Pflegende Angehörige sind oft Allround-Talente: Sie kümmern sich um die Versorgung und Gesundheit ihrer pflegebedürftigen Familienmitglieder, organisieren den Alltag, behalten Termine im Blick – und das alles meist neben Job, Familie und eigenem Leben. Jede Unterstützung, die wirklich hilft und dabei auch noch bezahlbar ist, ist deshalb Gold wert. Eine Möglichkeit sind moderne Technologien wie Sprachassistenten oder KI-gestützte Chatbots. Was früher fast ein bisschen nach Science-Fiction klang, ist heute in vielen Haushalten Realität – und kann auch für die Pflege zu Hause nützlich sein.
Wie können Sprachassistenten die Pflege zu Hause erleichtern?
Sprachassistenten sind digitale Systeme, die auf Sprachbefehle reagieren. Sie sind in Geräten wie dem Amazon Echo („Alexa“), Google Nest oder dem Apple HomePod eingebaut. Aber auch viele Smartphones verfügen über solche Funktionen. Per Sprachbefehl können sie Informationen liefern, Geräte steuern, Listen erstellen oder an Dinge erinnern – und genau das macht sie für den Alltag oder die Pflege zu Hause interessant.
So starten Sie mit der Einrichtung
1. Gerät auswählen: Für Einsteiger eignen sich günstige Varianten der Sprachassistenten. Diese kosten meistens unter 50 Euro.
2. Herunterladen der App: Laden Sie im entsprechenden App-Store Ihres Betriebssystems (z. B. App Store bei Apple oder Google Play Store bei Android) die App herunter.
3. WLAN-Verbindung herstellen: Über die nun heruntergeladene App verbinden Sie das Gerät mit dem heimischen WLAN.
4. Nutzerprofil anlegen: Damit Erinnerungen und Listen personalisiert funktionieren und alles genau auf Ihre Bedürfnisse oder die Ihres Angehörigen abgestimmt ist, sollten Sie ein Nutzerprofil anlegen.
5. Funktionen aktivieren: Viele für die Pflege relevante Funktionen wie etwa eine Erinnerung an das Trinken oder die Tabletteneinnahme können über sogenannte „Skills“ oder „Aktionen“ angelegt werden.
Es gibt aber auch Funktionen, die in der Regel nicht vorher manuell eingerichtet werden müssen. Dazu gehört beispielsweise das Erstellen einer Einkaufliste. Moderne Sprachassistenten erkennen den Sprachbefehl automatisch und legen die Einkaufsliste bei der ersten Nutzung selbstständig an. Die Liste ist anschließend über die jeweilige App Ihres Sprachassistenten abrufbar – oder auf Sprachbefehl auch vorlesbar.
Diese Funktionen sind nützlich
Medikamentenerinnerungen: Wenn Sie z. B. den Sprachbefehl „[Name des Sprachassistenten], erinnere mich jeden Tag um 9 Uhr an meine Tablette“ nutzen, werden Sie oder Ihr Angehöriger ab sofort jeden Morgen um diese Zeit an die Medikamenteneinnahme erinnert. So verringert sich die Wahrscheinlichkeit, die Tablette zu vergessen.
Trinkerinnerungen: Besonders für ältere Menschen ist regelmäßiges Trinken wichtig (insbesondere bei Hitze). Auch hier können Sie per Sprachbefehl wie „[Name des Sprachassistenten], erinnere mich jeden Tag stündlich daran, etwas zu trinken“ den Assistenten in die Pflege zu Hause einbinden.
Termine im Blick: Arztbesuche, Krankengymnastik oder der Besuch des Pflegedienstes – mit einer simplen Sprachansage wie „[Name des Sprachassistenten], trage für Freitag Hausarztbesuch 10 Uhr in den Kalender ein und erinnere mich 2 Stunden vorher“ oder „[Name des Sprachassistenten], was steht heute an“ können Sie Termine organisieren und abrufen.
Einkaufslisten erstellen: Wenn Sie oder Ihr pflegebedürftiges Familienmitglied zwischendurch feststellen, dass die Milch leer ist, Brot fehlt oder Duschgel benötigt wird, sagen Sie z. B.: „[Name des Sprachassistenten|, setze Milch, Brot und Duschgel auf meine Einkaufsliste“.
