Gemeinsam kochen: Aufgaben teilen, andere Vorgehensweisen akzeptieren

Kochen

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Zusammen kochen macht Spaß und fördert die Kreativität. Für Angehörige und ihre Pflegebedürftigen ist das Zubereiten von Speisen ein gemeinsames Erlebnis, das insbesondere Menschen mit Einschränkungen vermitteln kann, gebraucht zu werden.

Auch bei Unterstützungs- oder Pflegebedarf ist es wichtig, aktiv sein zu können, etwas zu leisten, gebraucht zu werden und immer wieder Erfolgserlebnisse zu haben. Dies sind zentrale Bedürfnisse, die uns Menschen durch das gesamte Leben begleiten und die im Alter und bei Einschränkungen oder Veränderungen nicht übersehen werden dürfen. Es geht darum, einen Alltag zu schaffen, in dem an vielen Stellen Situationen genutzt und Möglichkeiten geschaffen werden, um aktiv sein zu können.

Aufgaben aufteilen

Für den Pflegealltag zu Hause bedeutet dies, die zu pflegenden Angehörigen bei anfallenden Aufgaben mit einzubeziehen. Eine gute Möglichkeit ist das Kochen. Es ist für viele Menschen ein Bereich, in dem sie kompetent sind. Gleichzeitig ist das Kochen mit seinen Tätigkeiten, den dazugehörigen Geruchs- und Geschmackserlebnissen ein Fest für die Sinne – und das mobilisiert.

Dabei können z. B. die Aufgaben rund um die Mahlzeiten so aufgeteilt werden, dass sie gemeinsam getan werden können – mit der Partnerin oder dem Partner, den Eltern oder Kindern oder Freundinnen und Freunden. So stellen das Zubereiten der täglichen Mahlzeiten, das Backen von Gebäck und Kuchen für den Nachmittagskaffee oder die Zubereitung von Speisen für einen Festtag nicht nur eine Beschäftigung dar, sondern auch etwas Sinnstiftendes mit Genusselementen.

Spaß im gemeinsamen Handeln haben

Die folgenden Grundprinzipien unterstützen Spaß und Freude im gemeinsamen Tun:

1. Es geht nicht darum, dass Aufgaben auf eine bestimmte Art und Weise erledigt werden.

Wichtig ist, dass sie getan werden können. Im gemeinsamen Tun sollte sich jeder auf seine Art und Weise und mit seinen Möglichkeiten einbringen können. Das ist manchmal alles andere als einfach. Sind wir es z. B. gewohnt, alleine in der Küche zu arbeiten, braucht es eine Neusortierung, wenn man dort zu zweit tätig sein will. Manchmal fällt es schwer auszuhalten, dass Gemüse anders als gewohnt geputzt und geschnitten wird.

Es gilt zu erkennen, warum bestimmte Handlungen für die oder den Mitkochenden wichtig sind, auch wenn das für uns selbst nicht so ist. Das kann z. B. das routinemäßige Entsorgen des Abfallbeutels in die Mülltonne nach dem Wegräumen des Frühstücksgeschirrs sein – egal ob der Beutel fast leer oder halb voll ist. Es handelt sich dabei um eine Routine, der Raum gegeben werden sollte, damit sie gelebt werden kann.

2. Kochen und Backen sind komplexe Tätigkeiten, in denen viele kleine Schritte zum großen Ganzen werden.

Pfannkuchen zuzubereiten, eine Pizza zu backen oder einen Pudding zu kochen, dies sind für viele Routinetätigkeiten. Geübte Hausfrauen und Hausmänner haben die Gerichte unzählige Male zubereitet. Jeder Handgriff sitzt, sodass die Speisen auch immer gelingen.

Bei alters- oder krankheitsbedingten Veränderungen werden Hürden sichtbar. So können demenzielle Veränderungen dazu beitragen, dass die Reihenfolgen beim Kochen und Backen nicht mehr lückenlos präsent sind. Diese Lücken brauchen Unterstützung, dass sie wieder gefüllt werden können.

Eine gute Hilfe ist es, die einzelnen Schritte, die zu gehen sind, zu erläutern. Gemeinsames Erledigen von Aufgaben gibt immer auch die Möglichkeit, sich am Tun des anderen zu orientieren.

3. Gelegenheit schafft neue Zugänge.

Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie Menschen im Alter für sich Tätigkeitsbereiche (neu) entdecken. War über viele Jahre des Lebens kaum Zeit, sich mit dem Kochen zu beschäftigen, oder war der Platz in der Küche besetzt, heißt das noch nicht, dass das bis zum Lebensende so bleiben muss.

Die Einladung zum Mittun oder die Bitte um Unterstützung etwa bei der Verarbeitung von Obst zu Marmelade, weil die anstehenden Aufgaben gemeinsam besser und schneller zu erledigen sind, eröffnet Möglichkeiten der Beteiligung.

Gemeinsam ein Essen zuzubereiten, kann auch für die ganze Familie oder den Freundeskreis zu einem besonderen Erlebnis werden, in dem jeder seinen Platz finden kann. So ein Stück wie früher, als in den Dörfern noch zusammen Gebäck für eine Hochzeit, Kommunion oder Konfirmation oder Kindstaufe gebacken wurde. Was hier trägt, sind die Gemeinschaft und der Wunsch bzw. das Ziel, dass Speisen und Getränke entstehen, die dann gemeinsam verzehrt werden.

4. Gewohntes ermöglichen.

Viele Menschen nehmen im Alter sehr bewusst wahr, wie sich ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten verändern. Nicht selten werden zur Kompensation eigene Lösungen entwickelt.

Bei der Gestaltung unseres Münzgeldes war nicht im Blick, dass die Münzen auch bei einer Sehschwäche noch alle gut voneinander zu unterscheiden sind. Eine Lösung, um dem Dilemma zu entgehen, ist das Bezahlen mit Scheinen statt mit Münzen beim Einkaufen.
Einkaufen gehen ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort. Beim Einkaufen geht es nicht alleine darum, zielgerichtet einen Einkaufszettel abzuarbeiten. Einkaufen gehen heißt auch, die Atmosphäre eines Geschäfts zu genießen, die Artikel in den Regalen zu sehen, etwas anzuschauen, zu fühlen, anzuprobieren. All das gehört mit dazu und kann gut für gemeinsame Aktivitäten genutzt werden.

Sich auf andere Herangehensweisen einlassen

Im ganz normalen Alltag stecken viele Möglichkeiten, so lange wie möglich aktiv und selbstbestimmt zu bleiben. Wichtig ist es, dass wir als An- und Zugehörige immer wieder neu bereit sind, uns auf ein sich veränderndes Tempo, auf eigene und ganz andere Lösungen und Herangehensweisen für die Erledigungen in der tagtäglichen Versorgung einzulassen.

 

 

Über die Autorin

Martina Feulner ist Diplom-Oecotrophologin.