Johannes große Leidenschaft ist das Lesen. Der 85-Jährige mag es, mit den spannenden Zeilen seine Fantasie anzuregen. Doch seit einiger Zeit ist das nicht mehr möglich. Wenn er in sein Buch blickt, sind die gedruckten Wörter in der Seitenmitte verschwommen und verzehrt. Bei Johannes liegt eine altersbedingte Makuladegeneration (kurz AMD) vor, eine Augenerkrankung, die das zentrale Sehen erschwert.
Was ist eine altersbedingte Makuladegeneration?
Die Augen unterliegen einem Alterungsprozess. Das ist völlig normal und macht sich beinahe bei jeder Person ab Mitte 40 bemerkbar, in dem Zeitraum tritt die sogenannte Alterssichtigkeit (Presbyopie) ein. Doch nicht immer hat die Sehbeeinträchtigung einen natürlichen Ursprung.
In Industrieländern wie Deutschland ist die altersbedingte Makuladegeneration der häufigste Grund für ausgeprägte Seheinschränkungen im Alter. In dem Fall erkrankt das Netzhautzentrum im Auge, die Makula lutea. Dabei handelt es sich um ein Areal, das nur wenige Quadratmillimeter groß, aber bedeutend für die Sehqualität, insbesondere die Sehschärfe, ist. Die Makula unterstützt uns beim Lesen, beim Unterscheiden von Farbnuancen und dem Erkennen liebgewonnener Gesichter.
Die chronische Erkrankung, die meist beide Augen ereilt, teilen Mediziner und Medizinerinnen in zwei Formen ein:
- Trockene altersbedingte Makuladegeneration: Dabei kommt es zu Ablagerungen unter der Netzhaut. Sie schreitet vergleichsweise langsam voran, eine effektive Therapie fehlt bislang.
- Feuchte altersbedingte Makuladegeneration: Hier wachsen neue, aber undichte Blutgefäße unter der Netzhaut. Bei dieser Form verschlechtert sich das Sehen zügiger als bei der trockenen AMD, allerdings gibt es mit der richtigen Behandlung kleine Therapieerfolge.
Was sind Ursachen für eine altersbedingte Makuladegeneration?
Die altersbedingte Makuladegeneration ist, wie der Name bereits nahelegt, fest mit dem Alter verknüpft. Bei den 65- bis 75-Jährigen erkrankt etwa 1 Person von 100 Personen, in der Altersgruppe der über 85-Jährigen sind es schon 10 bis 20 Menschen. Forschende vermuten, dass die Erkrankung bei jedem Menschen irgendwann auftreten würde, wenn die Lebenszeit nicht begrenzt wäre.
Wann Personen tatsächlich erkranken, darüber bestimmen erbliche Faktoren und Umweltbedingungen. Sind enge Familienmitglieder betroffen, ist das Risiko für Ihren Angehörigen etwas erhöht. Außerdem ist bekannt, dass die altersbedingte Makuladegeneration früher und häufiger bei rauchenden Menschen auftritt.
Noch ist aber nicht genau klar, was die altersbedingte Makuladegeneration verursacht. Mediziner und Medizinerinnen nehmen an, dass es dabei zu einer Störung der in der Netzhaut befindlichen Sinneszellen kommt. Im fein aufeinander abgestimmten Netzhautstoffwechsel bilden sich Abfallstoffe. Das ist üblicherweise kein Problem, da der Organismus sie abbaut. Klappt das nicht wie vorgesehen, bilden sich Ablagerungen unter der Netzhaut – die Netzhaut an der Makula ist unterversorgt und nimmt Schaden.
Wenn Ihr Familienmitglied nicht raucht, ist das Risiko für eine altersbedingte Makuladegeneration geringer, das steht fest. Viele Krankenkassen bieten mittlerweile unterstützende Programme an, mit denen Menschen der Rauchstopp leichter fällt. Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitaminen, Betacarotin und Omega-3-Fettsäuren geben manchmal an, dass ihre Produkte vorbeugend wirken – dafür gibt es aber keine wissenschaftlichen Beweise.
