Die Tatsache, dass es jährlich am 5. Mai einen internationalen Aktionstag zur Händehygiene gibt (Welttag der Handhygiene), unterstreicht die besondere Bedeutung, die der Händehygiene in unserem Alltag zukommt. Schließlich tun wir viel mit unseren Händen – z. B. arbeiten, kreativ sein oder anderen helfen – um nur ein paar Dinge zu nennen. Unsere Hände berühren dabei andere Haut oder alle möglichen Materialien, ohne dass wir wissen, ob dort eventuell gefährliche Krankheitserreger anhaften.
Mit der richtigen Händehygiene Infektionen vermeiden
Umso wichtiger ist eine gute Händehygiene. Mit ihr lassen sich Infektionen verhindern. Und das nicht nur im professionellen Umfeld wie im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung. Mit einer sorgsamen Händehygiene tragen Sie als pflegende Angehörige täglich einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung von Infektionen bei und schützen so sich und Ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder.
In der Unterstützung und Pflege einer hilfebedürftigen Person waschen Sie sich häufig die Hände, verwenden Desinfektionsmittel und tragen Einmalhandschuhe – je nach Situation. Aber auch für Ihren pflegebedürftigen Angehörigen ist Händehygiene wichtig. Achten Sie darauf und erinnern Sie ihn – falls nötig – daran.
Selbstschutz
Durch alle Maßnahmen, die Sie zur Händehygiene anwenden, schützen Sie sich vor Erkrankungen. Sie helfen aktiv mit, die Übertragung von möglichen Krankheitserregern auf sich selbst zu unterbinden.
Fremdschutz
Die Händehygiene unterbricht zudem den Übertragungsweg von Ihnen zu einer anderen Person. Sie schützen also mit der eigenen Händehygiene Pflegebedürftige bzw. alle im eigenen Haushalt lebenden Menschen. Gerade erkrankte Menschen mit einem instabilen Immunsystem profitieren von einer guten Händehygiene. Ihr Risiko, zusätzlich zur Grunderkrankung eine weitere Infektion zu erleiden, sinkt dadurch ab.
Im Folgenden haben wir für Sie alles Wichtige zur Händehygiene zu Hause und zum Hautschutz zusammengetragen und erklären, wann Waschen ausreicht, wann sich pflegende Angehörige die Hände desinfizieren sollten und worauf Sie in Sachen Hautschutz achten müssen.
Warum ist Händehygiene wichtig?
Fachleute haben herausgefunden, dass unsere Hände bei der Übertragung von Infektionserkrankungen mitverantwortlich sein können. Naseputzen, ein Haustier streicheln oder Essen zubereiten, unsere Hände haben häufig Kontakt zu möglicherweise infektiösen Mikroorganismen. Durch eine Händehygiene können Sie die Übertragung der möglichen Krankheitserreger unterbrechen – und das effektiv und mit einfachen Mitteln.
Wann die Hände waschen und wie?
Händewaschen gehört zum A und O der Händehygiene und ist auf den ersten Blick ein einfaches Unterfangen. Doch um es richtig zu machen – etwa bei groben Verschmutzungen, nachdem Sie von draußen ins Haus oder die Wohnung kommen, nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten, nach dem Toilettengang, nach einem Kontakt zu Haus- oder Nutztieren oder vor und nach Tätigkeiten in der Küche –, muss sorgfältig vorgegangen werden.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt dazu, 5 Schritte zu beachten:
- Nass machen: Verwenden Sie fließendes Wasser, um Ihre Hände zu säubern, und wählen Sie eine für Sie angenehme Temperatur aus. Zum Einseifen den Wasserhahn schließen, das spart Wasser.
- Rundum einseifen: Seifen Sie Handinnenflächen und Handrücken, Fingerspitzen und Fingerzwischenräume sowie den Daumen gut ein. Bei Bedarf erweitern Sie das Einseifen auf die Handgelenke und Unterarme. Vergessen Sie dabei nicht die Fingernägel und greifen Sie lieber auf Flüssigseife statt auf Seifenstücke zurück.
- Zeit lassen: Führen Sie die Schritte sorgfältig durch. Richtiges Einseifen dauert mindestens 20 Sekunden.
- Gründlich abspülen: Spülen Sie Ihre Hände unter fließendem Wasser gut ab. Falls Sie einen öffentlichen Waschraum besuchen, ist es ratsam, den Wasserhahn mit Ihrem Ellenbogen zu schließen oder dazu ein Einweghandtuch zu benutzen.
- Sorgfältig abtrocknen: Trocknen Sie Ihre Hände gründlich ab. Achten Sie dabei auch auf die Fingerzwischenräume. Zu Hause verwenden alle im Haushalt lebenden Personen am besten ihr eigenes Handtuch. In öffentlichen Toiletten nutzen Sie, wenn möglich, Einmalhandtücher.
