Das Pflegeheim: So wählen Sie eine passende Einrichtung

Das Pflegeheim: So wählen sie eine passende Einrichtung

© iStock.com | Jacob Lund

In bestimmten Fällen kann die Pflege eines Angehörigen zuhause nicht mehr geleistet werden. Wir helfen Ihnen, eine solche Situation gut zu meistern und das Pflegeheim zu finden, das sowohl den Bedürfnissen des pflegebedürftigen Menschen als auch denen des betroffenen Angehörigen gerecht wird. So müssen Sie als Angehöriger kein schlechtes Gewissen haben, und der Pflegebedürftige muss sich nicht abgeschoben fühlen.

Die Gründe für den Umzug in ein Pflegeheim sind so vielseitig wie die betroffenen Menschen selbst. Meist gelangen Angehörige oder auch Pflegebedürftige selbst an eine der folgenden Grenzen:

  • Ein Mensch wird aufgrund einer Krankheit schwerst pflegebedürftig und die Angehörigen können dem fachlich, organisatorisch oder emotional nicht mehr gerecht werden.
  • Der pflegende Angehörige wird selbst krank und ist dadurch mit der Pflege überfordert.
  • Das Verhältnis zwischen pflegebedürftiger Person und pflegendem Angehörigen war zeitlebens schwierig und die zusätzliche Nähe führt zu großen Konflikten.
  • Es gibt keine Angehörigen in unmittelbarer Nähe, die die Pflege übernehmen können.
  • Ein pflegebedürftiger Mensch möchte keinem Angehörigen die Pflege zumuten.

Welche Art von Pflegeheim wird benötigt?

Es gibt viele Arten von Pflegeeinrichtungen. Klären Sie zunächst, welche Pflege in Ihrem Fall notwendig ist. Benötigt Ihr Angehöriger eher allgemeine Hilfe, das heißt eine altersgerechte Infrastruktur, die den Haushalt übernimmt und Schutz vor Einsamkeit, Unterversorgung bietet und bei Sturz oder Pflegebedarf schnell zur Stelle ist? Dann wäre ein Altersheim oder eine Einrichtung für betreutes Wohnen ausreichend.

Steht die Pflege und Rundumbetreuung im Vordergrund, sollten Sie genau hinsehen. Demenzpatienten benötigen eine andere Versorgung als Menschen mit starker körperlicher Pflegebedürftigkeit (z.B. nach einem Schlaganfall oder bei chronischen Krankheiten). Ein Hospiz, wiederum wäre die richtige Einrichtung für die Begleitung eines Menschen bei einer Krankheit im Endstadium. Nur dort stehen eine moderne Schmerztherapie und psychologische Hilfen im Mittelpunkt der Versorgung.

Lage, Größe und Träger des Hauses

Steht der Schwerpunkt der benötigten Pflege fest, sollten Sie klären, welche Rahmenbedingungen Ihrem Angehörigen am besten entsprechen. Die Häuser unterscheiden sich nicht nur in der Größe (Anzahl der Betten). Auch der Träger und die Lage eines Hauses spielen eine wichtige Rolle.

Ist Ihr Angehöriger beispielsweise in einem bestimmten Stadtteil oder Ort sehr verwurzelt, sollten Sie darauf achten, dass das soziale Umfeld erhalten bleibt, also gewohnte Anlaufstellen weiterhin gut erreichbar sind. Das verhindert Einsamkeit und das Gefühl des Abgeschobenseins. Ist Ihr Angehöriger religiös, sollten Sie auch dies bei der Wahl des Trägers in Betracht ziehen.

Gerät Ihr Angehöriger schnell durcheinander, kommt vielleicht ein kleines, übersichtliches Haus eher in Frage als eine Einrichtung, die eine riesige Infrastruktur bietet, dafür aber mehrere hundert Menschen beherbergt. All diese Kriterien können die Lebensqualität sehr beeinflussen und den Umzug erleichtern oder verkomplizieren.

Das Angebot aktiv filtern

Als nächstes ist ein wenig Fleißarbeit gefragt. Suchen Sie gezielt nach Häusern, die die benötigte Pflege und den besten Rahmen für Ihren Angehörigen bieten. Je genauer Sie wissen, was Sie suchen, desto besser können Sie das Angebot filtern. Beginnen Sie in Ihrem unmittelbaren Umfeld beziehungsweise im Umfeld des Pflegebedürftigen. Nachbarn, Freunde, Hausarzt, die Gemeinde, die Hausverwaltung können entscheidende Hinweise geben.

