Der Pflegedienst: Darauf sollten Sie bei der Auswahl achten

Der Pflegedienst: Darauf sollten Sie bei der Auswahl achten

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Als Angehöriger eines pflegebedürftigen Familienmitglieds sind Sie häufig mit Aufgaben konfrontiert, die Sie nicht unmittelbar und alleine lösen können. Je kurzfristiger sich eine Pflegesituation einstellt, desto wichtiger ist eine schnelle und professionelle Unterstützung. Ein ambulanter Pflegedienst ist hier der richtige Ansprechpartner. Doch wie findet man den passenden Anbieter für die eigene Situation? Wir zeigen Ihnen, wie Sie bei Ihrer Suche konkret vorgehen können und wie es Ihnen gelingt, verschiedene Anbieter richtig zu bewerten.

Worauf kommt es an?

Ein Pflegedienst muss kompetent sein, also gut ausgebildete Fachkräfte beschäftigen. Gleichzeitig kann die beste medizinische Versorgung nicht das alleinige Auswahlkriterium sein, wenn Sie Ihren Angehörigen optimal pflegen möchten. Genauso wichtig ist die Qualität des menschlichen Kontakts. Immerhin arbeitet der Pflegedienst bei Ihnen zu Hause, erhält Einblicke in Ihr Privatleben und kommt dem hilfsbedürftigen Angehörigen auch körperlich so nah, wie es sonst nur eine sehr vertraute Person, etwa der Ehe- oder Liebespartner, darf. In manchen Pflegesituationen sogar noch näher.

Stimmt die Chemie zwischen Pfleger/Pflegerin und hilfsbedürftiger Person nicht, wird die Hilfe, obwohl benötigt, oftmals nicht angenommen. Das kann sogar zu einer zusätzlichen Belastung aller Beteiligten führen. Die Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes müssen also auch in der Lage sein, ein Vertrauensverhältnis zum Patienten und dessen Angehörigen, also Ihnen, aufzubauen.

Orientieren Sie sich

Der Markt ist auf den ersten Blick unübersichtlich, lassen Sie sich davon aber nicht entmutigen. Der erste Anruf oder Schritt sollte Sie zur Pflegekasse der pflegebedürftigen Person führen. Sie erhalten dort eine Liste von ambulanten Pflegediensten, mit denen die Kasse sowohl einen Versorgungs- als auch einen Vergütungsvertrag abgeschlossen hat.

Je nach Wohnort erhalten Sie diese Übersicht auch von der Stadt- und Gemeindeverwaltung, über das Sozialamt, über Altenservicezentren, Pflegestützpunkte oder Wohlfahrtsverbände. Sobald Sie diese Liste in der Hand haben, lohnt sich ein Blick auf die Homepage der jeweiligen Pflegedienste.

Erkundigen Sie sich auch in Ihrem direkten Umfeld. Fragen Sie Nachbarn und Freunde, mit welchem Pflegedienst sie schon gute Erfahrungen gemacht haben. Fragen Sie insbesondere:

  • nach der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Pflegekräfte.
  • ob der Umgang freundlich, respektvoll und engagiert war.
  • nach der Art der Zusammenarbeit mit Ärzten, Apotheken, Therapeuten.
  • wie häufig das Pflegepersonal wechselte.
  • ob es einen festen Ansprechpartner für Fragen gab.
  • ob die Kommunikation mit Pflegern und Pflegedienstleitung reibungslos verlaufen ist.
  • ob der Pflegedienst ständig erreichbar war, also auch dann, wenn spontan Fragen oder Probleme auftauchten.

Stellen Sie einen ersten Kontakt her

Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren künftigen Pflegedienst persönlich kennen zu lernen, idealerweise zusammen mit Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen. Treffen Sie die Vorauswahl nach den folgenden Kriterien:

  • empfohlene/r Pflegedienst/e
  • Nähe zu Wohnung/Haus/Stadtteil
  • erster Eindruck am Telefon
  • Gibt es ein Angebot zu einer persönlichen Beratung bei Ihnen zu Hause?