Vor
- den Mahlzeiten
- dem Berühren von Medikamenten, etwa Tabletten oder anderen Oralia
- dem Schminken, also dem Umgang mit Kosmetika
Nach
- dem Toilettenbesuch
- dem Nachhausekommen
- der Gartenarbeit
- dem Wechsel einer Windel bei einem Säugling oder Kleinkind
- dem Wechsel von Inkontinenzmaterial bei einer erwachsenen pflegebedürftigen Person
- der Unterstützung bei einem Toilettengang einer anderen Person egal welchen Alters und ggf. der Hilfe bei der Reinigung und/oder dem Wechsel der Kleidung
- dem Kontakt mit tierischen Exkrementen
- dem Umgang mit Tieren und Tierfutter
- dem Reinigen von Mülltonnen bzw. dem Umgang mit Abfällen
Vor und nach
- dem Umgang mit rohem Fleisch, Geflügel oder Fisch
- dem Kontakt mit einer gerade erkrankten Person
- der Versorgung einer Wunde
Bei der Zubereitung von Mahlzeiten gibt es zudem Anlässe, sich auch zwischendurch die Hände zu reinigen, etwa wenn Sie Fleisch zerkleinert haben und nun Gemüse vorbereiten möchten.
Wann die Hände desinfizieren und wie?
In der häuslichen Pflege gibt es zudem Situationen, in denen eine sogenannte hygienische Händedesinfektion notwendig ist und Händewaschen nicht ausreicht, denn eine Händedesinfektion ist im Vergleich effektiver. Das ist z. B. der Fall,
- wenn Sie den Verband einer Wunde wechseln,
- wenn Sie in Kontakt mit einer Ernährungssonde kommen,
- wenn Sie in Kontakt mit einem Stoma (künstlicher Darmausgang, künstliche Harnableitung oder bleibender Luftröhrenschnitt) kommen,
- wenn Sie in Berührung mit Ausscheidungen gekommen sind,
- wenn beispielsweise eine ansteckende Erkrankung vorliegt,
- wenn Sie etwa nach einem Verbandwechsel die benutzten Einmalhandschuhe ausgezogen haben.
Wie gehen Sie beim Desinfizieren nun richtig vor? Es hat sich bewährt, ähnlich zu verfahren wie beim Einseifen zum Händewaschen und sich eine Abfolge der Schritte anzugewöhnen – etwa wie folgt:
- Bringen Sie das Händedesinfektionsmittel auf die trockenen Handflächen auf. Verwenden Sie dabei so viel Desinfektionsmittel, das es in eine hohle Hand passt (etwa 3 bis 5 ml).
- Benetzen Sie mit dem Händedesinfektionsmittel beide Hände. Dazu verteilen Sie das Desinfektionsmittel sorgsam über die Handinnenflächen, die Handrücken, die Fingerzwischenräume und Fingerspitzen. Auch der Daumen sowie die Nagelfalze sind zu berücksichtigen. Ggf. weiten Sie die Händedesinfektion auf die Handgelenke und Unterarme aus.
- Die meisten Händedesinfektionsmittel benötigen 30 Sekunden, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Während dieser Zeit sollten die Hände feucht benetzt sein. Lassen Sie das Desinfektionsmittel komplett abtrocknen, ehe die Hände wieder aktiv werden.

Das A und O der Händehygiene
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie beim Waschen oder Desinfizieren der Hände richtig vorgehen.
Einmalhandschuhe zum Schutz der Hände
Im Drogerieregal sind unterschiedliche Handschuhe zur Einmalverwendung im Angebot. Sie sind meist aus Nitril oder Latex gefertigt. Nicht alle sind für pflegerische Tätigkeiten geeignet. Vor dem Kauf lohnt deshalb ein Blick auf die Angaben der Umverpackung.
Medizinische Einmalhandschuhe gibt es auch als sterile Handschuhe, also so behandelt, dass sie frei von Mikroorganismen sind. Solche Handschuhe kommen etwa für die professionelle Wundversorgung zur Anwendung.
Auch wenn Hersteller eine hohe Dichtigkeit und damit einen guten Schutz der Hände gewährleisten, Studien haben gezeigt, dass selbst medizinische Einmalhandschuhe nicht zu 100 Prozent dicht sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass man komplett auf sie verzichten kann. Nach der Entsorgung der gebrauchten Einmalhandschuhe ist es sinnvoll, sich die Hände zu waschen, besser noch zu desinfizieren.
Wann Einmalhandschuhe tragen?
Kommen Sie mit Körpersekreten in Berührung, ist das Tragen von Einmalhandschuhen sinnvoll, etwa wenn Sie die Urinflasche, den Urinbeutel oder eine Vorlage wechseln. Das ist auch der Fall, wenn Sie Kleidung säubern, die mit Urin oder Kot verschmutzt ist, oder einer pflegebedürftigen Person helfen, Inkontinenzmaterialien zu wechseln, und eine Intimpflege erforderlich ist. Bei einem Verbandwechsel oder im Kontakt mit einem Stoma ist die Nutzung von medizinischen Einmalhandschuhen sinnvoll. Zudem schützen Handschuhe vor einem Kontakt mit speziellen Medikamenten, wie Antibiotika oder Arzneien zur Chemotherapie.