Darüber hinaus sind auch Wohlfahrtsverbände, Städtische Alten- und Servicezentren, Kliniken, Geriatriezentren und das Internet wichtige Auskunftsstellen. Denken Sie bei speziellen Bedürfnissen auch an Vereine und Selbsthilfegruppen, die sich für pflegebedürftige Menschen einsetzen, etwa die Deutsche Alzheimergesellschaft oder ein Hospizverein.

Der persönliche Eindruck zählt

Die Qualität eines Hauses kann nicht allein durch die Ergebnisse des sogenannten Pflege-TÜVs abgebildet werden. Verlassen Sie sich also nicht blind auf Noten und Zertifikate, nehmen Sie sich unbedingt Zeit, die Häuser der engeren Wahl persönlich zu besichtigen und nach wesentlichen Punkten auch ganz direkt zu fragen.

  • Wirkt das Haus sauber und gepflegt, freundlich und hell?
  • Welchen Eindruck machen die pflegebedürftigen Hausbewohner?
  • Welche Grundstimmung ist wahrnehmbar?
  • Welcher Umgangston herrscht (respektvoll oder bevormundend)?
  • Welchen Eindruck macht das Personal in Verwaltung, Pflege, Café, etc.?
  • Passt der Stil des Hauses zu Ihrem Angehörigen (Einrichtung, Ton, Duzen/Siezen, etc.)?
  • Welche Art der Unterbringung ist möglich (Einzel-, Doppelzimmer, Größe der Zimmer)?
  • Wie sprechen aktuelle Bewohner und deren Angehörige über das Haus?
  • Welche regelmäßigen Beschäftigungsangebote gibt es für die Bewohner?
  • Wie ist der Tagesablauf gestaltet (Essenszeiten, Pflegerische Versorgung)?
  • Sind wesentliche Kriterien zur Lage / zum Träger erfüllt?
  • Welche Art der pflegerischen Versorgung ist möglich? Entspricht das Ihren Bedürfnissen?
  • Werden Sie kompetent, geduldig und verständlich beraten? Werden Sie nach persönlichen Gewohnheiten, Bedürfnissen, Sorgen gefragt? Werden diese ernst genommen?
  • Welche Fixkosten entstehen im Detail? Was wird ggf. auch benötigt, aber gesondert berechnet (z.B. Wäscheservice)? Welche Kosten sind durch die Pflegekasse gedeckt?

Entscheidung treffen, Anmeldung und Vertrag

Idealerweise treffen Sie die Entscheidung für ein bestimmtes Haus mit dem Pflegebedürftigen zusammen. Ist der Betroffene nicht entscheidungsfähig, ist es Ihre Aufgabe in seinem Sinne zu handeln, also eigene Vorlieben zum Vorteil des Betroffenen auch zurückzustellen. Testen Sie das Essen, das Ihr Angehöriger bekommen würde. Besuchen Sie eine Veranstaltung des Hauses. Vereinbaren Sie, wenn möglich, ein Probewohnen oder eine Kurzzeitpflege, um genauere Eindrücke zu bekommen. Wenn Sie von einer guten Versorgung überzeugt sind, prüfen Sie die Unterlagen und Hausordnung genau.

  • Sind alle Leistungen nach Art, Umfang und Inhalt einzeln beschrieben?
  • Welche Kosten kommen auf Sie zu (Fixkosten, Zusatzkosten für benötigte Versorgung)?
  • Gibt es schwammige Formulierungen wie „bei Bedarf“? Worauf beziehen sie sich?
  • Werden alle Ihre Fragen verständlich beantwortet?

Wenn Sie Zweifel an einer Einrichtung haben, nehmen Sie sich die Zeit ein weiteres Haus zu besichtigen, denn der Umzug in eine Pflegeeinrichtung ist eine einschneidende Veränderung für Ihren Angehörigen. Erledigen Sie die Anmeldeformalitäten sobald Sie sich für ein Haus entschieden haben. Manche Häuser haben lange Wartezeiten.

Über den Autor

Esther Niederhammer ist Journalistin und Autorin. Ihre Schwerpunktthemen sind Wohnen und Leben im Alter, Generationen, Gesellschaft, Pflege, ärztliche Versorgung und Sterbebegleitung.