Rücken-Schmerzen: Warum pflegende Angehörige häufig davon betroffen sind

Rücken-Schmerzen: Warum pflegende Angehörige häufig davon betroffen sind

Dumpfe Schmerzen im unteren Rücken, ein Ziehen bis in die Oberschenkel oder ein Stechen bei jeder Bewegung – Schmerzen im Rücken haben viele Gesichter. Für pflegende Angehörige sind sie oft besonders belastend, denn die dringend benötigte Schonung muss wegen wichtiger Pflegetätigkeiten hintenanstehen. Stattdessen wird der Rücken weiter gebeugt und mit Gewicht belastet, was die Beschwerden meistens verschlimmert. Doch nicht nur körperliche, auch seelische Faktoren spielen bei Schmerzen im Rücken eine Rolle. Wir haben für Sie alles Wichtige zu Ursachen, Risikofaktoren und Warnsignalen von Rücken-Schmerzen zusammengefasst.

GettyImages/Hirurg
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    Stephanie fielen die Pflegetätigkeiten früher leicht, heute ist selbst das Bettbeziehen eine schmerzhafte Herausforderung. Über viele Monate pflegt sie nun ihre Mutter, die aufgrund von Druckgeschwüren mehrmals am Tag gelagert werden muss – das ist kräftezehrend und belastend für ihren Rücken. Dieser macht nun mit eindeutigen Beschwerden auf sich aufmerksam.

    Rücken-Schmerzen: Ein häufiges Problem, vor allem in der Pflege

    Kopfschmerzen und Schmerzen im Rücken zählen hierzulande zu den häufigsten Schmerzerfahrungen. Das zeigt auch eine Befragung des Robert Koch-Instituts: Dabei gaben mehr als 61 Prozent der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten Rücken-Schmerzen verspürt zu haben – 15,5 Prozent thematisierten chronische, also fortwährende, Schmerzen im Rücken. Tatsächlich chronifizieren sich Rücken-Schmerzen oft. In diesem Fall bestehen die Beschwerden länger als drei Monate.

    Insbesondere in der Pflege sind Rücken-Schmerzen weit verbreitet. Eine Studie mit Pflegekräften aus verschiedenen Altenpflegeeinrichtungen hat ergeben, dass mehr als 50 Prozent der weiblichen und 20 Prozent der männlichen Pflegenden im Laufe ihres Lebens chronische Rücken-Schmerzen entwickelten – das sind wesentlich mehr Betroffene als in der Allgemeinbevölkerung , hier sind es 27,3 Prozent.

    Auch viele pflegende Angehörige kommen mit anhaltenden Schmerzen im Rücken in Berührung, da auch sie ihren Rücken im Alltag oft ungünstig belasten. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2018 gaben mehr als 40 Prozent der pflegenden Angehörigen an, Probleme mit Gelenk- und Rücken-Schmerzen zu haben.

    Die Schmerzepisoden führen meist zu einem hohen Leidensdruck: Betroffene können dadurch Bewegungseinschränkungen sowie Schlafstörungen entwickeln und sich psychisch belastet fühlen. Außerdem plagt pflegende Angehörige mitunter ein schlechtes Gewissen, weil sie sich trotz der deutlichen Körpersignale weiterhin tatkräftig in der Pflege einbringen und ihre eigene Gesundheit zurückstellen.

    Welche Formen von Rücken-Schmerzen gibt es?

    Wenn Sie sich über Schmerzen im Rücken informieren, stoßen Sie auf verschiedene Arten. Neben der Unterscheidung in akute und chronische Schmerzen teilen sie Mediziner und Medizinerinnen in die spezifische und unspezifische Form ein. Während spezifischen Rücken-Schmerzen eine klare Ursache wie einen Bandscheibenvorfall haben, bleibt diese bei der unspezifischen Form unklar. Rücken-Schmerzen mit unklaren Beschwerden kommen im Vergleich häufiger vor und sind durch die unbekannte Ursache schwerer behandelbar.

    Auch die Lokalisation der Beschwerden spielt bei der Einteilung eine Rolle: So gibt es Schmerzen im oberen, mittleren und unteren Rücken. Da die Lendenwirbelsäule recht empfindlich ist, sind Probleme im unteren Rücken etwa doppelt so häufig wie im oberen Bereich.

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    Welche Ursachen gibt es für Rücken-Schmerzen bei pflegenden Angehörigen?

    Der Rücken ist tagtäglich gefordert – durch verschiedene Aktivitäten wird er gekrümmt, gestreckt und mit Gewicht belastet. Insbesondere pflegende Angehörige sind davon betroffen. Wer sich um Angehörige kümmert, belastet seinen Rücken zumeist stark, zum Beispiel durch das Umsetzen vom Bett in den Toilettenstuhl, durch die Unterstützung beim Steigen der Treppe oder durch die Körperpflege in gebeugter Haltung.

    Auch wenn es viele Ursachen für Rücken-Schmerzen gibt, sind bei Pflegenden oft eine einseitige Belastung, eine falsche Körperhaltung und zu viel Gewicht beteiligt. Das Problem: Fehlerhaftes Heben, Ziehen und Bücken zerrt an den Bandscheiben. Sie sind eine Art Polster, die auf die Wirbelsäule einwirkende Kräfte gleichmäßig verteilen. Die gute Nachricht: Über 90 Prozent der Beschwerden im Rückenentwickeln sich durch Muskelverspannungen – viele davon können mit einer korrigierten Haltung oder einer gezielten Entspannung gelöst werden. Beachten Sie deshalb auch unsere Tipps zur Prävention und die Vorstellung einiger Hilfsmittel.

    Auch die Psyche spielt eine Rolle bei Rücken-Schmerzen

    Die häusliche Pflege verlangt nicht nur dem Rücken, sondern auch der Psyche viel ab. Pflegende Angehörige können Stress oder Ängste empfinden, manchmal ist auch ein gewisses Maß an Ärger dabei. Das alles kann zu Muskelverspannungen führen, die Sie womöglich dazu verleiten, eine Fehlhaltung bei der Pflege einzunehmen – diese wiederum macht es Rücken-Schmerzen einfach.

    Bei diesen Warnsignalen sollten Sie einen Arzt aufsuchen

    Viele Menschen verspüren ab und zu im Rücken Schmerzen, die oftmals nach wenigen Tagen bis Wochen von alleine wieder vergehen. Sie können aber auch ein Anzeichen für dauerhafte Gesundheitsprobleme wie einen Bandscheibenvorfall, Osteoporose oder eine Wirbelgelenkarthrose sein.

    Bei folgenden Symptomen sollten Sie unbedingt einen Arzttermin vereinbaren:

    • Die Beschwerden sind hartnäckig und nehmen eher zu.
    • Der Schmerz strahlt in die Arme oder Beine aus.
    • In den Armen oder Beinen macht sich ein Taubheitsgefühl bemerkbar.
    • Es bestehen Entleerungsstörungen, beispielsweise kommt es plötzlich zu einer Harninkontinenz.
    • Die Schmerzen im Rücken sind Folge eines Sturzes.
    • Zu den Schmerzen kommen Fieber und Schüttelfrost.

    Unser Tipp: Ignorieren Sie anhaltende Rücken-Schmerzen keinesfalls, denn dadurch kann sich ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entwickeln. Machen Sie wiederholt Schmerzerfahrungen, können diese gewissermaßen zu einer Umprogrammierung im zentralen Nervensystem führen – selbst eine Berührung kann dann den Schmerzreiz auslösen.

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