Wechselwirkungen von Medikamenten: Bei diesen Lebensmitteln sollten Sie aufpassen

Wechselwirkungen von Medikamenten: Bei diesen Lebensmitteln sollten Sie aufpassen

Wechselwirkungen können nicht nur zwischen mehreren Medikamenten entstehen. Auch einige Lebensmittel vertragen sich nicht mit bestimmten Arzneimitteln – etwa Milchprodukte und Antibiotika oder Kaffee und Antibiotika. Welche Kombinationen von Medikamenten und Nahrungsmitteln Sie darüber hinaus meiden sollten, beantwortet Apotheker Thomas Preis vom Apothekerverband Nordrhein in unserer neuen „Frage an den Apotheker“.

Ein älterer Mann nimmt eine Tablette aus einer Tablettenbox.
GettyImages/Daisy-Daisy
Inhaltsverzeichnis
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    Je älter ich werde, desto mehr Medikamente nehme ich gleichzeitig ein. Dabei frage ich mich, ob die Wirkung meiner Medikamente auch durch Lebensmittel beeinträchtigt werden kann, und es bestimmte Wechselwirkungen gibt. So habe ich gehört, dass man lieber auf Milchprodukte und Fruchtsäfte bei der Einnahme verzichten sollte. Wann und mit welchen Lebensmitteln sollte ich meine Tabletten denn am besten einnehmen?

     

    Ob Grapefruit, Milch oder Brokkoli: Wer Medikamente gleichzeitig einnehmen muss, sollte Lebensmittel meiden, von denen bekannt ist, dass sie Wechselwirkungen auslösen können. Dass Wechselwirkungen (Interaktionen) zwischen mehreren Medikamenten, die man gleichzeitig einnimmt, entstehen können, wissen viele Menschen.

    Wechselwirkungen von Medikamenten gibt es auch mit Lebensmitteln

    Dass es darüber hinaus auch starke Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Nahrungs-, Genuss- oder Nahrungsergänzungsmitteln geben kann, ist oft weniger bekannt. Arzneimittel können in Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln stärker, schwächer, langsamer oder kürzer wirken, oder aber sogar ihre Wirkung nahezu komplett verlieren.

    Über 300 Arzneistoffe können Wechselwirkungen mit Nahrungs- und Genussmitteln verursachen. Das entspricht etwa 12,5 Prozent aller Fertigarzneimittel.

    Ihr Experte

    Thomas Preis ist Vorsitzender des Vorstandes Apothekerverband Nordrhein e.V. Er ist am 22. Januar 1959 geboren und studierte Pharmazie in Düsseldorf. Seit 1990 leitet er die Alpha-Apotheke OHG in Köln. Berufsständisch ist er seit 1995 engagiert, und dabei seit 1999 Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. Er ist auch Mitglied im Gesamtvorstand der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) und des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), darüber hinaus stv. Vorsitzender des Verbandes Freie Berufe im Lande Nordrhein-Westfalen (VFB NW) und Aufsichtsratsvorsitzender des standeseigenen Rechenzentrums, der ARZ Haan AG.

    Wie lassen sich Wechselwirkungen von Medikamenten mit Lebensmitteln vermeiden?

    Viele Wechselwirkungen von Medikamenten mit Lebensmitteln können Sie schon mithilfe von einfachen Maßnahmen effektiv vermeiden. Häufig reicht es aus, wenn Sie den richtigen zeitlichen Abstand zwischen der Medikamenteneinnahme und einer Mahlzeit einhalten.

