten Sie Termine wie einen Arztbesuch gut vor und beziehen Sie Ihren Angehörigen mit ein, indem Sie beispielsweise erklären, warum ein Besuch beim Arzt notwendig ist und was ihn dort erwarten wird. Ein Krankenhausaufenthalt hingegen lässt sich nicht planen. Gerade deshalb kann es hilfreich sein, eine Notfallmappe mit biografischen Daten, Gewohnheiten und durch die Demenz bedingten Eigenheiten sowie eine Übersicht einzunehmender Medikamente zu erstellen.
Suchen Sie nach sinnhaften Beschäftigungsmöglichkeiten, um bestimmte Fähigkeiten trotz der Demenz so gut und lang wie möglich zu erhalten. Das können Angebote aus den Bereichen Musik, Basteln, Gartenarbeit, Spiele, Sinnesübungen oder Biografie sein, die sich als regelmäßige und wiederkehrende Elemente in den Alltag einbauen lassen und so zusätzlich für Stabilität sorgen.
Fördern Sie eine regelmäßige Bewegung. Sie kann sich positiv auf das Selbstwert- und Körpergefühl auswirken und ein Ventil für eine mögliche innere Ruhelosigkeit – eine typische Begleiterscheinung der Demenz – sein. Haus- und Gartenarbeit, Gehen, Gymnastik sowie Sport in Gruppen sind einige Optionen, die sich gut in den Alltag integrieren lassen.
Unterstützen Sie Ihren Angehörigen dabei, sich selbst zu pflegen. Das betrifft zum Beispiel die Körperpflege, das An- und Auskleiden und den Toilettengang – auch dies im Alltag wiederkehrende Tätigkeiten, die an Demenz erkrankten Menschen zunehmend schwerer fallen, aber so für Stabilität sorgen können. Seien Sie dabei einfühlsam und verständnisvoll und holen Sie sich bei Bedarf Hilfe von einem professionellen Pflegedienst.
Achten Sie auf das Wohlbefinden Ihres Angehörigen. Durch die Demenz verändern sich das Wahrnehmen und Erleben einerseits und das Verhalten andererseits. Versuchen Sie deshalb, ausgesandte Zeichen und Signale zu erkennen und zu deuten. Stellen Sie sich zum Beispiel folgende Fragen: Kann er oder sie Bedürfnisse und Wünsche mitteilen? Wie drückt er oder sie Gefühle aus? Wie nimmt er oder sie Kontakt zu mir auf?
Achten Sie auch auf Ihr eigenes Wohlbefinden und nehmen Sie Unterstützungsangebote wahr, wenn die Belastung zu groß wird oder Sie sich überfordert fühlen. Sorgen Sie auch in Ihrem eigenen Alltag für Momente und Phasen der Erholung und Entlastung.
Formulieren Sie Gefühle und spenden Sie Ihrem an Demenz erkrankten Angehörigen Trost mit Worten wie: „Ich merke, dass du ziemlich aufgeregt bist. Lass’ uns doch ein Getränk zubereiten, das wird uns beruhigen.“
Vermeiden Sie es, an Demenz erkrankte Menschen mit Fehlern oder falschen Aussagen zu konfrontieren. Das verstärkt nur die Unsicherheit und Hilflosigkeit und wirkt sich schlimmstenfalls negativ auf Ihr Verhältnis zueinander aus. Bleiben Sie stattdessen neutral in Ihrer Aussage. Ein Beispiel. Es ist warm draußen. Allerdings sagt Ihr Angehöriger: „Heute ist es aber kalt!“ Antworten Sie dann zum Beispiel mit: „Schön, dass wir es hier warm haben.“
Handeln Sie vorausschauend und pragmatisch: Stellen Sie etwa fest, dass eine bestimmte Person oder Situation im Fernsehen Angst auslöst, schalten Sie das TV-Gerät aus. Für die Zukunft wissen Sie, dass das Fernsehen eine kritische Situation im Alltag sein kann.
Weitere Hilfestellungen mit konkreten Beispielen zur Gestaltung des gemeinsamen Lebensalltags finden Sie in unserem kostenlosen Online-Pflegekurs „Demenz: Alltagsgestaltung und Begleitung“.
Warum es für Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen wichtig ist, sich so früh wie möglich Unterstützung und Hilfe zu suchen, entnehmen Sie dem Interview mit der Vorsitzenden der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Monika Kraus.
Weitere Tipps für den Alltag finden Sie natürlich auch hier im Portal.