Vereinbaren Sie ein unverbindliches Informationsgespräch mit Ihrem vorläufigen Favoriten und mit einem weiteren Anbieter. Somit haben Sie und Ihr betroffener Angehöriger sofort eine Vergleichsmöglichkeit und können auch Ihr jeweiliges Bauchgefühl mit einbeziehen.

Lernen Sie den Pflegedienst kennen

Der erste persönliche Eindruck sagt viel über einen Pflegedienst aus. Seien Sie also aufmerksam und werten Sie das Gespräch im Nachhinein noch einmal gezielt aus.

  • Wurden Sie kompetent, geduldig und verständlich beraten?
  • Wurden Sie nach persönlichen Gewohnheiten, Bedürfnissen, Sorgen gefragt? Wurden diese ernst genommen?
  • Kann der Pflegedienst auf für Sie grundlegend wichtige Dinge eingehen (z.B. Versorgungszeiten, weibliche/männliche Pflegekraft etc.)?
  • Ist organisatorische Flexibilität gegeben?
  • Werden auf Wunsch auch hauswirtschaftliche und soziale Dienste angeboten (z.B. Vorlesen, Begleitung zum Arzt)?
  • Gibt Ihnen die Pflegedienstleitung Auskunft zu Zusammensetzung, Größe, Qualifikation und Fortbildungsmaßnahmen des Pflegeteams?
  • Setzt sich das Personal größtenteils aus examinierten Altenpflegerinnen/-pflegern zusammen?
  • Dürfen Sie in einem begründeten Fall eine bestimmte Pflegekraft auch ablehnen (z.B. wenn Ihr Angehöriger eine Kriegstraumatisierung hat)?
  • Berät Sie der Pflegedienst auch zu grundlegenden Themen wie Pflegegraden, Hilfsmitteln, Sturzquellen im Wohnraum, Notfallversorgung?
  • Welchen Gesamteindruck macht der Pflegedienst auf Sie und auf Ihren pflegebedürftigen Angehörigen? Gab es einen fühlbar guten Kontakt?

Denken Sie daran, die Kosten zu besprechen

In einer neuen Pflegesituation hat man häufig keine Vorstellung von den zu erwartenden Kosten. Achten Sie daher auch auf folgende Punkte:

  • Erhalten Sie genaue Auskünfte über Kosten und Abrechnungsmodalitäten?
  • Bekommen Sie auf Grund des besprochenen Pflegebedarfs einen schriftlichen Kostenvoranschlag zum Leistungsspektrum?
  • Werden Sie darüber aufgeklärt, welche Kosten die Pflegekasse trägt und welche Kosten Sie eventuell auch selbst übernehmen müssen?
  • Rechnet der Pflegedienst die Leistungen, die von Pflege- oder Krankenkasse zu finanzieren sind, direkt mit den Leistungsträgern ab?
  • Informiert Sie der Pflegedienst darüber, dass Menschen mit sehr knappen Finanzmitteln ergänzende Leistungen, etwa vom Sozialamt, beziehen können? Kann er für Sie notwendige Kontakte herstellen und Ihnen helfen, Ihre Ansprüche bei Kostenträgern geltend zu machen?

Der Vertragsabschluss

Wenn Sie Zweifel haben, vereinbaren Sie eine Bedenkzeit und sehen Sie sich einen weiteren Pflegedienst an. Vertrauen auf Ihrer Seite und Kompetenz auf Seite des Pflegedienstes sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, für eine tatsächliche Entlastung bei der Pflege und für die sichere und gute Versorgung Ihres Angehörigen.

Schließen Sie einen Pflegevertrag nur ab, wenn:

  • Sie das Gefühl haben, in guten Händen zu sein.
  • Sie den Vertrag sorgfältig und in Ruhe durchlesen durften.
  • Sie alle Details der Pflegevereinbarung verstanden haben. Der Pflegedienst hat die Pflicht, Sie ausführlich und verständlich aufzuklären.
Über den Autor

Esther Niederhammer ist Journalistin und Autorin. Ihre Schwerpunktthemen sind Wohnen und Leben im Alter, Generationen, Gesellschaft, Pflege, ärztliche Versorgung und Sterbebegleitung.