Wer sich in schwermütigen Zeiten in die Ferne sehnt und etwas Inspiration und Ablenkung sucht, der könnte all das in Peter Mayles Roman „Mein Jahr in der Provence“ finden.
Der Autor und seine Frau haben sich den Traum mancher Ruheständler erfüllt und sind von England in den Südosten Frankreichs umgesiedelt. Mit dem typischen britischen Humor beschreibt Mayle anschaulich und unterhaltsam das erste Jahr in der neuen Heimat. Dabei stoßen die Zugezogenen auf amtliche Hindernisse, sprachliche Schwierigkeiten und Wetterkatastrophen.
Zudem ziehen die notwendigen Reparaturen am neuen Eigenheim, einem Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert, sich ungeachtet von Terminzusagen der französischen Handwerker immer weiter in die Länge und wird die eigene Gastfreundschaft durch sich selbst einquartierende „alte Freunde“ aus England durchaus auf die
Probe gestellt.

Aufgewogen wird all das aber durch die wachsende Begeisterung für die neue Heimat. Denn die Dauerbaustelle in den eigenen vier Wänden bewegt die Mayles zu zahlreichen Ausflügen: Zu Fuß oder auf dem Rad erkunden sie entlegene Täler und unbekannte Winkel, entdecken Winzer, Olivenmühlen, Handwerks- und Kunstmärkte und immer wieder kleine Gasthäuser, in denen sie herzlich bewirtet und mit hervorragend zubereiteten regionalen Spezialitäten versorgt werden.
Essen und Trinken und die besondere Wertschätzung für beides ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman und auch Marotten und Vorurteile der Einheimischen werden mit einem Augenzwinkern beschrieben. Nach diesem amüsant geschilderten ersten Jahr haben „die Neubürger“ neben der noch einmal gewachsenen Wertschätzung für Land und Leute auch gelernt, dass Provenzalen die Zeit nicht ohne Grund nicht in Tagen oder Wochen bemessen, sondern allenfalls in Monaten.
Der Roman ist im März 2014 im Knaur Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch 10,99 Euro.
ISBN 978-3-426-51446-7