Ein Stoma kommt meist dann zum Einsatz, wenn Teile des Darms operativ entfernt werden müssen. Häufig ist Darmkrebs die Ursache für einen solchen Eingriff. Der künstliche Darmausgang übernimmt dann die Funktion, den Stuhl aus dem Körper auszuscheiden.
Bei der Versorgung eines künstlichen Darmausgangs (Stoma) unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Systemen: dem einteiligen und dem zweiteiligen System. Beide Varianten werden häufig eingesetzt und haben für Betroffene jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile:
Einteilige Systeme: Wie der Name bereits verrät, besteht ein solches System nur aus einem Teil. Der Beutel für die Ausscheidungen ist fest mit der Haftfläche verbunden, die auf die Haut aufgeklebt wird. Bei jedem Wechsel des Stoma-Beutels wird auch die Haftfläche von der Haut entfernt, was die Haut rund um das Stoma belasten kann. Ein Vorteil einteiliger Systeme ist wiederum, dass sie Betroffenen meist mehr Bewegungsfreiheit bieten und sich leichter unter der Kleidung verstecken lassen.
Zweiteilige Systeme: Zweiteilige Systeme bestehen aus einer Haftplatte und einem Beutel, der an dieser Haftplatte befestigt wird. Wenn der künstliche Darmausgang entleert wird, muss nur der Beutel gewechselt werden, während die Haftplatte auf der Haut bleibt. Ein solches System ist im Allgemeinen etwas schonender für die Haut. Allerdings kann es sich aufgrund seiner Größe manchmal etwas stärker unter der Kleidung abzeichnen.
Sie möchten wissen, wie ein künstlicher Darmausgang überhaupt funktioniert und wann er notwendig ist? Dann bietet unser Artikel „Wie funktioniert ein künstlicher Darmausgang?“ Ihnen mehr Informationen.
Stoma-Beutel: Geschlossen oder offen?
Neben einteiligen und zweiteiligen Systemen kann man bei einem Stoma auch auf verschiedene Beutel zurückgreifen.
Geschlossene Beutel haben keine Öffnung, um die Ausscheidungen zu entleeren. Stattdessen werden sie bei jedem Wechsel mitsamt ihrem Inhalt entsorgt.
Offene Beutel besitzen hingegen einen Verschluss, über den der Beutelinhalt entleert beziehungsweise ausgestreift werden kann – sie werden deshalb auch Ausstreif-Beutel genannt. Solche Beutel kommen in der Regel nur bei einem künstlichen Ausgang des Dünndarms (Ileostoma) in Frage, denn die Ausscheidungen haben eine eher flüssige Konsistenz.
Wie häufig muss der Beutel geleert werden?
Ein Stoma-Beutel sollte mindestens einmal täglich gewechselt werden. Handelt es sich um ein zweiteiliges System, bleibt die Haftplatte beim Beutelwechsel jedoch auf der Haut – es genügt, wenn sie erst nach einigen Tagen ausgetauscht wird.
Darüber hinaus ist für Betroffene und pflegende Angehörige wichtig zu wissen: Wenn der künstliche Darmausgang undicht ist, etwa weil der Beutel nicht mehr richtig haftet, so sollten Sie diesen grundsätzlich immer wechseln. Andernfalls können Ausscheidungen mit der Haut in Kontakt kommen und sie stark reizen.

5 Tipps für die Stoma-Versorgung
Bei der Versorgung eines künstlichen Darmausgangs müssen Sie einiges beachten. Mit unseren Tipps soll Ihnen das leichter fallen.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie den Stoma-Beutel wechseln wollen?
- Utensilien vorbereiten: Legen Sie sich zunächst alle benötigten Hilfsmittel zurecht. Dazu gehören je nach Versorgungssystem und Ihrer persönlichen Präferenz etwa ein frischer Beutel, eine Hautschutzplatte, Kompressen, Müllbeutel, Reinigungstücher und gegebenenfalls eine Hautschutzpaste oder -lotion.
- Alten Beutel entfernen: Lösen Sie nun das alte Versorgungssystem von oben nach unten ab. Das kann weniger unangenehm sein, wenn Sie die Haut über dem Stoma mit der anderen Hand etwas nach unten drücken.
- Haut und Stoma reinigen: Entfernen Sie bei Bedarf zunächst grobe Stuhlreste. Reinigen Sie dann die Haut um das Stoma mit klarem Wasser oder etwas milder, hautneutraler Seife. Achten Sie bei diesem Schritt darauf, kreisförmig von außen nach innen vorzugehen und nach jedem Absetzen ein neues Reinigungstuch zu verwenden. Tupfen Sie schließlich auch das Stoma vorsichtig ab. Dabei kann das Stoma manchmal auch leicht bluten – das ist nicht ungewöhnlich und liegt daran, dass die Darmschleimhaut stark durchblutet ist.
- Neuen Beutel anbringen: Bringen Sie nun das neue Versorgungssystem von unten nach oben an. Damit es gut haftet, kann es helfen, die Haut beim Ankleben etwas zu straffen.
Wie entsorgen Sie den Stoma-Beutel korrekt?
Den alten Stoma-Beutel sollten Sie gemeinsam mit verschmutzten Utensilien wie etwa Reinigungstüchern oder Kompressen im Restmüll entsorgen. Es ist ratsam, für jeden Beutelwechsel eine separate Mülltüte zu verwenden, die Sie dann verschließen und wegwerfen können. Wenn Sie einen Ausstreifbeutel benutzen, können Sie die Ausscheidungen auch direkt in die Toilette entleeren.
Irrigation – Was ist das?
Manche Menschen mit einem künstlichen Ausgang des Dickdarms (Kolostoma) nutzen auch die Methode der Irrigation. Das bedeutet, dass sie die Darmentleerung gezielt auslösen, indem sie Flüssigkeit durch das Stoma in den Darm geben. Auf diese Weise nimmt der Stuhl an Volumen zu und der Darm kommt in Bewegung.
Die Irrigation hat den Vorteil, dass in den darauffolgenden 24 bis 48 Stunden normalerweise kein Darminhalt mehr ausgeschieden wird. Das Stoma kann also in dieser Zeit mit einer Kappe verschlossen werden, ohne ein Versorgungssystem anzubringen.
Manche Betroffene fühlen sich durch diese Methode im Alltag weniger eingeschränkt. Gleichzeitig gilt es zu beachten, dass die Irrigation nicht bei jedem Patienten möglich und sinnvoll ist. Sie sollten deshalb im Vorfeld immer mit Ihrem Arzt besprechen, ob die Methode bei Ihnen in Frage kommt, und wie Sie dabei genau vorgehen sollten.
Manchmal ist es hilfreich, von den Erfahrungen anderer Betroffener zu lesen. Wenn Sie mehr über die Irrigation erfahren möchten, interessiert Sie vielleicht Edgars Erfahrungsbericht bei Stoma-Welt e. V. “Weil ich ja auch im Außendienst als Versicherungsfachmann tätig war, kam mir die Irrigation hervorragend gelegen. Auch später im Ruhestand habe ich das weiter beibehalten. Jetzt ist das eine Gewohnheitssache – ich plane nur eine Stunde Zeit dafür ein.“
Fazit
Einteilig, zweiteilig, offen, geschlossen – bei der Versorgung eines Stomas ist es entscheidend, das System auszuwählen, das am besten zu Ihren Bedürfnissen passt. Achten Sie darauf, den Stoma-Beutel regelmäßig und gewissenhaft zu wechseln. Dabei sollten Sie einige grundlegende Regeln, wie oben beschrieben, beachten.
