Venenschwäche: Kompressionsstrümpfe können Beschwerden lindern

Kompressionsstrümpfe

Bibliomed Verlag

Venenerkrankungen und die damit verbundene Kompressionstherapie bedeuten häufig Einschränkungen im Alltag. Doch auch mit Kompressionsstrümpfen, -binden und Co. kann ein recht unbeschwertes Leben gelingen.

Venenschwäche erkennen

Viele Menschen wissen nicht, dass sie an einer Venenschwäche leiden, da sie deren Symptome nicht einordnen können: Die Beine sind müde, schwer und schmerzen. Sie schwellen nach langem Stehen und Sitzen an, und es gibt ein Spannungsgefühl in den Beinen. Dies führt dazu, dass die gewohnten Schuhe und Socken einschnüren. Zudem ist die Haut trocken, schuppig und juckt oder zeigt auch bräunliche Verfärbungen. Das bedeutet, dass in den Gefäßen, die zum Herzen zurückführen (Venen), das Blut nicht mehr ausreichend in Herzrichtung gepumpt wird und sich in den Beinen staut. Die Folge ist eine Überlastung dieser venösen Gefäße. Die verminderte Entsorgung des Gewebes kann zu Wunden, dem sogenannten offenen Bein, beziehungsweise Wundheilungsstörungen führen.

Die Kompressionstherapie beschleunigt den venösen Blutrückfluss in Richtung des Herzens. Sie stellt die Schließfunktion der Venenklappen wieder her. Die Folge ist, dass sich Wassereinlagerungen in den Beinen reduzieren und das umliegende Gewebe entstaut und somit wieder schlanker wird. Zudem wird der Abtransport von Stoffwechselabfallprodukten und Gewebsflüssigkeit ermöglicht.

Hinweise für den Alltag

Betroffene sollten Temperaturen über 28° C meiden, da Wärme zu einer Weitstellung der Gefäße führt. Dies bedeutet, dass auf Wärmflaschen, heiße Bäder und Sonnenbäder besser verzichtet wird. Im Sommer können leicht angefeuchtete und eingefrorene Handtücher eine gute Unterstützung zur Kühlung der Beine sein. Auch das tägliche kalte Abduschen der Beine sowie Wechselduschen, die kalt enden, Kneipp’sche Güsse oder Wassertreten sind eine gute Unterstützung für die Venen.

Zur Entspannung können die Beine über Herzniveau hochgelegt, aber nicht übereinander geschlagen werden. Nachts kann das Fußende des Bettes leicht hochgestellt werden. Um die Gefäße nicht unnötig zu belasten, ist auf Kraftsport zu verzichten und Übergewicht zu reduzieren.

Durch eine Kompressionsbandagierung nehmen Bein- und Fußumfang zusätzlich zu, wodurch die Schuhauswahl eingeschränkt ist, beziehungsweise die eigenen Schuhe häufig nicht mehr passen. Offene Schuhe (Achtung: Sturzgefahr) oder die häufig empfohlenen Verbandschuhe stellen meist weder eine alltagstaugliche noch ansehnliche Alternative dar. Diverse günstige Halbschuhmodelle – eine Variante zwischen Straßen- und Turnschuh –, sogenannte Sneakers, ermöglichen es, eine Kompressionsbandagierung zu tragen. Beim Kauf ist darauf zu achten, dass diese atmungsaktiv sind und gegebenenfalls eine Nummer größer und in ausreichender Weite gekauft werden. Zudem ist auf einschnürende Kleidung, wie Miederhosen, Korsetts oder enge Bündchen an Strümpfen und Socken, zu verzichten, da diese die Durchblutung zusätzlich behindern.

Wundzentrum Hamburg e. V.