Wie zeigt sich die altersbedingte Makuladegeneration im Pflegealltag?
Entwickelt Ihr Angehöriger eine altersbedingte Makuladegeneration, bleibt zwar das periphere Sehen erhalten. Das bedeutet, dass Ihr Familienmitglied etwas am Sehfeldrand, also oben, unten, links und rechts, wahrnehmen kann, wenn auch schlechter. Vor allem zieht die AMD aber das zentrale Sehen in Mitleidenschaft. Betroffene sehen im Verlauf zunehmend Dinge schlechter, auf die sie sich konzentrieren – das kann ein Gesicht, ein Glas oder eine Zahnbürste sein.
Folgende Symptome deuten auf eine altersbedingte Makuladegeneration hin:
- Gerade Linien machen einen Bogen, zum Beispiel an der Unterkante vom Badezimmerspiegel oder am Tischende.
- Gedruckte Zeilen sind verschwommen, die Buchstaben tanzen regelrecht.
- Die Mitte des Gesichtsfelds ist wie ausradiert oder grau.
- Die Farben erscheinen blasser – unter anderem verlieren Rosen ihr kräftiges Rot.
- Bei schlechten Lichtverhältnissen fällt das Sehen besonders schwer.
Da das periphere Sehen erhalten bleibt, kann sich Ihr Angehöriger, je nach Krankheitsausprägung, noch immer orientieren. Lesen Sie also im übertragenen Sinne zwischen den Zeilen und achten Sie (neben den oben genannten Symptomen) auch auf mögliche Anzeichen wie Unsicherheiten beim Greifen von Gegenständen oder häufiges Augenreiben.

5 Tipps für den Pflegealltag
Wurde bei Ihrem Angehörigen eine AMD diagnostiziert? Dann können Ihnen diese Tipps im Pflegealltag helfen.
Wie kann eine altersbedingte Makuladegeneration behandelt werden?
Weder die trockene noch die feuchte AMD ist derzeit heilbar. Es stehen jedoch verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. Bei der trockenen Form begrenzt sich dies auf die Krankheitsaufklärung, eine wirksame Behandlung gibt es nicht.
Für die feuchte altersbedingte Makuladegeneration gibt es folgende Möglichkeiten der Therapie:
- Medikamente: Medizinerinnen oder Mediziner spritzen sogenannte VEGF-Hemmer ins Auge, um die Neubildung von Blutgefäßen auszubremsen. Möglicherweise lässt sich auf diese Weise der Krankheitsfortschritt bei Ihrem Angehörigen verlangsamen oder aufhalten.
- Eine photodynamische Behandlung: Diese Therapieform gehört nicht zu den Standardverfahren, da sie weniger Erfolge als die Medikamente aufweist. Ziel der Behandlung ist, neu gebildete Blutgefäße mit Laser und Medikamenten zu therapieren.
- Eine Lasertherapie: Dabei therapieren Ärzte und Ärztinnen die krankhaften Blutgefäße mit Laserstrahlen– sie werden erhitzt und zerstört. Doch auch diese Therapie ist nicht so wirksam wie die Behandlung mit Medikamenten, hat mehr unerwünschte Begleiterscheinungen und kommt nur für wenige Betroffene infrage.
- Eine Operation: Sie kommt nur selten vor – nur dann, wenn bisherige Therapien keine Verbesserung gebracht haben und Blutungen im Auge bestehen.
Welche Therapie sich für Ihren Angehörigen eignet und wie die Erfolgsaussichten sind, darüber klärt Sie der behandelnde Arzt auf. Fragen Sie am besten direkt in der Praxis nach, wie Sie Ihren Angehörigen unterstützen können und ob es Hilfsmittel gibt, die den Pflegealltag trotz Sehproblemen vereinfachen.
Auf Angehörige pflegen haben wir Ihnen auch alles Wichtige zur Augenerkrankung „Grüner Star “ zusammengetragen.