Eine intakte Haut schützt
Unsere Haut bildet eine natürliche Schutzbarriere. Ist sie intakt, kann sie verhindern, dass dort anhaftende Stoffe in sie eindringen können. Der natürliche Schutzfilm der Haut und ein leicht saurer pH-Wert wirken hilfreich mit. Anders ist es, wenn die Haut rissig, trocken oder verletzt ist. Dann besteht das Risiko, dass anhaftende Mikroorganismen durch die Barriere hindurchgelangen.
Händehygiene und Hautschutz: Wie passt das zusammen?
Eine gute Händehygiene gehört zum Alltag von pflegenden Angehörigen und ihren pflegebedürftigen Familienmitgliedern dazu. Gleichzeitig kann Waschen oder Desinfizieren die Haut reizen oder sogar schädigen.
Vor allem beim Händewaschen mit Wasser und Flüssigseife werden Hautfette gelöst, die die Haut nur schwer ersetzen kann. In der Folge trocknet sie aus. Auch bei der Reinigung mit alkoholhaltigen Händedesinfektionsmitteln werden Hautfette aus der Hornschicht herausgelöst. Da die Hände nicht abgespült werden, verbleiben die Hautfette und werden teilweise wieder in die Haut eingebracht. Zudem verfügen viele Händedesinfektionsmittel über Schutzstoffe für die Haut. Eine Händedesinfektion ist somit dem Händewaschen vorzuziehen, auch um die empfindliche Haut nachhaltig zu schützen.
Wie Hautschäden vermeiden?
Händehygiene und Hautschutz schließen sich nicht aus. Mit einigen Maßnahmen können Sie Hautschäden vorbeugen. Diese haben wir für eine bessere Übersicht vier Bereichen zugeordnet:
- Häufigkeit und Art der Reinigung
– Reinigen Sie Ihre Hände so häufig wie nötig.
– Um Ihre Hände zu säubern, können Sie sie je nach Situation oder Tätigkeit entweder waschen oder desinfizieren.
– Sind Ihre Hände sichtbar verschmutzt, sollten Sie sie waschen.
– Müssen Sie Ihre Hände besonders oft reinigen, ist es ratsam, sie häufiger zu desinfizieren, statt sie zu waschen. - Produkte zur Reinigung und Pflege
– Verwenden Sie zur Reinigung Produkte, die mild, hautschonend und frei von ätherischen Ölen oder Farb- und Duftstoffen sind.
– Eine pH-neutrale Flüssigseife ist zu empfehlen.
– Cremen Sie Ihre Hände regelmäßig ein. Hierzu eignen sich einen Schutzfilm bildende Mittel, die Feuchtigkeit und reizende Stoffe abblocken. - Einsatz von Einmalhandschuhe
– Einmalhandschuhe können Ihre Haut beanspruchen. Achten Sie bei der Auswahl des Produkts auf die Materialien (z. B. Nitril oder Latex), da manche Inhaltsstoffe Allergien hervorrufen können.
– Wenn die Handschuhe von innen feucht sind, sollten Sie sie wechseln. Tragen Sie Handschuhe länger als zehn Minuten, können Sie Baumwollhandschuhe darunter verwenden. - Beratung
– Lassen Sie sich zum Hautschutz und im Fall von Hautveränderungen oder -problemen professionell beraten. Nehmen Sie dazu Kontakt zu einer Pflegefachperson oder zu Ihrem Hausarzt beziehungsweise Ihrem Hautarzt auf.
Ihre Haut wird im Alltag stark beansprucht: Gönnen Sie ihr deswegen regelmäßig eine wohltuende „Auszeit“, z. B. in Form eines Pflegebads oder einer Massage mit einer pflegenden Creme oder geeigneten Ölen.
Die richtige Händehygiene: Einfach und anspruchsvoll zugleich
Waschen, desinfizieren, schützen, das klingt alles so einfach. Das stimmt einerseits auch. Händehygiene ist „einfach“, da sie im Vergleich zu anderen Tätigkeiten nicht lange dauert und sie sich gut in den Alltag einbinden lässt – sie gehört quasi dazu wie das Zähneputzen.
Andererseits ist eine richtige Händehygiene sehr anspruchsvoll. Sowohl beim Händewaschen als auch beim Desinfizieren kommt es auf die Feinheiten an. Damit die Vorgänge wirksam sind, darf keiner der oben beschriebenen Schritte vergessen werden. Deshalb ist es wichtig, sich die Vorgehensweisen für eine gute Händehygiene immer wieder vor Augen zu führen und zu verinnerlichen. Wir hoffen, dieser Artikel hilft Ihnen dabei.