    Nachfolgend einige bekannte Beispiele für im Beipackzettel angegebene Einnahmeempfehlungen und deren Bedeutung:

    • „nüchtern“: mindestens 1 Stunde vor (oder mindestens 2 Stunden nach) der Mahlzeit
    • „vor dem Essen“: 15 bis30 Minuten vor der Mahlzeit
    • „zum Essen“: während oder unmittelbar nach der Mahlzeit
    • „nach dem Essen“: 30 bis 60 Minuten nach der Mahlzeit

    Bei vielen Arzneimitteln ist es ratsam, sie auf nüchternen Magen einzunehmen. Dazu gehören zum Beispiel das Schilddrüsen-Medikament L-Thyroxin, Magensäureblocker wie Omeprazol oder Pantoprazol und Eisenpräparate. Medikamente, die während oder nach dem Essen eingenommen werden sollten, sind unter anderem Schmerzmittel – mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure (ASS) – sowie viele Antibiotika.

    Es gibt aber auch Medikamente, deren Wirkung durch die Nahrungsaufnahme nicht beeinträchtigt wird. Bei regelmäßiger Anwendung eines Medikaments sollten Sie jedoch darauf achten, dass der Zeitpunkt der Einnahme immer etwa gleich ist.

    Generell ist die Einnahme von Medikamenten im Stehen oder aufrecht sitzend mit einem großen Glas Leitungswasser zu empfehlen. Bei einer Einnahme im Liegen besteht die Gefahr, dass das Arzneimittel an der Speiseröhre haften bleibt und diese möglicherweise sogar schädigt.

    Wechselwirkungen aus dem Weg gehen

    Diese drei Maßnahmen können dazu beitragen, Wechselwirkungen von Medikamenten und Lebensmitteln zu vermeiden:

    • die zeitlich getrennte Einnahme,
    • das Ausweichen auf einen anderen Wirkstoff und
    • das Vorlegen einer Medikamentenliste bei jedem Arzt- und Apothekenbesuch.

    Für Medikamente und deren Wirkung ist Ihre Apotheke vor Ort der richtige Ansprechpartner: Ob Risiken, Neben- oder Wechselwirkungen – das Apothekenteam informiert Sie umfassend und individuell zu Ihrer Medikamenteneinnahme.

    Bei welchen Lebensmitteln sollten Sie vorsichtig sein?

    Die nachfolgende Auflistung zeigt ausgewählte Beispiele für Lebensmittel, die bei einigen Medikamenten die Wirkung beeinflussen können. Lassen Sie sich hierzu auch in Ihrer Apotheke vor Ort beraten.

    • Milchprodukte und Antibiotika
    • Koffein (z. B. Kaffee, Cola, bestimmte Tees) und Antibiotika
    • Koffein und Eisentabletten
    • Grapefruitsaft und Schmerzmittel, Schlafmittel, Antihistaminika, Bluthochdruckmittel
    • Lakritze und blutdrucksenkende sowie entwässernde Medikamente
    • Grünes Gemüse wie Spinat oder Brokkoli (enthalten Vitamin K) und einige blutverdünnende Medikamente wie Marcumar
    • Ingwer und Knoblauch und blutverdünnende Medikamente
    • Alkohol und Antidepressiva, Schlafmittel, Diabetesmedikamente wie Insulin
    • Soja und Schilddrüsenmedikamente wie L-Thyroxin
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    Wer berät Sie zu Wechselwirkungen von Medikamenten?

    Seit Sommer 2022 können Patientinnen und Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen müssen (Fachleute sprechen hier von „Polymedikation“), auch eine erweiterte Medikationsberatung direkt in der Apotheke ohne vorherige Verordnung des Arztes in Anspruch nehmen. Dabei bespricht die Apotheke auch mögliche Wechselwirkungen von Medikamenten und Lebensmitteln.

    Dieser besondere Service ist sehr empfehlenswert, da dabei arzneimittelbezogene Probleme aufgedeckt, gelöst und somit die Arzneimitteltherapie insgesamt verbessert und sicherer gestaltet werden kann. Die Kosten für diese Medikationsberatung tragen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Erkundigen Sie sich in Ihrer Apotheke vor Ort und nutzen Sie dieses neue Angebot.

    In diesem Sinne verbleibe ich mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit,

    Ihr
    Apotheker
    Thomas Preis

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