Smart Home-Geräte steuern: Für den Fall, dass Sie weitere intelligente Geräte in Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung haben wie etwa smarte Rollläden, Lampen oder Heizung, können Sie auch diese per Sprachbefehl bedienen: „[Name des Sprachassistenten], fahre bitte den Rollladen im Schlafzimmer runter und schalte die Heizung aus.“ Das kann besonders Pflegebedürftige mit eingeschränkter Mobilität unterstützen.
Tipp: Sprachassistenten können auf Wunsch auch Pflegekräfte oder Familienmitglieder benachrichtigen – etwa, wenn eine Erinnerung nicht bestätigt wurde. So steigt das Maß an Sicherheit in der Pflege zu Hause weiter.
Wie können Chatbots im Pflegealltag unterstützen?
KI-Chatbots wie Replika, Woebot oder Wysa sind Apps, die auf Basis von künstlicher Intelligenz mit Nutzern kommunizieren. Anders als Sprachassistenten funktionieren sie meist schriftlich – per Chat am Smartphone oder Tablet. Sie nehmen Informationen auf, stellen Fragen, analysieren Stimmungen und bieten emotionale Unterstützung. Entwickelt wurden sie ursprünglich für Menschen mit psychischen Belastungen – doch sie können auch in der häuslichen Pflege nützlich sein und sind relativ leicht einzurichten.
So gehen Sie bei der Einrichtung vor
1. App herunterladen: Die oben genannten Chatbots erhalten Sie in gängigen App-Stores kostenlos (es gibt auch optionale Premiumfunktionen).
2. Profil erstellen: Der Bot fragt zu Beginn nach Interessen, Stimmung und Zielen, um ein Profil für Sie oder Ihren Angehörigen anzulegen.
3. Chat beginnen: Haben Sie ein Profil, können Sie einfach drauflosschreiben – der Bot antwortet, stellt Rückfragen und merkt sich Themen.
Diese Funktionen sind nützlich
Sich austauschen gegen Einsamkeit: Pflegebedürftige, die viel allein sind, haben mit dem Chatbot einen verlässlichen Ansprechpartner, der jederzeit erreichbar ist.
Mentale Entlastung für Angehörige: Wer selbst stark belastet ist, kann sich den Chatbot als eine Art digitales Tagebuch oder Vertrauten vorstellen, der „zuhört“ und hilfreiche Rückfragen stellt.
Stimmungsanalyse: Die KI erkennt Muster in der Kommunikation und kann auf Anzeichen von Stress, Angst oder Überforderung reagieren.
Alltagsbegleitung: Manche Chatbots bieten auch geführte Atemübungen, Meditationen oder positive Impulse für den Tag.
Wie steht es um den Datenschutz?
Eine berechtigte Frage – gerade, wenn es um sensible Themen wie Gesundheit und Pflege geht. Wichtig zu wissen: Sprachassistenten und Bots sammeln Daten, um zu funktionieren. Deshalb sollten Sie unbedingt einen Blick in die Datenschutzerklärungen werfen. Viele Anbieter ermöglichen inzwischen, Daten regelmäßig zu löschen oder die Nutzung gezielt zu begrenzen. Wer besonders auf Sicherheit achtet, kann mit Geräten arbeiten, die lokal (also ohne Cloud-Anbindung) funktionieren oder zumindest nur eingeschränkte Datenweitergabe erlauben.
Probieren Sie es doch einmal aus
Was auf den ersten Blick wie Spielerei wirkt, kann für die Pflege zu Hause eine Entlastung sein. Sprachassistenten übernehmen Routinen, erinnern zuverlässig an Wichtiges und helfen, den Überblick zu behalten. Bots zum Chatten sind niedrigschwellig und rund um die Uhr verfügbar. Vor allem aber: Diese Tools sind bezahlbar, relativ einfach zu bedienen und schnell einsatzbereit. Man muss kein Technikprofi sein – ein wenig Neugier reicht völlig aus (oder Sie bitten Ihre Kinder oder Enkelkinder um Hilfe bei der Einrichtung und Bedienung, sollten Sie unsicher sein). Probieren Sie die neuen technischen Helfer doch einmal aus.
Echte menschliche Beziehungen bleiben unersetzbar
Bei allem Nutzen moderner und intelligenter Technologie sei hier aber klar darauf hingewiesen: Eine KI kann niemals eine Beziehung zu einem echten Menschen mit all seiner Empathie ersetzen. Die Nähe zu und der Austausch mit unseren Nächsten bleiben auch im Zeitalter der KI unentbehrlich.
