VdK fordert Lohn für pflegende Angehörige

VdK-Präsidentin Verena Bentele

VdK / Susie Knoll

27.09.2022 – Der Sozialverband VdK hat mehr Unterstützung für pflegende Angehörige angemahnt. Aktuelle Studien belegten, dass jeder fünfte pflegende Angehörige armutsgefährdet ist, unter pflegenden Frauen sei es sogar jede vierte. VdK-Präsidentin Verena Bentele verwies damit am Dienstag auf Ergebnisse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW Berlin).

Armutsrisiko von pflegenden Angehörigen verringern

Als einen Weg aus der Armut forderte Bentele einen Lohn für pflegende Angehörige. Johannes Geyer vom DIW Berlin habe im Auftrag des VdK berechnet, dass sowohl ein Lohnersatz als auch ein fester Lohn für pflegende Angehörige das Armutsrisiko deutlich verringern können.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Der Lohnersatz richte sich nach dem letzten Gehalt, der Lohn dagegen nach dem Pflegegrad des Pflegebedürftigen und damit nach der tatsächlichen Tätigkeit. Letzteres helfe insbesondere Frauen, die bereits ihre Wochenarbeitszeit reduziert oder ihren Job ganz aufgegeben hätten, sowie Eltern von pflegebedürftigen Kindern. Nach Angaben von Geyer sinke damit die Armutsgefährdungsquote von pflegenden Frauen am deutlichsten.

Die Hälfte der pflegenden Angehörigen arbeitet nicht mehr Vollzeit 

Bentele sagte mit Verweis auf die im Koalitionsvertrag versprochenen Leistungen für pflegende Angehörige:

“Die Höhe sollte sich nach dem Aufwand der Pflege richten, nicht nach dem letzten Gehalt. Die Pflege durch eine Geringverdienerin ist genauso viel wert wie die Pflege durch einen Gutverdiener.”

Eine Online-Befragung der Hochschule Osnabrück, die 2021 im Auftrag des VdK durchgeführt wurde, liefere weitere wichtige Erkenntnisse zur finanziellen Lage pflegender Angehöriger.

Demnach hätten 49 % aller Pflegenden, die nicht mehr Vollzeit erwerbstätig sind, angegeben, dass sie ihre Arbeitszeit aufgrund der Pflege reduziert haben. So verlören sie Rentenpunkte und Einkommen.

Pflegeleistungen wegen zu hoher Zuzahlungen nicht in Anspruch genommen

Außerdem seien für ein Drittel der pflegenden Angehörigen finanzielle Sorgen ein täglicher Begleiter. Sie verzichteten aus Kostengründen sogar auf wichtige professionelle Entlastung. Die Wahl der Pflegeleistungen werde davon bestimmt, wie viel ein Haushalt bezahlen könne. Über 50 % hätten angegeben, Leistungen wie Pflegedienst, Tages-, Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege nicht in Anspruch zu nehmen, weil sie zu viel dazuzahlen müssten.

“Es ist schockierend zu sehen, dass aus finanzieller Sorge heraus auf professionelle Unterstützung und Entlastung verzichtet wird. Wir müssen die Nächstenpflege jetzt stärken, damit Deutschland kein Pflegedesaster droht.”

Pflegende Angehörige brauchten eine stabile finanzielle Basis, die ihnen ein gutes Auskommen jetzt und in der Rente sichere sowie auch für ihre Kranken-, Pflege und Arbeitslosenversicherung sorge.

“Wir appellieren dringend an die Bundesregierung, pflegende Angehörige endlich finanziell besser abzusichern und das Armutsrisiko zu bekämpfen.”

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.