Das 2002 gegründete Wundzentrum Hamburg e. V. ist ein überregionales Netzwerk und widmet sich der vernetzten Zusammenarbeit von Ärzten, Pflegefachkräften und Therapeuten in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Pflege von Menschen mit chronischen Wunden. Unterschiedliche Arbeitsgruppen erstellen unter anderem interdisziplinäre und interprofessionelle Versorgungsstandards sowie Patienten- und Angehörigen-Broschüren, so auch die Broschüre „Kompression einfach – tragbar. Informationen für Betroffene und Angehörige“.

Die Broschüre ist kostenfrei als PDF-Dokument über die Homepage des Wundzentrums Hamburg e. V., www.wundzentrum-hamburg.de, herunterzuladen.

Venentraining im Alltag

Eine halbe Stunde Venensport am Tag trainiert die Beinmuskelpumpen und unterstützt somit die Wirkweise der Kompressionstherapie:

  • Spaziergänge, Nordic Walking, bewusstes Treppensteigen, Wassertreten
  • Stehend an einer Tischkante oder Stuhllehne festhalten, Gewicht von den Fersen auf die Fußspitzen verlagern
    und dabei die Fersen anheben
  • Hände im Liegen hinter dem Kopf verschränken, dann Gesäßmuskeln anspannen, dabei das Becken anheben und ausatmen, anschließend Becken wieder senken, kurze Entspannung und einatmen
  • Mit dem Fuß nach Gegenständen wie Stift oder Tuch greifen
  • Den Fuß über einen runden Gegenstand (Holzstab oder Ball) abrollen
  • Benutzung eines „Venensport-Kissens“, dabei wird die Luft von einer Kissenkammer in die andere getreten; die Muskelpumpen werden somit aktiviert
  • Sitzen und Stehen sind schlecht. Lieber: Laufen und Liegen (sogenannte „3S-3L-Regel“)

Möglichkeiten der Kompressionstherapie

Kurzzugbinden

Kurzzugbinden sind relativ unelastisch und haben ein geringes Dehnungsvermögen. Eine Wickelung der Beine mit Kurzzugbinden ist immer mit Watte- oder Schaumstoffbinden zu unterpolstern, um Einschnürungen und Schmerzen vorzubeugen. Eine Bandagierung mit Kurzzugbinden sollte nur so lange getragen werden, bis die Beine wieder schlank, also entstaut sind. Danach werden sie durch medizinische Kompressionsstrümpfe ersetzt.

Fertige Bindensysteme

Je nach Hersteller enthalten diese Systeme zwei, drei oder vier Komponenten, wie Polster-, Kompressions- und Fixierbinden. Eine Wickelung der Beine mit einem solchen Bindensystem verbleibt, je nach Krankheitsbild, bis zu sieben Tage am Unterschenkel. Aufgrund der abschließenden Fixierung mit einer selbsthaftenden Binde verrutscht diese Bandagierung nicht. Der Einsatz dieser Systeme erfolgt so lange, bis die Beine wieder schlank, also entstaut sind. Im Anschluss können, auch bei noch bestehender Wunde, fertige Strumpfsysteme oder medizinische Kompressionsstrümpfe zum Einsatz kommen.

Fertige Strumpfsysteme

Insbesondere für Patienten mit einer offenen Wunde (Ulcus cruris venosum) an den Unterschenkeln sind diese Strumpfsysteme eine gute Alternative zur Wickelung der Beine, wenn die Beine wieder schlank (entstaut) sind. Sie bestehen aus zwei Strümpfen, einem Unterziehstrumpf mit geringem Anlagedruck, der auch nachts am Unterschenkel verbleibt. Er schützt und fixiert den Wundverband und ist aus hygienischen Gründen täglich zu wechseln. Darüber wird tagsüber ein medizinischer Kompressionsstrumpf gezogen, der den erforderlichen Therapiedruck erwirkt. Diese Strumpfsysteme werden so lange getragen, bis die Wunde abgeheilt ist. Danach gibt es medizinische Kompressionsstrümpfe nach Maß.

