Technische Helfer für die häusliche Pflege

Technische Helfer für die häusliche Pflege

Neben einer liebevollen Pflege durch Mitmenschen und Fachleute sind es auch technische Errungenschaften, die das Leben von Pflegebedürftigen sukzessive erleichtern können. Die Wissenschaft hat hier in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht, sodass der bewährte Hausnotruf zwar immer noch das wichtigste, aber eben nicht mehr das einzige technische Hilfsmittel ist. Denn auch die automatische Übermittlung von Parametern wie Blutzucker oder Blutdruck an den Arzt ist längst keine Science Fiction mehr. Und wer weiß, vielleicht wird auch der Pflegeroboter schneller Standard als wir denken. Er soll bei alltäglichen Aufgaben „zur Hand“ gehen, aber keineswegs die Pflege durch Angehörige ersetzen.

Ein älterer Mann, der zu Hause auf dem Sofa sitzt, hält ein Handy in der Hand. Auf dem Bildschirm wird der Wert seines Blutzuckers in einer App angezeigt.
GettyImages/Phynart Studio
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    Ein Knopfdruck genügt und die Maschinerie ist in Gang gesetzt. Ein ganzes Expertenteam setzt sich in Bewegung, Helfer mit Sonderwegerechten eilen dem Betroffenen zur Hilfe. Klingt spektakulär, ist aber bereits längst Realität. Die Rede ist vom Hausnotrufsystem, das bereits vielen älteren oder auch pflegebedürftigen Menschen zur Hilfe geeilt ist. Nutzerinnen und Nutzer tragen dabei ein kleines Gerät um den Hals oder auch als Armband, mit dem sie jederzeit per Knopfdruck einen Notruf absetzen können. Daraufhin meldet sich die Hausnotrufzentrale des Anbieters und prüft, ob und welche Art von Notfall vorliegt und leitet gegebenenfalls weitere Schritte ein.

    „Hausnotrufsysteme wurden bereits seit längerer Zeit in das Pflegehilfsmittelverzeichnis aufgenommen, sodass hier – sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – mit einer Bewilligung gerechnet werden kann“, erläutert der GKV-Spitzenverband. Und so hält die Technisierung immer mehr Einzug in den Pflegealltag zu Hause. Elektrische Rollstühle, Pflegebetten und der genannte Hausnotruf erhalten „Zuwachs“, zum Beispiel in Form von Telemedizin, Fallsensoren und modernem Medikamentenmanagement für zu Hause.

    Telemedizin überwacht medizinische Parameter

    Eine Fernüberwachung von chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck ermöglicht es Ihnen und Ihren pflegebedürftigen Angehörigen, stets eng mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin verbunden zu sein, ohne dass Sie in der Praxis anwesend sein müssen. Diese Art von „Fernüberwachung“ von chronischen Krankheiten bietet gerade für Pflegebedürftige in den eigenen vier Wänden eine wichtige Möglichkeit zur kontinuierlichen Gesundheitsüberwachung.

    Mithilfe tragbarer Geräte können relevante Gesundheitsparameter wie Blutzuckerwerte oder Herzfrequenz kontrolliert und automatisch an medizinisches Fachpersonal übermittelt werden. Diese datengestützte Überwachung ermöglicht, dass der behandelnde Arzt frühzeitig die Therapie anpasst, wenn sich die übermittelten Werte deutlich verschlechtert haben.

    Sowohl für Sie als Angehörige als auch für die pflegebedürftige Person bedeutet dies ein großes Maß an Sicherheit, lassen sich Komplikationen doch häufig vermeiden und die Lebensqualität verbessern.

    Fallsensoren stellen Weiterentwicklung des Hausnotrufsystems dar

    Etabliert sind sogenannte Fallsensoren, die am Körper getragen werden. Sobald eine Person stürzt, wird dies von den Sensoren registriert, die dann einen automatischen Notruf absetzen. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um eine Weiterentwicklung des Hausnotrufsystems, nur dass kein Knopf gedrückt werden muss, sondern die Erschütterung des Sturzes ausreicht.

    Generell steigt in der häuslichen Pflege der Anteil an Telemedizin und Telepflege, und die Grenzen zum „Smart Home“ verwischen zusehends. Vom heimischen Pflegezimmer von heute können bereits Videoanrufe, Textnachrichten versendet werden und es kann noch weitere Technologien umfassen, die es Ärzten und Pflegepersonal ermöglichen, Patientinnen und Patienten in Echtzeit zu überwachen, Beratung zu geben und medizinische Empfehlungen aus der Ferne zu geben. Auch für Sie als pflegende Angehörige ist der „kurze Draht“ zur Praxis ein echter Vorteil.

    Modernstes Medikamentenmanagement für zu Hause

    Sie als Angehörige wissen, wie wichtig eine regelmäßige Medikamenteneinnahme ist. Aber sind wir ehrlich: Manchmal können auch Sie einmal vergessen, welche Tablette gerade zu diesem Zeitpunkt eingenommen werden muss. Auch hier gibt es technische Hilfsmittel, wie das automatisierte Medikamentenmanagement für pflegebedürftige Menschen, deren Genehmigung durch die GKV allerdings nicht garantiert ist und erfragt werden muss Es basiert auf innovativen Technologien, um sicherzustellen, dass Medikamente korrekt und pünktlich eingenommen werden. Dies geschieht normalerweise mithilfe eines speziellen Geräts, das mit einem Zeitplan für die Medikamenteneinnahme programmiert wird. Zu den Funktionen gehören:

    • Automatische Dispensierung: Das Gerät enthält unterschiedliche Fächer für verschiedene Medikamente. Zum geplanten Zeitpunkt öffnet sich das entsprechende Fach automatisch, und die benötigte Dosierung wird freigegeben.
    • Erinnerungsfunktion: Das System sendet Benachrichtigungen, sei es durch visuelle oder akustische Signale, um den Benutzer und die Benutzerin an die Einnahme seiner oder ihrer Medikamente zu erinnern.
    • Dosierungskontrolle: Die Geräte sind so konzipiert, dass sie genau die vorgeschriebene Menge an Medikamenten abgeben, wodurch Dosierungsfehler vermieden werden.
    • Medikamentenverwaltung über App: Einige Systeme bieten auch Apps, über die Pflegepersonen oder medizinisches Fachpersonal den Medikationsplan überwachen und anpassen können.
    • Notfallalarm: Bei ausbleibender Einnahme oder anderen ungewöhnlichen Vorkommnissen kann das System Notfallmeldungen an Angehörige oder Pflegekräfte senden.
    • Medikamentenvorratüberwachung: Einige Modelle bieten auch die Möglichkeit, den Medikamentenvorrat zu verfolgen und bei Bedarf automatisch Nachschub zu bestellen.

    Robotik und Virtual Reality sind die Zukunft

    Sehr vereinzelt, beispielsweise in Seniorenheimen oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, sind bereits Pflegeroboter im Einsatz. Für Sie als pflegende Angehörige sind diese vermutlich noch Zukunftsmusik. Unkritisch werden die elektrischen Helfer nicht gesehen, steht doch die Befürchtung im Raum, der persönliche Kontakt zu den pflegebedürftigen Menschen könne darunter leiden. Allerdings geht es vor allem darum, physische Unterstützung zu bieten, indem sie älteren Menschen bei Aktivitäten wie dem Aufstehen, Hinlegen oder dem Transport von Dingen in der Wohnung behilflich sind. Dies kann die Unabhängigkeit von Pflegebedürftigen erhöhen und das Risiko von Stürzen verringern.

    Ebenfalls noch weitestgehend „Zukunftsmusik“, aber definitiv auf dem Vormarsch sind Virtual-Reality-Lösungen, beispielsweise in Form von Brillen. Diese Technologien können für kognitive Übungen, therapeutische Zwecke und zur Ablenkung von Schmerzen eingesetzt werden, indem beispielsweise Bilder, Spiele oder Filme gezeigt werden, auf die der Nutzer entsprechend reagieren muss.

    Keine einheitliche Aussage über die Genehmigungspraxis möglich

    Die Umsetzung und Akzeptanz dieser Technologien in der häuslichen Pflege hängt von verschiedenen Faktoren ab: den individuellen Bedürfnissen und Präferenzen der Betroffenen, ihrer technologischen Versiertheit und der Verfügbarkeit von Unterstützung. Denn es gibt auch Sicherheits- und Datenschutzaspekte zu bedenken. Darüber hinaus werden noch längst nicht alle dieser Technologien von den Krankenkassen übernommen. Ist dies bei Sturzassistenten sowie der Übermittlung medizinischer Parameter schon oft gängige Praxis, sind Pflegeroboter und Virtual Reality noch nicht Teil des Pflegehilfsmittelverzeichnisses.

    Der GKV-Spitzenverband empfiehlt: „Generell sind die Kranken- und Pflegekassen ihrer pflegebedürftigen Angehörigen der richtige Anlaufpunkt. Fragen Sie proaktiv nach, welche Unterstützungs- oder Finanzierungsmöglichkeiten es gibt.“ Denn oft sei es auch im Sinne der Kostenträger, das Leben ihrer Kunden zu erleichtern und – so „kalt-wirtschaftlich“ es auch klingen mag – Folgekosten zu vermeiden.

    Wir drücken es anders aus: Technisch Hilfsmittel sollen das Leben pflegebedürftiger Menschen in der häuslichen Umgebung vor allem erleichtern und angenehmer gestalten. Sie als Angehörige werden auch weiterhin wichtige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner bleiben, um Ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder im Alltag zu unterstützen.

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