Medizinische Kompressionsstrümpfe

Je nach Erkrankung sind Kompressionsstrümpfe in verschiedenen Kompressionsklassen erhältlich. Es gibt sie sowohl als konfektioniertes Fertigprodukt als auch als Maßanfertigung. Sie werden häufig zur Prophylaxe getragen, um das Wiederauftreten von Wunden zu vermeiden. Kompressionsstrümpfe sollten morgens vor dem Aufstehen angezogen und abends im Bett beziehungsweise vor dem Zubettgehen ausgezogen werden. Sie sind in einer Vielzahl an Farben und speziellen Designs erhältlich.

Pflegehinweise

Bei der Pflege von Kompressionsstrümpfen oder -binden gelten grundsätzlich die jeweiligen Herstellerangaben. Medizinische Kompressionsstrümpfe sind aus hygienischen Gründen täglich bei 30 bis 40° C per Handwäsche oder im Feinwaschprogramm, separat in einem Wäschenetz, zu waschen. Zur Reinigung sind Feinwaschmittel oder spezielle Strumpfwaschmittel zu nutzen.

Achtung: kein Einsatz von Vollwaschmitteln, Weichspülern oder Haarshampoos. Diese enthalten Weichmacher wie Silikone und greifen dadurch das Material der Strümpfe an.

Das Trocknen erfolgt am besten liegend auf einem Wäscheständer. Wäschetrockner, Heizung sowie direkte Sonneneinstrahlung schaden der Elastizität oder einer eventuellen Beschichtung. Bügeln, Chloren oder chemische Reinigung zerstören das Material.

Kompressionsstrümpfe werden halbjährlich vom Arzt neu verschrieben. Bei einer Erstverordnung gibt es eine Zweitausstattung, um die Strümpfe täglich waschen und wechseln zu können. Kompressionsbinden sollten aus hygienischen Gründen täglich bei 60 bis zu 95° C gewaschen werden. Das Material verliert nicht nur durch Wickeln, sondern auch durch Waschen an Festigkeit. Ausgeleierte Binden sind entsprechend zu ersetzen.

Risikofaktoren
  • Vererbung
  • Hormonelle Einflüsse während einer Schwangerschaft
  • Bewegungsmangel
  • Langes Stehen und Sitzen, Berufe mit stehender/sitzender Tätigkeit
  • Lange Reisen (Flugreisen)
  • Bekanntes Krampfaderleiden, Bindegewebsschwäche, Thrombose, Verletzungen an den Unterschenkeln
  • Höheres Alter (die Elastizität der Venenwände nimmt ab)
  • Übergewicht
  • Hochhackige Schuhe
  • Sauna- und Solarienbesuche
  • Heiße Bäder und lange Sonneneinstrahlung

Hautpflege bei Kompressionstherapie

Die besondere Belastung der Haut durch Wassereinlagerungen in den Beinen sowie durch die Kompressionsmaterialien erfordert vorsorgende Maßnahmen. Hautpflege mit speziell angepassten Produkten mindert diese Belastungen. Diese Pflegeprodukte sollten frei von Zusatzstoffen, z. B. Parfümzusätzen, sein, schnell in die Haut einziehen und ihr gleichzeitig Feuchtigkeit spenden.

Ideal sind Produkte, die Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff (Urea) enthalten. Harnstoff ist ein auf natürliche Weise feucht haltender Wirkstoff, der Wasser in der Haut bindet. Durch die Pflege erhöht sich die Elastizität der Haut und Juckreiz mindert sich. Zu achten ist auf eine fetthaltige Salbengrundlage (Wasser-in-Öl-Basis).
Der Artikel entstand auf Grundlage der Broschüre „Kompression einfach – tragbar“ des Wundzentrums Hamburg e. V.

Über den Autor

Kerstin Protz ist gelernte Kranken- und Gesundheitspflegerin, Projektmanagerin Wundforschung im Comprehensive Wound Center (CWC) am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf und Vorstandsmitglied im Wundzentrum Hamburg e. V.